Páramo

An einem Tag wie heute – es schneit und windet hier in München – dauert es meist gar nicht lange, bis man auf eine Frohnatur trifft, die der frierenden und bibbernden Meute an der Bushaltestelle lauthals mitteilt, es gäbe gar kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Recht hat er der Phrasendrescher, auch wenn das in der momentanen Situation keiner der – auf den wieder einmal verspäteten Bus – wartenden Passanten zugeben würde.

Eine richtig gute (Allround-/Outdoor-)Jacke sollte das sprichwörtliche A und O in der Grundausstattung eines jeden Menschen sein. Leider bedeutet das im Gegensatz dazu aber, dass man meist tief in die Tasche greifen muss und das sogar mehrfach, denn niemand trägt bzw. sollte seine Sommerjacke im Winter und umgekehrt tragen.

Wenn man von speziellen Einsatz- bzw. Anwendungsgebieten und Witterungen absieht, gibt es einige Punkte, die man beim Kauf einer Jacke beachten oder hinterfragen sollte:

1) Funktionell, ach was, hochfunktionell sollte sie sein.
D.h. wasserfest und atmungsaktiv sind das non-plus-ultra und ohne wenn und aber zu beachten. Der Wunsch nach Wasserfestigkeit liegt höchstwahrscheinlich auf der Hand und muss nicht zwingend erklärt werden. Die Atmungsaktivität möchte man auch annehmen, würde jede Jacke gleichermassen aufbringen können – weitgefehlt, hier gibt es Hersteller, die eher eine anziehbare Sauna, als eine funktionierende Jacke produzieren. Wer in oder unter der Jacke schwitzt, darf weder auskühlen, noch in der Hitze gefangen sein – diesen optimalen Effekt nennt man dann einfach ausgedrückt atmungsaktiv.

2) Intelligent soll sie sein.
Was nicht bedeutet, dass ein integrierter Taschenrechner Pflicht ist, vielmehr ist hier die Taschenverteilung, das Lüftungsprinzip, die Extras und zu Teilen auch das Design der Jacke gemeint.  Was nutzt mir beispielsweise ein tolle Brusttasche, deren Reißverschluss so angebracht ist, dass ich sie beim Tragen eines Rucksackes nicht mehr öffnen kann? Was nützt mir ein per Reißverschluss zu öffnender Lüftungsschlitz im Rückenteil der Jacke? Selbige Lüftungsschlitze unter den Armen sind dagegen aber dann Fehlanzeige. Designtechnisch auch immer wieder sehr ärgerlich, wenn der Front-Reißverschluss am Kinn nicht ordentlich vernäht bzw. geschützt ist, dieses ständige Reiben und Kratzen an der Haut macht einen auf Dauer wahnsinnig. Sprich hier geht die „Intelligenz“ der Jacke dann Hand in Hand mit ihrer Verarbeitung. Deshalb, Augen auf und beim Kauf überlegen, was man wo wirklich brauchen könnte…

3) Schnitt & Optik sollten gefallen.
Zugegeben, das ist definitiv die Geschmacksache eines jeden Einzelnen. Wer was tragen möchte oder wer sich worin gut fühlt, ist kein wirkliches Kaufkriterium. Dennoch sollte man bedenken, wenn man sich schon durchgerungen hat, eine hochwertige Jacke zu einem wahrscheinlich sehr stolzen Preis zu kaufen, dass die Frage erlaubt sein muss, ist z.B. türkis-gelb wirklich die perfekte Farbe?  Ich habe nichts gegen türkis-gelb, aber kann ich die Jacke dann wirklich oft genug tragen, oder ist das dann nur meine „Outdoor-Jacke“; aber wie gesagt, das muss jeder für sich entscheiden. Muss es unbedingt und ausschließlich eine grüne Jacken sein? Verzichte ich aufgrund dieses mglw. nicht vorhandenen Farbmusters lieber auf eine 10.000er Wassersäule als die Jacke in blau zu nehmen? Diese oder ähnliche Fragen, kann man sich gerne einmal stellen – muss man aber nicht, denn wie bereits eingangs erwähnt: alles Geschmacksache.

