SPIELPLÄTZE

Wirklich, Spielplätze? Jaja, richtig gelesen. Dennoch muss ich alle (bzw. die meisten) Mütter und Väter – samt deren Kindern – jetzt enttäuschen, dies ist kein Bericht über die besten Klettergerüste und Sandkästen in der bayrischen Hauptstadt. Ich widme mich dem Thema Spielplätze mehr aus biketechnischer Sicht, was wiederum bedeutet, lesenswert für Kinder allen Alters.

Lange Zeit war München im Bereich der „Spielplätze aller Art“ wirklich absolutes Niemandsland und auf einem schlimmeren Stand als das oft zitierte Buxtehude oder dem hinterwäldlerischem Hinterdupfing.

München, die kinderfreundliche Stadt mit Herz, tatsächliche Kinderspielplätze aber Fehlanzeige.
München, die surfende bajuwarische Metropole, verteilte Strafzettel an die Surfer der Eisbachwelle.
München, Radlhauptstadt Bayerns, rückte mit Baggern und Polizei aus, um die Geburtsstätte der Münchner MTB-Szene dem Erdboden gleich zu machen.
München, ein Muster der Jugendkultur, sperrt sich bis heute gegen jede Planung eines Skate-Hallenbaus.

Zur Ehrenrettung der Stadtväter muss ich aber darauf hinweisen, dass dies ein grober und nur sehr oberflächlich beleuchteter Überblick über die vergangenen 10 Jahre ist, heutzutage sieht die Situation etwas besser aus und man möchte fast meinen, irgendwer hätte in den letzten Jahren ein wenig dazu gelernt. Riesige Kinderspielplätze spriessen an allen Ecken und Enden aus dem Boden, die Eisbachsurfer werden in der Regel von der Polizei mttlw. ignoriert, die Skateszene hat zwar noch immer keine Halle bekommen, dafür gibt es bereits zahllose brauch- und fahrbare Betonparks, nach denen wir uns in Kindertagen die Finger geleckt hätten. Und auch die Bikerherzen versucht die Landeshauptstadt im Sturm zurück zu erobern. Selbiges geht nur mit neuen Spielplätzen; und hier ist wirklich einiges passiert. Sogenannte Pumptracks, meist in Kombination mit ein paar Dirt-Jumps sollen das urbane Stadtbild auflockern und Anlaufstelle für geneigte Zweirad-Artisten sein.

Hier meine 3 Spielplatz-Empfehlungen:

München-Giesing
Der kleine aber feine Pumptrack, ist neben dem Fahrrad auch gut per Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der jüngste Rundkurs in meiner Liste ist sehr gut in Schuss; was einfach daran liegt, dass sich eine Handvoll Locals hier nahezu täglich, unermüdlich und vor allem unentgeltlich um den Zustand der Strecke kümmern. Zwar sind vorsichtshalber 3 Kurvensegmente bereits beim Bau geteert worden, der Rest aber besteht aus der typischen Lehm-Brechsand-Mischung, die nun mal einiges an Pflege braucht.

Nebst dem Pumptrack mit einer Vielzahl an Linien-Kombinationsmöglichkeiten gibt es einige mittelgroße Dirt-Jumps und einen spaßigen Bergab-InRun.
Jumps und InRun sind zu meist von den Streckenpflegern mit Holzpaletten gesperrt – dass ist kein böser Wille oder ähnliches, dies soll nur verhindern, dass ungeübte Fahrer (und/oder Kinder – sorry) die jeweils anstrengende Arbeit der Streckenpflege nicht wieder zunichte machen. Daher wartet einfach, bis die Jungs kommen, die Paletten beiseite räumen, holt euch ein paar Tipps und fahrt erst dann die gesperrten Strecken. Erspart allen Beteiligten das jeweilige Ärgern über den Anderen.

