ISLAND

Die größte Vulkaninsel der Erde hat mich seit der #inspiredbyiceland Kampagne fest in ihren Bann gezogen. Unzählige Mal wurde ein Island-Trip auf diversen Reiselisten notiert, unterstrichen und letzten Endes doch wieder auf das vermeintlich nächste Jahr geschoben.

Nachdem zunächst scheinbar nur Walter Mitty und ein guter Freund meinerseits – seine Abenteuer lest ihr übrigens hier – geschafft haben, in die Nähe des Polarkreises zu kommen, änderte sich das Bild im letzten Jahr. Nahezu jeder war meinem Empfinden nach mttlw. auf Island – außer eben ich. Das musste sich ändern. Diesmal aber wirklich.

Man sagt, Spontanität gewinnt – also kurz das Internet angeworfen, ein paar Klicks hier, ein paar Klicks dort, dann noch schnell ein paar freie Tage zurecht geschoben und schon saß ich auf dem Weg in Richtung Kurztrip an Board einer Islandair Maschine.

Ab hier, fasse ich euch die wichtigsten Momente, Situationen, Learnings und vieles mehr ein bisschen zusammen…

Anreise
Via Nonstop-Flug ging es gemütlich von München nach Reykjavík, fast 4 Stunden Flugzeit vergingen dank amüsantem Bordkino wie im sprichwörtlichen Flug. Im Landeanflug auf Island stellte sich mir dann doch die Frage, ob das wirklich eine so gute Idee war, im Winter nach „Grönland Light“ zu fliegen? Außer weiß war nicht viel zu sehen, was aber zu sehen war, dass Island nahezu komplett von einer geschlossen Schnee-und Eisdecke überzogen war. Yep, auch die Straßen…

Mietwagen
Am Flughafen selbst, ließ dann der Shuttlebus-Fahrer des Mietwagen-Verleihers nicht lange auf sich warten und schon zuckelte man in die nahegelegene Mietstation. Wie bei jedem Autovermieter dieser Welt, wurde mir auch hier wieder dieses und jenes unbedingt nötige Zusatzpaket aufgeschwätzt. Ich nickte, zückte die Kreditkarte und ergab mich dem isländisch-englischem Kauderwelsch.

Danach folgte eine ziemlich witzige Szene für beide Seiten, die sich nahezu exakt so abspielte:
Ich: „Hat mein Fahrzeug Winterreifen?“
Verleihstationmensch: *brüllendes Lachen* „Winterreifen? Ihr Auto hat Spikes.“
Ich: *staunen* Tzzzzz… *kopfschütteln – „Affe“ denkend*
Szenenwechsel: Bühnenbild – wir beide stehen vor meinem Auto
Verleihstationmensch: „Da kuck, Spikes – an allen 4 Reifen“
Ich: *sprachlos* *kleinlaut* „Ah, danke“ *murmelnd*

Hotel
Rein in mein Geschoß, ein Renault Capture, im Navi den Stützpunkt der nächsten Tage namens Hotel Vellir eingegeben. Und los ging der wilde Ritt. Ich möchte nicht zuviel vorweg nehmen, aber Spikes + Reifen + Schnee & Eis = Höllenspaß.

Mein Hotel lag am Rande von Hafnarfjörður, einem eigentlich nahtlos an Reykjavík anschließenden Vorort. Selbiger gilt im übrigen als Zentrum des Elfenglaubens, was sich darin äußert, dass nahezu a) eh fast alle Isländer an Trolle, Elfe, Gnome, Zwerge und was weiß ich nicht noch alles glauben und b) sie felsenfest davon überzeugt sind, dass diese in den Lavahügeln um Hafnarfjörður ihr zuhause haben. Klingt schön mystisch, im täglichen Leben ist davon aber nichts zusehen.

Zum Hotel selbst möchte ich nicht viel sagen oder gar ins Detail gehen; wenn man allerdings eine pro-und-contra-Liste erstellen würde, ginge das Hotel Vellir mit Pauken und Trompeten unter. Daher meine Empfehlung: ich kann es nicht empfehlen.

