STEGERSBACH

Nach 4,5 Std. und fast 500 km Fahrt sowie drei kaffeebezogenen Rasthof-Stops ist es geschafft, ich habe das Örtchen Stegersbach im österreichischen Burgenland erreicht. Das 2.500 Seelendorf liegt – ohne dies Bös zu meinen – deep in the middle of nowhere und in Steinwurfweite zur ungarische Grenze. Dennoch tut sich dem Besucher, sofern er der „Thermalbad“-Beschilderung folgt, nach einem kleinen Waldstück ein überraschendes Bild auf. Um die (Familien-)Therme Stegersbach scharen sich eine Handvoll Hotels auf engstem Raum – darunter auch mein Wochenend-Ziel, das Falkensteiner Balance Resort; und damit ist die Katze wohl aus dem Sack: Ja, ich lege einen (Mini-)Wellnessurlaub ein.

Zunächst beziehe ich mein überaus großes Zimmer und geniesse den nachmittäglichen Blick von meinem Balkon. Auf selbigen knallt die Sonne übrigens mit voller Wucht und die angeblichen 14° fühlen sich deutlich wärmer an. Schon verrückt dieser Winter 2016 – und nicht vergessen, ich befinde mich immer noch in Österreich; vor noch 3 Std. fuhr ich durch die tiefverschneite Steiermark bei -1°.

Ich entscheide mich allerdings gegen die verlockende Option, jetzt nur noch auf dem Balkon zu sitzen, da ich während der Autofahrt bereits genügend gesessen bin. Des Weiteren habe ich keine 24 Std. zuvor die Erlaubnis meiner Physiotherapeutin bekommen, dass ich ab jetzt („in Gottes Namen, damit endlich Ruhe ist“) laufen gehen darf. Also rein in die kurze Hose und das T-Shirt, Schuhe geschnürt und ab gehts zur „Golfplatz-Umrundung“. Vielleicht hätte ich mich davor erkundigen sollen, um was für eine Art von Golfplatz es sich handelt… Ungefähr bei der Hälfte meiner geplanten Umrundung, war ich bereits stehend k.o., hatte 8 km und über 300hm auf dem Tacho. Die Information, dass es sich um einen 50!!! Loch-Golfplatz und somit Österreichs größter Gepflegtrasenfläche handelt, wäre vorab durchwegs hilfreich gewesen. Radikal kürze ich quer-green-ein ab. Sauna ich komme.

Aufgrund der großen Saunen-Auswahl kann ich mich zunächst nicht entscheiden und beschließe, das Wetter noch ein wenig auszunutzen, selbiges geht am Besten liegend im hauseigenen Aussen-Whirlpool. Danach folgt eine von Ruhephasen durchzogene Dampfbad-Köhlersauna-Schwimmbecken-finnische Sauna-Kräutersauna-Dampfbad-Tour. Mehr Entspannung geht nicht oder wäre mir zu anstrengend.

Langsam wird es Zeit für das Abendessen. Hierzu möchte ich weniger schreiben, als mir mehr die Frechheit erlauben, euch mit Bildern das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Ich habe alle Bilder versucht möglichst bodenständig und einfach zu betiteln; die Originalbezeichnung aus der Sterneküche lesen sich zwar besser; bedeuten letztendlich aber das Gleiche. 3 2 1 Augenschmaus.

Jaja, ich weiß, jetzt hat jeder Hunger – selbst ich bekomme beim Schreiben wieder Appetit. Daher folgt ein einfacher Trick: Ab ins Bett. Gute Nacht!

Ausgeschlafen und bestens erholt, starte ich in den neuen Tag, wie ich den alten beendet habe – mit Essen. Da ich der wahrscheinlich größte Hotelfrühstücksfan der Welt bin, ist das Frühstücksbüffet für mich meist das absolute Highlight des Tages. Wie erwartet bleibt auch hier kein Wunsch offen; Spiegeleiern mit Speck folgen hausgemachte heimische Uhudler-Marmeladen-Brote sowie frisches Obst und Joghurt. Schade, dass man nur einmal pro Tag frühstücken kann!

Aber eine alte Weisheit sagt, wer viel isst, muss auch viel wellnesen… äh, ich meine natürlich Sport machen. Aber eben nur, um Dank dem Sport mit besserem Gewissen eine Liege im Spa-Bereich für den Rest des Tages blockieren zu können. Laut Aushang, bietet das Hotel heute einige „Aktiv-Programm“-Schmankerl an; selbige werde ich einmal genauer unter die Lupe nehmen. Alles aber eben immer nur soweit, wie es meine Schulter zulässt bzw. ich es verantworten kann.

Den Start macht ein 30 minütiges Faszientraining; hierzu rollen ich und die anderen Teilnehmer auf der (mir bereits bestens bekannten) Blackroll herum und „geniessen“ den Schmerz. Wem weder Faszientraining, die Blackroll oder gar Triggerbälle ein Begriff sind, dem kann ich nur dringend empfehlen sich dies bezüglich schlau zu machen und es auszuprobieren. Selten war eine Massage so einfach und obendrein auf Dauer günstiger zu bekommen; vom körperlichen Fortschritt und der erhöhten Mobilität ganz zu schweigen.