Sehr gelungen und immer für ein paar Runden Spaß zu haben:

 

Unterhaching
Auf der BMX-Bahn in Unterhaching war ich glaube ich das erste Mal im zarten Alter von 13 oder 14 Jahren, danach kam ich immer wieder zurück und hatte immer mehr Spaß – welcher allerdings mit der einsetzenden Zerstörungswut der Unterhachinger Jugend ein jähes Ende fand. Die damaligen Bodenwellen, Sprünge und Anliegerkurven wurden als Feuerstellen benutzt, mit den 80ger Mopeds zerfahren und irgendwann glich die Strecke dann eher einem befahrbaren Altglascontainer, als einer BMX-Bahn. Ruhe in Frieden, wir kommen nicht mehr. Mehr als 10 Jahre später, tauchten Bilder bei Facebook auf, die Bauarbeiten und eine Neuauflage der alten Wirkungsstätte versprachen. Die ersten Besuche kurz nach der „Eröffnung“ sind rein optisch vielsprechend, leider aber immer maßlos überfüllt. Mttlw. finden sich vermehrt Tage und Zeitfenster, an denen man die Strecke für sich ganz allein hat. Allerdings ist hier deutlich zu erkennen was passiert, wenn man niemand Freiwilligen hat/findet, der sich um die Strecke kümmert:
Der Verfall kommt (erneut) auf leisen Sohlen.

Ein Besuch ist übrigens nur mit dem Fahrrad oder mit dem Auto möglich und dann ist die Frage nachdem „Lohnt sich der Aufwand“ berechtigt, denn die Pumptrack Line ist mehr solala, die mittlere Dirt-Line schließt sich dem nahtlos an. Einzig die „große“ Dirtline hat Spaßpotential; auch wenn der Anlaufhügel etwas unterdimensioniert ist… Aber sei es drum, besser als nichts, ist das allemal:

 

 

München-Solln
Einer der ersten – und zeitgleich – einer der besten sowie populärsten Pumptracks in München. Im direkten Vergleich zu den beiden anderen Spots aus meiner Liste ein Riese unter den angelegten Bahnen. Zahllose Lines lassen sich hier kombinieren, selbst ein Wallride lädt zum Spielen ein und die obligatorischen Dirt-Jumps in einem  nebengelegenen Seitenarm dürfen natürlich auch nicht fehlen. Eines der ersten Parkprojekte des deutschen Mountainbike-Profis und Allround-Freeriders Joscha Forstreuter kann man gut und gerne, als mehr-als-gelungen bezeichnen. Kein Wunder also, dass man zu fast keiner Zeit allein ist und somit einige entspannte Runden ballern gehen kann.

Daher kann ich kaum glauben, was sich mir hier gerade offenbart – verwaistes Niemandsland. Aus dem Weg, ich will Spaß:

 

 

Zum Abschluss würde ich euch gerne noch folgende Bitten, bzw. Verhaltensregeln mit auf den Weg geben:

  • Nehmt euren Müll immer wieder mit oder nützt die dafür vorgesehenen Behälter
  • Sprünge, Kurven etc. sind keine Aufenthaltsplätze – macht doch bitte außerhalb des Kurses Pause
  • Rücksicht ist die neue Vorsicht
  • Wer Tipps geben kann, sollte dies auch tun
  • ein Pumptrack ist KEIN Spielplatz im herkömmlichen Sinn
  • Nein zu Kurvendrifts
  • Nein zu Vandalismus
  • Nein zu Glasscherben
    …und das Wichtigste überhaupt:
  • Fahrt mit Helm. Immer. 

Apropos Helm, ich bin auf den Bildern mit dem brandneuen Giro Montaro MIPS zu sehen. Endlich mal ein Helm, der ziemlich gut auf meine eher längliche Birne passt und dabei nicht aussieht, als wäre ein Ufo auf meinem Kopf gelandet. Viel wichtiger aber als das schlichte Aussehen, ist es, dass ein Helm zuverlässig schützt. Genau bei diesem Thema kommt das integrierte MIPS  (Mutli-Directional Impact Protection System) des Helms ins Spiel; eine Art feines Gumminetz fixiert den Kopf innerhalb dieses Netzes und nicht direkt mit direkter Verbindung zum Helm selbst. Dadurch kann bei einem Sturz auf den Kopf die Belastung des Gehirns – durch sogenannte Rotationsmomente – minimiert werden. Ein Helm ohne solch einem System, gibt den Einschlag und die daraus entstehenden Druckwellen direkt von der Außenschale an den Kopf weiter, das MIPS verhindert dies. Da werden weitere geniale Features wie das ausgeklügelte Belüftungssystem, das geringe Gewicht und der integrierte GoPro-Aufsatz zur Nebensache.

Safety first – auch im vermeintlich kleinen Pumptrack ums Eck, auf dem Weg zum Bäcker, der Eisdiele oder der Feierabendrunde auf den Isartrails – vom Berg ganz zu schweigen: ALWAYS WEAR A HELMET.

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