Klima
Dass auf Island aktuell Schnee liegt und sich das in den europäischen Skigebieten schmerzlich vermisste weiße Gold hier mit blankem Eis vermischt und eine alles prägende Konstante bildet, ist mttlw. klar oder?

Kommen wir daher zur Temperatur, eine wirkliche gute Wetter-Website ist hier weather.is, die einem einen wirklich hilfreichen Kennwert zukommen lässt, ob es nun draussen nur ar****kalt oder Everest-lässt-grüßen-kalt ist. Jetzt mag man sagen, naja es wird aber doch selten wirklich kälter als minus 9 oder auch mal -11 Grad, klar, soweit so gut, unterschreibe ich sogar so. Nur wer hier jetzt noch den ständigen brachialen Wind mit Standardgeschwindigkeiten von ca. 50-60 kmh hinzu addiert, der kann sich ungefähr vorstellen, wie gemütlich so ein Aufenthalt „draussen“ sein kann. (Ps: im Artikelbild, kann man den Wind „sehen“, wie er über die Straße vor mir pfeift)

Diese wirklich klirrende Kälte kriecht einem in den Körper und entzieht dir jegliche Power, Kraftreserve und oder Antrieb. Bleibt man beispielsweise an einem Parkplatz stehen und hat nur ca. 10 min Fußweg bis zu einer Sehenswürdigkeit, legt diesen Weg 2-mal zurück und knipst max. 3 Fotos (die Finger sind sonst erfrorene Vergangenheit), kommt man sich zurück im warmen Auto vor, als hätte man eine ca. 20km lange Tour hinter sich gebracht. Ich war selten am Stück so k.o. und erledigt wie auf diesem Trip.

Notiz für alle Winterreisenden, dringend mitzunehmen sind:

– die dickste Daunenjacke aus dem Schrank
– warme Handschuhe (evtl. auch Foto-Handschuhe)
– warme gefütterte Schuhe (Timberland, Kamik oder ähnliches)
– Skimaske/Sturmhaube/Facemask – nennt es wie ihr wollt, aber irgendetwas, dass euer Gesicht warm hält
– lange Thermounterwäsche
– dicke oder bestenfalls gar Neopren-Socken
– Hautcreme (die Kälte trocknet einen aus!) 

Golden Cirlce
Bei einem Kurzausflug nach Island, darf dieser Touri-Klassiker einfach nicht fehlen. Der Golden Circle ist eine Art (Mini-)Rundreisetour zu den Top3 Sehenswürdigkeiten in Hauptstadt-Nähe. In der Hoffnung etwas gegen die von mir vermuteten Touristenmassen anzukommen, entschied ich mich den Golden Circle entgegen der empfohlenen Fahrtrichtung zu beginnen. Der erste Streckenabschnitt lautete somit Reykjavík – Selfoss. Eine Wahnsinnsfahrt, die wirklich jede erdenkliche Option zog, um den Fahrer für winterliche Verhältnisse zu begeistern. Im 5 min. Takt wechselte das Wetter, von Schneesturm zu Nebel, von Sonnenschein zum totalen White Out, von blanker Eisfläche bis hin zu 40-50cm hohen Schneeverwehungen auf der Straße. Ein Mischung aus blankem Horror und Riesenspaß. Wenn man aber mal Vertrauen in die Spikes seiner Reifen gefunden hat, dann ist das Autofahren hier in der öden kahlen Landschaft einfach nur herrlich. Um vor bösen Überraschungen aber verschont zu bleiben, lohnt sich vor Abfahrt ein Blick auf die ständig aktualisierte Straßenzustandskarte, zu finden unter road.is.

Die Fahrt durch das ewige Weiß, die oftmals kontourenlose Landschaft und dem ständigen Ausschauhalten nach einem perfekt ins Szenario passenden Spähtrupp der Nachtwache aus Game of Thrones, lässt einen fast in eine Art meditative Trance verfallen. Unglaublich gut!