Nun folgte aber das Highlight des Tages, eine einstündige Mischung aus „Functional Training“ und „Yin Yoga“ präsentiert von niemand geringerem als dem ORF-Sportmoderator Ronald Reisenbauer. Funktionelles Training – eine Art ganzheitliches Krafttraining, ohne dabei aber schweres Eisen zu bewegen oder ein klassisches Fitnessstudio zu benötigen – war mir bereits ein Begriff, aber ich und Yoga? Naja.
Zum Aufwärmen ließ uns Ronny diverse Primal- oder auch Animal Moves machen – diese Bewegungsmuster sind wie der Name schon sagt an Bewegungen aus der Tierwelt angelehnt – darauf folgte eine Session an der Koordinationsleiter. Auf einer am bodenliegenden Trainingsleiter werden diverse Koordinations- und Schnelligkeitsübungen ausgeführt – dass trennt schnell die Spreu vom Weizen, allerdings weniger aus der sportlichen Sicht sondern eher vom Koordinativen her.  Es folgen einige klassische Übungen aus der Palette des „Functional Trainings“, vom Kursleiter inspirierend als „Ronny’s Eleven“ betitelt. Erste Schweißperlen bilden sich – war aber auch verdammt lange her, dass ich zuletzt Sport gemacht habe bzw. eben machen durfte. Da hat mir das folgende rund 20 minütige Zirkeltraining gerade noch gefehlt – es durfte gelaufen, balanciert, gehüft und geplankt werden, was das Zeug hielt. Der Aufruf zum entspannenden Abschluß namens „Yin Yoga“ kam für alle Teilnehmer genau im richtigen Moment, dankbar ließ  sich jeder auf seiner Matte nieder. Nur um wenige Augenblicke später das Thema „Yin Yoga“ zu verfluchen. Besser gesagt, zunächst zu verfluchen.
Yin Yoga bedeutet in knappen Worten, das lange Halten einer bestimmten Position. Dies hat zur Folge, dass sich nach ca. 90 Sekunden die Faszien in dieser (Dehnungs-)Position „öffnen“ und in den folgenden weiteren 90 Sekunden effektiv beansprucht werden. Wie lange 3 Minuten sein können und welch fieser Dehnungsschmerz hierbei einsetzen kann, war mir so nicht bewusst. Aber um ehrlich zu sein, so gut, wie nach diesen drei finalen Übungen, habe ich mich selten nach dem Sport gefühlt. Die intensiven und langgehaltenen Dehnungen wirken wahre Wunder; wenn ich mich an alle die strahlenden und verschwitzen Gesichter des Kurses zurück erinnere, ging es wohl nicht nur mir so.

Abschließend bleibt zu sagen, eine wirklich gute Trainingsstunde mit einem kompetenten und sehr teilnehmerorientierten (Gast-)Trainer – bei dem dennoch der Spaß nicht zu kurz kommt. Bravo Ronny*!

Zweiflern sei übrigens gesagt, ein weiterer genialer Vorteil des „Functional Trainings“ist, egal ob Top-Athlet oder Couch-Potato, one workout fits for all. Denn die Intensität der einzelnen Übung wird von jedem Teilnehmer und dessen Fitnesszustand selbst bestimmt. Wer diese Trainingsmethode nicht kennt: Ausprobieren!

Ich schlüpfe in den Bademantel und folge der Beschilderung in Richtung des Balance-Spa; welches ich nicht gedenke vor dem Abendessen zu verlassen. Einziger Wehrmutstropfen, ich dachte so ein Massagetermin wäre auf Zuruf zu bekommen, nichts da – wer nicht frühzeitig bucht, geht ungeknetet nach Hause. Zum einen, mein Fehler, zum anderen aber kein Problem, ich war ja bereits auf der Blackroll.

Meist ist so ein Aufenthalt oder nennen wir das Kind beim Namen „Wellness-Trip“ viel zu schnell wieder vorbei, so auch in diesem Fall. Ich hätte es hier im Falkensteiner Balance Resort ohne Probleme noch einige weitere Tage ausgehalten. Beim Auschecken und dem Abschied an der Rezeption fielen mir dann plötzlich die Worte der mttlw. erfolgreichen Südstaaten-Bloggerin countryatheart ein „Wenn du einmal einen 5 Sterne Aufenthalt genossen hast, wirst du nie wieder etwas anderes wollen“. Wie recht sie doch hatte bzw. hat!

Zwei Dinge sind daher sicher, Wellness-Wochenenden und Yin Yoga können gerne von alles und jedem belächelt werden. Für mich aber ist klar, beides kommt auf meine regelmässige Must-do-Liste. Physisch and psychisch ist einfach beides ein wahrer Traum.

Ich steige in mein Auto und mache mich auf den Rückweg nach München, schmunzelnd lausche ich meiner Playlist, die mir beim Motorstart „THIS IS HOW WE CHILL“ (’93 till infinity) in die Boxen zaubert.

Wie passend – #thxforhavingme.
R.

 

*(Ps: Ronny gibt im Lauf des Jahres noch weitere Gastspiele in der Falkensteiner Hotelgruppe)

 

 

 

Ein Gedanke zu “STEGERSBACH

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