Alle anderen Themen muss man je nach Jahreszeit und Bedürfnissen für sich selbst anpassen, warm muss sie sein, luftig muss sie sein, eine Kapuze ist Pflicht etc. pp. Letztendlich wird man dann meist bei einem der namhaften Outdoor-Fabrikanten landen, einen Betrag um die 500€ aufwärts bezahlen müssen und schon ist man dem Bild eines Everest-Bezwingers, der an der Haltestelle Fraunhofer Str. auf den Bus wartet ein Stück näher gekommen. Über dieses Bild lässt sich jetzt zwar im ersten Moment grinsen, andererseits ist das die gut gelaunte Masse, die weder nass wird, noch friert sowie den meisten Windböen trotzig entgegen lächelt.
Meine für mich persönlich perfekte Jacke habe ich bereits im Dezember in der Alta III Jacket von Páramo gefunden. Wer jetzt erstaunt die Augenbrauen hochzieht und mit den Achseln zuckt, dem sei gesagt, mir ging es genauso, als ich zum ersten Mal von diesem Hersteller hörte. Erstaunlicherweise aber, werden alle Artikel von Páramo bereits seit mttlw. 23 Jahren fair in Kolumbien in der Miquelina Stiftung produziert und sind dennoch erst seit kurzem in Deutschland erhältlich. Daher fehlt hier zu Lande aktuell noch etwas der Name und die Markenbekanntheit, global gesehen sieht das schon anders aus. Selbst Greenpeace hat Páramo lobend erwähnt, da alle Artikel (im Gegensatz zu anderen großen Outdoor-Marken) ohne die gesundheits- und umweltschädigendem PFCs auskommen. PFCs Fragezeichen, einfach mal diesen Film ansehen; wer es aber ganz genau wissen will, kann hier weiterlesen.

Páramo verwendet für seine Textilien somit keine Membran-Technologie, verklebte Nähte oder ähnliches sondern setzt voll und ganz auf das zweilagige Nikwax Analogy Material, welches aus einer imprägnierten winddichten Aussenschicht und einem speziellen Innenfutter für optimalen Schweiß- und Kondenswasserabtransport besteht.
Fazit: Innen wie außen – warm und trocken. Immer.

Ich hatte eigentlich vor, die Jacke diversen weiteren Testrunden auszusetzen um erst dann mein Urteil zu fällen. Da wäre noch einiges auf dem Plan gestanden, ich wollte mit ihr eine Skitour gehen, eine Schneeschuhbesteigung vornehmen, sowie sie mindestens einmal zum Eisklettern tragen, leider kam mir aber auch hier wieder meine Schulterproblematik dazwischen. D.h. meine Erfahrungen mit der Jacke habe ich aus 3-4 Bergtouren, z.B. die Seebergspitze-Tour (geschwitzt und dennoch trocken!), und diversen Schnee- und Regentagen beziehen müssen.

Dennoch bin ich mir sicher, dass es für mich aktuell keine bessere Jacke auf dem Markt geben könnte. Ein sensationelles Belüftungssystem trifft auf Umweltfreundlichkeit, eine lebenslange Garantie auf meine Jacke überraschte mich ebenso wie die perfekt funktionierende Nikwax Technologie, der äußerst kluge Schnitt der Jacke geht Hand und Hand mit vielen weiteren Features – all das schreit nach Höchstnote.

Ein Aber? Kein Aber, höchstens ein weiteres Add-On könnte ich noch preisgeben, das Páramo Recycling Programm. Hier hat es mich komplett vom Sockel gehauen, denn sollte ich eines Tages keinen Bock mehr auf mein Alta III Jacket haben, kann ich meine Jacke zu einem lizenzierten Händler bringen (oder auch einschicken) und erhalte zum Dank einen 60€ Gutschein für meinen nächsten Nikwax Analogy Einkauf. Ein weiterer Vorteil der „fehlenden“ Membran-Technologie, so kann jede alte Textilie nahezu zu 100% recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet werden.

Mir bleibt nicht mehr zu sagen als: Eins mit Stern!
R

Ps: Ich kann jedem nur empfehlen, sich etwas mit diesem Thema auseinander zu setzen und ein wenig die verlinkten Websiten zu überfliegen – ich finde es mehr als erstaunlich, was heutzutage möglich ist, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Nachhaltigkeit geht alle an!

 

2 Gedanken zu “Páramo

  1. Ein weiter Punkt an dem man sich fragt mein Gott was soll an einer schnöden Outdoor Jacke groß besser gehen und man offensichtlich feststellt aha da gibt es einiges. Ich persönlich finde ja solche Leute interessant die sich nicht mit dem „Mei besser geht’s halts nicht“ nicht zufrieden geben und scheinbar aus entwickelte Technologien auf den Kopf stellen.

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