Übrigens, andere Autos? Reisebusse? Fehlanzeige. Die Straßen hat man komplett für sich allein – alle Parkplätze an den Sehenswürdigkeiten sind dann aber komischerweise wieder gesteckt voll. Ein Phänomen, dass ich wohl nie verstehen werde.

Von Selfoss geht es in Richtung Laugarvatn, von dort folgt man einfach dem Straßenschild Geysir, dem Namensgeber aller Geysire dieser Welt. Trotz bitterster Kälte lohnt es sich hier auszusteigen und ca. 500 m zum Geysir Strokkur zu marschieren. Dieser spuckt eine ca. 25-35 m hohe Mischung aus kochendheißem Wasser und Wasserdampf in die Höhe und dass wie ein Uhrwerk alle 5-10 min. Tagein Tagaus. Das bedeutet max. 20 min frieren, den eins ist sicher, beim ersten Mal verpasst man das getimete Foto zum Ausbruch garantiert.

Die um das Geysir-Areal gelegenen Touri-Buden, Souvenir-Shops usw. kann man getrost liegen lassen; wobei ich zugeben muss, mir einen Kaffee gegönnt zu haben – in der Hoffnung meine erfrorenen Finger aufgrund der getätigen Fotos wiederbeleben zu können.

Keine 10 km weiter der Straße folgend, wartet auch schon der nächste Parkplatz auf einen und ein Schild heißt einen am Gulfoss, dem „goldenen“ zweistufigen Wasserfall, willkommen. Dass es unfassbar kalt war, brauche ich wohl nicht mehr dazu schreiben, dennoch ging hier der Wind gefühlt doppelt so stark wie im Rest des Landes. Der Gulfoss liefert im Winter ein sehr spezielles Bild ab – teils gefroren, teils hellblaues, teils dunkelblaues Wasser fügen sich hier zu Sprachlosigkeit pur zusammen.

Nachdem man das Kinn wieder hochgeklappt und seine eingefrorenen Gliedmassen zurück ins Auto bugisert hat, fährt man zunächst den Weg zurück, umrundet den See Þingvallavatn hinauf zu dessen Nordufer. Dort findet sich die letzte Sehenswürdigkeit des Golden Circles namens Þingvellir. Dieser Ort hat für Island selbst viel Tradition und Geschichtliches zu bieten, da hier in vergangenen Zeiten regelmässig Volksversammlungen und ähnliches abgehalten, Gesetze verabschiedet und Religionen eingeführt wurden. Um alle Erklärtafeln zu lesen und über das gesamte Areal zu schlendern, war es einfach zu kalt – hier muss man zugeben, ist wohl der Sommer ein besserer Zeitpunkt für einen Besuch. Auch allein landschaftlich…

Daher genug gesehen, genug gefroren, ab ins Auto und dem Sonnenuntergang entgegen. 6 Stunden Autofahrt bei Schnee und Eis, die beißende Kälte bei jeder Sehenswürdigkeit und dass ständige Weiß auf Weiß hinterlassen Spuren, ich bin völlig ko und hungrig wie ein Wolf – empfehle diese Tour aber vorbehaltslos.

Verpflegung
Zu Essen gibt es in Island viel und reichlich. Eigentlich könnte man den Satz hier enden lassen, denn das trifft es einfach auf den Kopf; ich sage ich euch aber noch ein bisschen mehr dazu.

Fisch und Fleisch finden sich auf allen Speisekarten in rauen Mengen, wobei der Fisch deutlich Überhand hat und Fleisch meist aus Lamm aller Art besteht – heimische und fangfrische Bestände eben. Wer in einem normalen isländischen Restaurant auf der Suche nach einem Nudelgericht oder gar etwas Vegetarischem ist, der wird bitter enttäuscht werden. Fischer und (Ex-)Wikinger essen nun mal deftig und ebenso heftig; Schafskopf, Gammelrochen, Blutwursteintopf und leider auch Walsteak finden sich auf nahezu jeder Speisekarte wieder. Gewöhnungsbedürftig.

