WHALE WATCHING

In Tofino im Westen von Vancouver Island ist scheinbar nicht nur der Spaß zuhause, oder ein Ort für wirklich außergewöhnlich gutes Essen, sondern auch und das ist das Wichtigste das offensichtliche Epizentrum aller Outdoor-Aktivitäten.

Wer hier nicht mindestens eine der 3 Vorzeige-Aktivitäten Tofinos auf seiner Liste hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Whale Wachting ist das Thema Nr. 1 im Ort – wenn natürlich auch nur von touristischer Seite aus gesehen, ein ebenso großes Thema ist das Wellenreiten. Tofino scheint hierfür das Paradies schlechthin zu sein und halb Kanada pilgert hier mit Brettern bepackt an die zahlreichen Sandstrände oder mit dem – festhalten – Shuttle-Boot zu den Breaks an den jeweiligen Outer Riffs. Last but not least findet sich auf der Top 3 dann das Seakayaking wieder.

Da ich zur Zielgruppe Tourist zähle, darf ich mir so eine Whale Wachting Tour unter gar keinen Umständen entgehen lassen. Gerade wo ich doch am Anfang diesen Jahres an selbiger Mission auf Island schon gnadenlos gescheitert bin. Der Unterschied aber zu Island ist gravierend, vom Wetter und der Temperatur mal abgesehen, liebt der Kanadier seine Wale und jagt diese nebenbei nicht auch noch. Daher wimmelt es im ganzen Ort nur so vor Wal-Variationen in allen Farben, Formen und Materialien und nahezu jeder Touranbieter (davon gibt es unzählige) garantiert eine tägliche Sichtung der offensichtlichen Lieblingstiere der Bürger Tofinos.

Meine Wahl fällt – aufgrund einer privaten Empfehlung – auf die Anbieter von Westcoast Aquatic Safaris; selbige sollen die Besten sein und vor allem die schnellsten Boote in ganz Tofino haben. Also wieso nicht Nature-seeing mit Geschwindigkeitsspaß verbinden.  Auf meine Frage, ob das mit der garantierten Sichtung der ungefähren Wahrheit entspräche, erhalte ich folgende Antwort:

„Es wimmelt hier nur so von Grau- und Buckelwalen zu dieser Jahreszeit, wir werden jede Menge davon zu sehen bekommen. Einzig und alleine Orcas sind nicht berechenbar, denn die machen was sie wollen, man weiß nie, wann sie wo sind.“

O-Ton: „Those blackfish are bloody bastards and like a fucking lottery – i think they even don’t know for themselves, what they are doing and where they are going. You never know, when you will see them. Have faith.“

Also gut; Abfahrt und Leinen los ist für 12.30 Uhr angesetzt, pünktlich um 12.15 Uhr finden wir uns am zuvor genannten Bootssteg ein und lauschen einer 5 minütigen Sicherheitseinweisung….Wie wir vom aktuellen Standpunkt, über den 30m langen Steg ins dort vor Anker liegende Boot gelangen! Ernsthaft? Warum so amerikanisch?

Auf dem Boot selbst wird es dann direkt wieder kanadisch locker:
„Hier sind eure Lifejackets. Anziehen. Bitte während der Fahrt festhalten und ach ja, Rettungsinseln haben wir auch. Ich bin übrigens Aaron euer Guide und das ist Jackie, sie fährt das Boot. Fragen? Keine. Gut, dann los.“ Haha, i love it.

Das Boot tuckert bei leicht bewölktem Wetter los, passiert schaukelnd den Strömungskanal des Hafens und schon ertönt Jackies Stimme über den Lautsprecher, dass man sich jetzt festhalten möge, denn in 30 Sekunden würde sie den Gashebel umlegen. 29 Sekunden später springt das Boot unter ohrenbetäubendem Gebrüll des Motors nach vorne und aus dem Heck schießt eine konstante Wasserfontäne, die ich so bei einem Boot noch nie gesehen habe. Wir sind schnell, richtig schnell.

Keine 5 Minuten Fahrt später, kommen wir zum Stilstand und Aaron macht uns auf eine „5 Meter hohe Wasserfontäne vor Hippie Beach“ aufmerksam, natürlich kuckt die (nahezu komplett deutschsprachige) Besatzung kollektiv in die falsche Richtung bzw. ist einfach zu langsam, um noch etwas zu erkennen können.

