SEEBERGSPITZE

Wie heißt es doch so schön, wenn der Berg ruft, muss man folgen. So oder so ähnlich kam der gestrige Tag zustande.

Ein Freund mit dem leichten Standort-Nachteil Oberpfalz jammerte mir die Ohren voll, dass er es auch gerne einmal so einfach hätte wie ich, jederzeit in die Berge aufbrechen zu können, wann er denn wolle. Nichts leichter als das. Aufgrund der gemeinsamen freien Tage zwischen den Jahren, lud ich ihn ein, zu mir zu kommen und schon könnten wir am nächste Morgen im nicht nur sprichwörtlichen Frühtau zu Berge ziehen.

Die Einladung war noch nicht richtig ausgesprochen, als sich Christian auch schon auf den Weg zu mir machte. Am nächsten Morgen brachen wir frühzeitig in Richtung Landesgrenze, genauer gesagt an den Achensee auf. In einem normalen Winter würde ich mich zwar möglicherweise auf der selben Strecke – nur wesentlich früher – wiederfinden, aber dass dieser Winter etwas speziell und äußerst skifahruntauglich ist, dürfte jeder wahrscheinlich schon ausgiebig mit Gott und der Welt diskutiert haben. Deshalb eben Wander- statt Skischuhe. Statt wehklagen heißt es handeln und bekanntlich heiligt der Zweck nun mal die Mittel.

Das Ziel unserer (kleinen) Tour sollte die knapp 2.100m hohe Seebergspitze sein.  Als Ausgangspunkt wählten wir Pertisau; ein Parkplatz war in der Nähe der Bootsanlegestelle schnell gefunden – selbiger war auch fast legal.

Bei im Schatten doch kuscheligen 2° Grad hieß es dann rein in die Wanderschuhe, Rucksack geschultert und dem schmalen Waldsteig, immer der Markierung „Seebergspitze“ durch den sonnendurchfluteten Wald folgend.  Was mit gemütlichen Serpentinen beginnt, gewinnt schnell an Höhe und wird steil und erbarmungslos – lange vor dem Erreichen der Baumgrenze.

Irgendwann lassen wir dann die Bäume hinter uns, stampfen durch Latschen- und vereinzelte Schneefelder immer weiter nach oben. Ab und zu erhaschen wir einen kurzen Blick auf das Gipfelkreuz, welches unerklärlicherweise einfach nicht näher kommen will. Wer übrigens über eine mangelnde Schwindelfreiheit verfügt, sollte von dieser Tour besser absehen!

Schließlich klatschen wir uns gegenseitig – schnaufend wie zwei Ackergäule – am Gipfelkreuz der Seebergspitze ab. Geschafft; höher wird’s heut (zum Glück) nicht mehr. Belohnt werden wir von der Natur mit unfassbaren Fern- und Panoramablicken, sowie mit einigen Müsliriegeln, einer Packung Studentenfutter und heißem Tee aus den Untiefen meines Rucksacks.

Randnotiz: Wer auf dem Gipfel der Seebergspitze eine Packung Nüsse aufreißt, gibt den Dohlen des gesamten Achensee-Gebietes das offizielle Zeichen, sich um diesen armen Teufel zu versammeln und ihm jede nur erdenkliche Nuss oder Rosine abzuluchsen. Eine herrliche Show bis hin zu einigen mulmigen Hitchcocks „Die Vögel“ Momenten.

Zeit für den Abstieg. Ich bin kein großer Freund von One-Way Touren, daher versuche ich immer aus allem eine Rundtour zu basteln; so hat man egal ob Ab- oder Aufstieg immer neue Eindrücke. Deshalb wählten wir für den Abstieg den Westgrat in Richtung der Pletzachalm. Für all diejenigen, die sich ebenfalls für diese Tour interessieren sei gesagt: das ist im Winter und im Frühjahr eine wirklich dumme Idee. Der gesamte Schnee der sich im Aufstieg vermissen bzw. vermeiden ließ, liegt in dieser Route. Welch Überraschung beim Abstieg durch einen Nordhang – dies hatte ich aber auf dem Gipfel weder bedacht und leider auch nicht einsehen können. Somit standen wir plötzlich in einer 400hm langen Rutschpartie aus Schnee, Fels und Eis; trotz zahlreicher Ausrutscher und Umwege erreichten wir irgendwann unverletzt die schneefreie Zone. Wirklich gefährlich war es zwar nie, dennoch ist so ein Abstieg äußerst unschön und obendrein auch unnötig – naja, beim nächsten Mal weiß ich Bescheid: ein Sommerweg!

Sobald man dann Schnee und Eis hinter sich gebracht hat, ändert sich auch schlagartig die Bodenbeschaffenheit und man marschiert Serpentine um Serpentine über eine offene Lichtung dem Tal entgegen. Ein schier nicht enden wollendes „Vergnügen“. Aber dann steht man schließlich doch auf Höhe der überraschenderweise bewirtschafteten Pletzachalm und muss nun nur noch über den Wintersteig aus dem Tal hinaus zurück nach Pertisau und dem dort wartenden Auto.

Ziemlich k.o., nassgeschwitzt und mit schweren Beinen erreichen wir das Auto. Was für eine unfassbar gute Tour, mit einem noch viel besseren Wetter – dass wir Teile der Tour im T-Shirt gegangen sind und dass das an einem 28ten Dezember schon grenzwertig ist, war hier schnell vergessen.

Vergessen hätte ich beinahe auch, dass das Christians erste Bergtour überhaupt war und ich zugegebenermaßen nicht wirklich zimperlich mit ihm umgegangen bin.

Aber hier sprechen erst die „Tourdaten“ eine wirklich deutliche Sprache.

Länge: ca. 21 km
Höhe: ca. 1.200 hm Auf- sowie Abstieg
Dauer: 7.5 Std laut den Wegweisern
Anforderungen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, gute Kondition

Dass wir das Ganze in 5 Std und 3 Minuten inklusive aller Pausen gegangen sind, attestiert uns wohl beiden einen leichten Hang zum… Ach was; wir hatten einfach Spaß.

Danke und Hut ab für die Begleitung
R

 

3 Gedanken zu “SEEBERGSPITZE

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