Aber apropos Wikinger, was ich wirklich jedem ans Herz legen kann, ist das Wikinger(themen)-Restaurant namens FjörukráinUnübersehbar im Hafenbereich von Hafnarfjörður gibt es hier kombinierte isländische Seefahrertradition und Folklore, ohne – zumindest in der Wintersaison – mit einem Entertainment-Faktor ala Disneyworld aufzuwarten.

Ansonsten fällt einem in Island relativ schnell auf, dass hier die Vereinigten Staaten nicht allzu weit entfernt seinen können, flächendeckend gibt es allerlei Fastfood-Ketten, angefangen vom fast schon alltäglichen Subway, über American Style Diners bis hinzu Taco Bell und sogar einige Quiznos wurden entdeckt. Auch die Regale in den Supermärkten werden neben undefinierbaren einheimischen Lebensmitteln (Trockenfisch aller Art) von US-Artikeln dominiert, für mich doch ein recht ungewöhnliches und unerwartetes Bild. Allerdings eine ebenso willkommene Einladung meine lebenslange Mission, Getränke in den fiesesten Farben und Geschmäckern zu testen, weiter zu führen.

In Reykjavík selbst würde man dann nicht fertig werden mit der Kneipen oder Restaurant-Aufzählung bzw. mit dem Testen der selbigen. Denn der gesamte Altstadtkern besteht nahezu aus kleinen netten Läden, die man am liebsten alle auf ein Bier oder Glas „Black Death“ (Branntwein) besuchen möchte. Hierzu müsste man aber ungefähr 78 Bier trinken, daher: heute nicht. Apropos Bier, auf jeder Speise- bzw. Getränkekarte eines Restaurants befindet sich unter dem Punkt Softdrinks ein Getränk namens Pilsner; ein Bier mit nur 3% Alkohol anstatt den üblichen 5-6%, daher ganz klar: Softdrink. Welcome to Iceland.

Dennoch eine kleine Empfehlung für Leute die Zeit haben, für Leute ohne Hektik und für Leute, die Backwaren, Kaffee und Bücher zu schätzen wissen. Aus dieser Kombination bestehen nämlich die restlichen Nicht-Kneipen, Nicht-Restaurants und Nicht-Wollpullover-Shops der Stadt. Einfach mal reingehen, Heißgetränk und süßes Teilchen gönnen und wahllos in Designbüchern blättern… Besser und vor allem entschleunigter gehts fast nicht.


Whale Watching
Leider bringt man Island auch immer automatisch mit dem Thema Walfang in Verbindung, zum einen ist diese Tradition für das frühere Überleben der Fischer und Küstenbewohner nachvollziehbar, zum anderen muss man sich aber heutzutage – die Haupteinnahmequelle ist mttlw. der Tourismus – einfach die Frage stellen WARUM?

Aber das ist ein anderes und schwieriges Thema, dass ich hier nicht weiter vertiefen möchte. Unwiderlegbar ist aber das konstante Auftauchen von Walen vor der Küste Islands, aus diesem Grund versucht man heute vermehrt, zusammen mit den Touristen und den Walen im Einklang Geld zu verdienen. Das Fachwort hierfür heißt Whale Watching; und von diesen Anbietern gibt es im  alten Hafen von Reykjavík Schiffchen soweit das Auge reicht.

Einen Wal – wenn höchstwahrscheinlich auch nur seine Schwanzflosse – einmal in freier Wildbahn zu sehen, steht auf meiner oft gepriesenen Wildlife-Liste ganz oben. Daher Ticket gekauft, ab aufs Boot und hinein in den wind-und wetterdichten Overall und schon war das bärtige Michelin-Männchen fertig zum Auslaufen.