Aaron klärt uns auf, dass wir zunächst hören und dann erst kucken sollten, wenn wir mit den Augen auf Waljagd gehen. Denn eine Walsichtigung liefe in 90% der Fälle wie folgt ab:

  1. Der Wal atmet aus – dies ist zu hören
  2. Durch das Ausatmen schießt eine Wasserfontäne in die Höhe – diese sieht man, sofern man in die Richtung des Atemgeräusches verorten konnte
  3. Der Wal taucht wieder ab, dabei sieht man kurz einen Teil seines Rückens

In den verbleibenden 10% der Fälle zählt man zu den glücklichen Personen, die möglicherweise noch folgende eher seltenen Dinge zu sehen bekommen:

  1. Der Wal taucht für länger ab, d.h. er muss steiler tauchen und man sieht seine aus dem Wasser aufragende Schwanzflosse (danach ist der Wal aber meist für Stunden verschwunden)
  2. Der Wal dreht sich unter dem Wasseroberfläche umher, d.h. man kann ab und zu eine Flosse sehen, die aus dem Wasser ragt
  3. Der Wal taucht mit dem Kopf voraus auf, quasi um sich umzusehen, wo er denn gerade ist
  4. Der Wal hat Spaß und springt aus dem Wasser (Anm. des Perueckenjungen: um es mit den Worten von Han Solo zu sagen: „One in a million“)

Der Grauwal vor Hippie Beach durchläuft das klassische Walsichtigungs-Prozedere mehrfach für uns, so dass auch wirklich alle seine Fontäne samt Rücken bestaunen konnten. Gerade als Jackie zum Aufbruch und dem damit einhergehenden Festhalten mahnt, taucht doch tatsächlich der Kopf des Wales senkrecht nach oben gereckt aus dem Wasser auf und der Jubel an Bord ist groß. Dieses Erlebnis ist live einfach unfassbar – auf dem davon verbleibenden Foto sieht es allerdings mehr nach einem Fels im Meer aus. Ein wenig schade, zum Glück konnte ich aber live dabei sein.

Danach prügelt Jackie das Boot von einem „typischen“ Wal-Spot zum Nächsten, wir werden bei mttlw. bestem Wetter nahezu immer fündig. Mal ein Einzelgänger, mal zwei Wale zusammen, mal ein kleiner, mal ein großer, mal die Mischung aus beidem. Insgesamt würde ich sagen, haben wir 8 unterschiedliche Wale gesehen – selbst wenn alles „nur“ Grauwale waren – ein wirklich sensationeller Ausflug. Das Besondere aber an dem Ausflug war, dass sowohl Jackie, als auch Aaron scheinbar wirklich Bock auf die Tour und ihren Job haben, denn aus den angesetzten 2 Stunden haben die beiden einfach mal eine 3,5 Stunden Tour gemacht, da immer neue Wale (und immer weniger Wolken) auftauchten.

Als wir auf dem Rückweg, dann auch noch zahlreiche Seeotter – die Könige des Chillens – entdenkt haben, war es komplett vorbei. Ich weiß nicht, wer begeisterter war und mehr fotografiert hat, wir – die Touristen – oder Jackie selbst. Herrlich.

Welch ein großartiger Ausflug. Wenn man das Haar in der Suppe suchen möchte, kann man als klitzekleinen Wermutstropfen folgendes angeben: nicht etwa das Ausbleiben der Orcas oder der Buckelwale oder der nicht gesehenen Schwanzflossen, ich persönlich fand es schade, dass absolut gar nichts über die Umgebung oder die Wale erzählt wurde, Aaron hat zwar wunderbar beim Spotten und beim Tricks-um-deren-Auftauchen-vorherzusehen geholfen, ansonsten aber geschwiegen wie ein Grab. Andererseits, das Boot war genauso laut, wie es unfassbar schnell gewesen ist, wann soll man da etwas erzählen und hält das Boot herrscht sofort Totenstille, so angespannt ist jeder, wo, wann und wie der Wal wohl auftauchen möge.

In diesen Momenten lieferte nur der Wiener Opa und seine Frau eine brüllend komische Performance ab, nach folgendem Ablauf konnte man die Uhr stellen – und bei jedem Mal, musste sich das halbe Boot heimlich brüllend vor Lachen wegdrehen.:

  1. Wal atmet aus – das Boot hört zu und Köpfen zucken um her
  2. Die Fontäne ist zu sehen – Köpfen zucken, Fotoapparate klicken
  3. Der Rücken des Wales gleitet für einige Sekunden an die Oberfläche und verschwindet
  4. Nichts ist mehr zu sehen
  5. Der Opa stupst Oma an, zeigt in die Richtung in der bereits absolut Nichts mehr zu sehen war und brüllt im Wiener Dialekt „Na gee schau, da is‘ er“
  6. Oma knipst (…Bilder für das „best-of-kanadisches-Meer“ Album)
  7. Der Rest des Bootes prustet in die vorgehaltenen Hände.

So, genug vom Gossip, es folgt die Beweisführung:

Hardfacts: 

  • Kostenpunkt ca. 100$ pro Person
  • Mütze und Handschuhe sind sehr empfehlenswert
  • Wer einen nervösen Magen hat, oder leicht seekrank wird, sollte sich diese Tour (bzw. die Tour mit diesen Booten) evtl. überlegen
  • Man bekommt vom Anbieter kostenfreie sowie wasser- und winddichte Bootsjacken für die Tour gestellt
  • Eine Flasche Wasser mitnehmen ist nie verkehrt
  • Fernglas und/oder Kamera sind Pflicht
  • Sonnenbrille nicht vergessen


Und auch ohne Orcas auf der Sichtigungsliste heißt es am Ende des Tages: Whale all be fine.
R.

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