Den  Rest der 4 stündigen Irrfahrt durch die gefühlt hohe See kann man dann getrost etwas knapper beschreiben. Walsichtungen: Null, seekranke zumeist asiatische Touristen: Dutzende, besondere Vorkommnisse: 2 Rückenflossen eines Weißschnauzendelfin-Pärchens, Temperatur: irgendwas mit ganz viel minus – aaaaber immerhin strahlenden Sonnenschein. Damit ist dieses Abenteuer aber leider auch schon erzählt, schade, denn so einen Ozeanriesen hätte ich schon gerne mal in seinem natürlichen Lebensraum gesehen. Aber zum Glück macht die Natur eben was sie will und nicht das was wir wollen.

Vielleicht ja beim nächsten Mal; denn eins muss man dem Anbieter lassen, mangelnde Fairness kann man ihm gewiss nicht vorwerfen. Alle Passagiere an Board der „Andrea“ bekamen aufgrund der ausgebliebenen Sichtung einen lebenslang gültigen Gutschein für eine weitere Gratis-Wa(h)lfahrt. Sehr löblich, danke.

Northern Lights
Das Thema Nordlicht, Polarlicht, Aurora borealis oder wie man es auch immer nennen möchte, habe ich einfach grob unterschätzt bzw. in seiner Komplexität völlig ignoriert.
Warum auch immer, lebte ich in dem Irrglauben, dass man so ein Polarlicht einfach ohne großen Aufwand sehen müsse, schließlich würde sich ja der ganze (Nacht-)Himmel grün färben. Nun gut, dass nahezu jedes, bis dato davon gesehene Foto nachbearbeitet ist, war mir zwar bewusst, dennoch gab es für mich keinen Grund, mich mit dem Thema näher auseinander zu setzen. Ich müsste ja nur den Kopf in den Nacken legen und die Show geniessen… Weit gefehlt.

Zunächst braucht man eine wirklich sternenklare Nacht, um die Chance auf Polarlichter zu haben, dann aber kommt der schwierigere Teil, man muss wissen, wonach man am Himmelszelt suchen muss. Denn die Polarlichter sind für die meisten Menschen nur als grauer Schleier mit einem ganz leichten Grünschimmer zu erkennen, die wenigen, die diese Schleier wirklich in einem annähernd satten Grün mit bloßem Auge erkennen können, sind wohl laut Einheimischen eher selten. D.h. um solch einen Schleier am Himmel zu entdecken, braucht es einen möglichst lichtarmen und abgeschiedenen Platz – gar nicht so einfach zu finden, wenn man nur Gast vor Ort ist und sich tagsüber schon nicht auskennt.

Versuch Nummer 1, ich fahre an einen Hügel, der nur wenige hundert Meter hinter dem Hotel liegt, kraxle durch den knietiefen Schnee nach oben und starre in den Himmel. Nichts zu sehen, aber um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, worauf ich achten sollte bzw. nach was genau ich Ausschau hielt. Immerhin ein netter Ausblick über das Lichtermeer der Hauptstadt.

Versuch Nummer 2, ich fahre zu einem zweiten, weiter entfernten Hügel. Selbiger ist zum Glück komplett mit dem Auto befahrbar, das Ergebnis bleibt dennoch das Gleiche: ich starre und verrenke mir den Hals, der Himmel aber präsentiert sich lustlos sternenklar und pechschwarz. Die Motivation bekommt erste Risse, schwindet und weicht der Kälte der Nacht.

Für Versuch Nummer 3 ziehe ich das Internet zu rate, selbiges sagt mir, dass die Chance auf Polarlichter-Sichtungen auf der Landzunge um die Gemeinde Álftanes wohl am Höchsten wäre. Da sich die Gesamtfläche von Álftanes auf satte 5 Quadratkilometer beschränkt, ist die Auswahl der Straßen zum Glück eher begrenzt. Ich wähle eine Sackgasse, die ans Meer mit Blick auf Reykjavík führt. Und was sehen meine müden Augen, am Ende der Straße steht ein Auto und zwei bestens vorbereitete asiatische Polarlicht-Touristen, die unfassbar viele Kameras um sich herum aufgebaut hatten. Juhuuuu. Ich halte, steige aus und folge mit meinem Blick dem Ausrichtungswinkel ihrer ungelogen 5 oder 6 Kameras. Und da war er der graue leicht grünliche Schleier am Himmel, ich war fassungslos, wie konnte ich den denn in der ganzen Zeit davor übersehen haben? Sobald man übrigens weiß, wonach man Ausschau halten muss, sieht man diesen Schleier überall. (Selbst auf der später folgenden Rückfahrt ins Hotel, konnte ich ihn noch im Rückspiegel beobachten.)

Soweit so gut, den Schleier hatte ich nun gesichtet – aber sind wir mal ehrlich, wenn man an farbenfrohe Polarlichter denkt, hat man nicht das Bild im Kopf, das sich mir gerade in Echtzeit bot. Daher galt es jetzt ein möglichst faszinierendes und Award-trächtiges Foto zu schießen. Ab diesem Zeitpunkt begann es wirklich mehr als ärgerlich zu werden, denn ich hatte mich im Vorfeld null Komma gar nicht mit meiner Kamera, der Polarlicht-Fotografie an sich geschweige denn der simplen Langzeitbelichtung auseinander gesetzt. Daher folgte nun ein ca. 2-stündige Try, Error & Frust Show, bei der mir zum einen meine beiden Hände zu nutzlosem Werkzeug gefroren und zum anderen ALLE Bilder mehr oder weniger zum davonlaufen wurden. Hätten es die Temperaturen zugelassen, ich hätte am Liebsten eine Träne vergossen. Irgendwann musste ich einsehen, dass die Sache mit mir und dem Polarlicht leider so überhaupt nicht funktioniert und ich wohl zu keinem besseren btw. einem „scharfen“ Ergebnis auf meiner Kamera mehr kommen würde. Daher hieß es nach einer ausgiebigen Jagd zurück ins warme Bett zu kehren; Beute hatte ich zwar gemacht, nur satt war ich noch lange nicht.

„Aurora Borealis, wir sprechen uns wieder.“ Zitat perueckenjunge

 

 

 

Generelles
Hier noch ein paar weitere unsortierte Fakten:

  • Außerhalb der etwas größeren Städte endet das Leben in Island abrupt, keine Menschen, keine Lebewesen (außer Unmengen von schockgefrorenen Island-Ponys), keine anderen Autos, kein Nichts – daher ein kleiner Tipp gerade für den Winter: auch wenn Schnee & Eis sowie der Besitz von Spikes geradezu nach Walter Röhrl Manövern schreien, macht euch bewusst: Rettung dauert und viel wichtiger, könnt ihr gerade beschreiben, wo ihr seid (meine Vermutung: nein, könnt ihr nicht!)?
    Daher im wahrsten Sinn des Wortes: Runter vom Gas.
  • Dass ihr in Reykjavík Kaffee trinken, Bücher lesen und einige Kneipen von innen sehen solltet, hatte ich bereits erwähnt, was ihr ebenso unbedingt machen solltet, einen kleinen Spazier-(Rund)gang. Im Fokus sollten hier zwar 3 absolut touristische Klassiker stehen, aber die sind es echt wert. Zum einen die Sun Voyager-Skulptur von Jón Gunnar Árnason direkt am Meer bzw. der Hafenstraße, von dort seht ihr auch schon die Harpa, das 2011 neueröffnete Opern- und Konzerthaus. Ein unglaublicher Bau, an dem ich mich kaum satt sehen (und fotografieren konnte) – übrigens lautet ein FunFact zur Harpa, dass angeblich 70% aller Isländer bereits einmal in ihrem Leben zu Besuch bei einer Veranstaltung in der Harpo waren; das ist schon eine Ansage. Und zu guter letzt, schlendert ihr wieder in Richtung Altstadtkern und wartet auf den Moment, in dem ihr in diese eine Seitenstraße blickt und sich die Hallgrímskirkja (die evangelisch-lutherische Pfarrkirche) vor euch auftut. Ein unglaubliches Bauwerk und nebenbei auch das zweithöchste auf ganz Island. Apropos Höhe, die Fahrt in den Glockenturm wird mit einem Wahnsinnsausblick belohnt.
    Kleiner Tipp: die Kirche schließt um 17 Uhr ihre Pforten, versucht (im Winter) gegen 16.30 Uhr dort zu sein, dann sind die meisten Touristen weg und ihr könnt den Sonnenuntergang samt unglaublichen Licht aus einem nicht alltäglichen Winkel erleben.
  • Ebenfalls gut zu wissen und dennoch schwer damit umzugehen: der Isländer an sich, hält überhaupt nichts von dem „Service“- oder gar Freundlichkeitsgedanken. Das fängt im Hotel an, geht über die Kaffeebar und endet im Restaurant, man wird egal wo man sich befindet konstant nicht beachtet, muss stets auf sich aufmerksam machen, wenn man irgendwas möchte und selbst dann ist nicht sicher das einem geholfen geschweige denn etwas verkauft wird. Alles kein Beinbruch, kostet aber ab und zu Nerven aber vor allem viel (viel) Zeit. Macht aber nichts, denn davon haben die Isländer anscheinend reichlichst.
  • Und eins noch, wer einen Abstecher zur blauen Lagune vermisst, dem sei gesagt: ich war dort, bin aber masslos enttäuscht wieder umgedreht. Auf Bildern sieht das alles total spitze und toll aus, dennoch verrät einem die Website schon, dass das zum einen wohl DER Tourispot schlechthin und zum anderen aber alles andere als günstig ist. Soweit so gut, fährt man dann aber auf dieses laut Bildern idyllische Fleckchen Erde zu, trifft bzw. traf mich fast der Schlag. Das viel gerühmte Thermalbad bzw. sogar das Becken liegt an einer Seite Tür and Tür mit ca. 5 riesigen Fabriken und Industrieanlagen, aus dessen Schornsteinen es nur gerade so herausrauchte. (zugegebenermassen kann es sich auch hier „nur“ um Wasserdampf halten) Schön ist absolut anders; da muss ich leider sagen: ich passe. Denn 50€ für menschliches Legebatterie-Feeling mit Ausblick auf Keflavíks Industriegebiet brauche ich dann eher doch nicht.

 

Abreise
Wer auf einen Non-Stop-Rückflug Reykjavík München hofft, der wird entweder bitter enttäuscht oder muss verdammt früh aufstehen, denn die einzige Maschine des Tages geht – zumindest Sa. & So. – morgens früh um 7 Uhr. Wer hier dann noch seinen Mietwagen abgeben muss etc. braucht eigentlich am Vorabend nicht mehr ins Bett zu gehen. Allein aus dem Gesichtspunkt des Ausschlafens heraus, musste eine andere Lösung her. Meine Rückreise verlief daher auf der Route Reykjavík – Kopenhagen – München.
Welche ein ziemlich witziges und kurzzeitiges orientierungsloses Grübeln bei mir verursachte:
Ich saß mit 2 Std. Aufenthalt am Flughafen Kopenhagen in einer Boston Celtics Fan-Kneipe und schaute mir die Zusammenfassung der deutschen Fußball-Bundesliga an; exakt 2 Std. nachdem Abpfiff fuhr ich dann mit dem Taxi an der heimischen Allianz Arena vorbei in Richtung meines Bettes. Irgendwie ist die Welt schon ein irrer und vor allem doch recht kleiner Fleck…

 

Keep on moving
R

5 Gedanken zu “ISLAND

  1. Sehr coole Story und Bilder, macht auf jeden Fall Lust Island auch mal im Winter zu besuchen!

    Glaub mir: bei der blauen Lagune hast du absolut nichts verpasst. Ich war da, aber nur weil unser Rückflug über Nacht ging und wir vorher nochmal entspannen wollten. Fand es einfach nur überteuert und es gibt viel schönere Thermalbäder überall auf der Insel. Kann man auslassen 😉

    Cheers,
    Martin

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