COAST GRAVITY PARK

Wer sich mit seinem Rad auf den Trail begibt, sitzt natürlich in allererster Linie alleine auf dem Hobel, dennoch gibt es nichts besseres als diesen Moment mit Freunden zu erleben und zu teilen. Ob man dann zu zweit über die Hausstrecke strampelt, im Park im Train hintereinander her bläst oder auch mal schnaufend zusammen das Steilstück hochschiebt, #ridewithfriends ist und bleibt das Beste.

Bewiesen wurde diese „Theorie“ einmal mehr bei einem Ausflug an die Sunshine Coast, genauer gesagt nach Sechelt, um dem Coast Gravity Park einen Besuch abzustatten. Kurz bevor Thilo und ich aufbrachen, klingelte das Telefon und ich staunte nicht schlecht, als ich die Stimme von Tobi – einem alten Freund aus München – am anderen Ende der Leitung vernahm. 5 Minuten später war die Sensation perfekt, Tobi befand sich zufälligerweise in der Nähe von Whistler und beschloß uns zu besuchen, sowie uns auf dem Trip zum Coast Gravity Park zu begleiten.

Unter großem Hallo und immer noch ungläubigem Staunen nahmen wir Tobi am nächsten Morgen in Empfang und rollten bei strahlendem Sonnenschein in Richtung des Whistler Mountainbike Parks. Schließlich fehlte Tobi hier noch der Haken in seinem weltweiten Befahrungsbuch. Es wurde ein unfassbar genialer Tag für alle Beteiligten und wir fuhren, bis wir fast aus dem Sattel fielen – zum Glück stellte der Lift davor seinen Betrieb ein. Anzumerken bleibt, ich habe selten jemanden mit so lachhafter Schutzausrüstung (kein Fullface-Helm und kein Rückenpanzer) so Gas geben sehen. Inspiration und Motivation pur.

Am folgenden Morgen teilten wir uns nochmal kurz auf, Tobi wurde von uns dazu verdonnert den, von ihm ebenso noch nicht befahrenen, Trails von Squamish einen Besuch abzustatten. Thilo und ich hingegen gingen das Ganze gemütlich an und deklarierten den Tag als Reisetag. Am Abend trafen wir uns im von mir heißgeliebten und mehr als empfehlungswürdigen Lighthouse Pub in Sechelt wieder. Auf Burger und Bier folgte eine Zusammenfassung der von Tobi befahrenen Trails in Squamish und lasst euch gesagt sein, Begeisterung ist die Untertreibung des Jahres.

Strahlender Sonnenschein begleitete am Sonntag unser Frühstück, die Vorfreude auf den Park, den man sonst auch nur aus dem Internet kennt, stieg und stieg. Wir tuckern und rumpeln die Forststraße neben der Müllhalde von Sechelt nach oben und stehen 15 min. später am Kassenhäuschen des Coast Gravity Parks. Außer uns sind nur 2 weitere Autos da, perfekt. Na gut, zugegebenermaßen hatte der Park auch erst seit 8 Minuten auf; aber wirklich viel los war dann den ganzen Tag über trotzdem nicht.

Wir lassen den Blick umherschweifen und ja, verdammt, es sieht genauso aus, wie in all den Videos, man erkennt noch die ganzen Stunts aus dem Film Rad Company, sowie diverse Features aus anderen kleineren Webispodes. Ein Traum.

Im Coast Gravity Park gibt es übrigens keinen Lift, man steigt auf die Pritsche eines LKWs und wird im 20 Minuten Takt mit einer Geschwindigkeit von ca. 5 kmh nach oben geshuttelt. Gemütlichkeit pur; und das Wort Hektik oder Stress kennt im gesamten Park sowieso eh keiner.
Auf dem LKW sitzend, auf dem Weg zu unserer ersten Abfahrt, schwätzt uns ein Typ an, woher wir den kämen, er hätte uns noch nie gesehen, was wir denn fahren wollten usw. usf. er scheint wirklich reges Interesse an uns zu haben. Schon lustig, wenn man seinen Tag mit einem Schwätzchen mit Curtis Robinson beginnt.

Richtig Zeit zum Staunen und Fanboy sein bleibt uns aber nicht, denn es kommt immer dicker. Neben, vor und hinter uns sitzen im Lauf des Tages, die 2te Hälfte der Coastal Crew namens Dylan Dunkerton, Backwoods Jam Mastermind Logan Peat, etliche Ride-or-Die Jungs, Style-Maschine Ryan „R-Dog“ Howard, sowie der König des Radfahrens Brandon Semenuk selbst. Da fühlt man sich dann doch kurz deplatziert.

Kleiner Exkurs:
Wer MTB-Wettkämpfe ins besondere Slopestyle-Events verfolgt, wird immer wieder mit der gleichen Leier während des Wettkampfs konfrontiert werden: Brandon Semenuk ist ein introvertiertes Kerlchen, dass weder ein Lächeln noch irgendeine andere Gefühlsreaktion auf Lager hat. Ob der Event Sieg, Niederlage oder gar Sturz für ihn parat hatte, ist beim Interview danach meist nie so wirklich erkennbar. Obendrein spult er seine Tricks in einer Routine und Sicherheit ab, als wäre er tatsächlich einem Roboter näher als einem menschlichen Wesen. Nicht dass dieses Niveau nicht absolut respektabel wäre, dennoch wird ihm diese Art oftmals von der Aussenwelt angekreidet.

 

Ich kann euch nach einigen Fahrten zusammen mit ihm auf der LKW-Pritsche nun definitiv versichern, das ist weder sein „Game- oder Contestface“ noch eine besondere Masche oder geschweige denn gespielt, der Junge ist einfach so. Während all seine Jungs lauthals scherzend auf dem Laster sitzen, schiebt sich Brandon den Mundschutz rein, setzt den Helm auf und schweigt. Logan Peat reißt im Stile eines Stand-Up-Comedian einen Scherz nach dem anderen und erklärt lauthals diesen und jenen Jump. Semenuk sitzt, schweigt, hört zu und reckt allenfalls mal den Daumen zur Bestätigung. Gelächelt wird nur in Ausnahmefällen. Ein bisschen kommt er uns vor wie Kenny von Southpark, schweigend und einmal pro Stunde leise etwas murmelnd (allerdings ganz im Gegensatz zu Kenny, wahrscheinlich nichts Versautes) – das war es dann aber auch.

 

Wahrscheinlich hat er einfach wirklich nur Bock auf Radfahren, und wieso sich darüber groß das Maul zerreißen, wenn seine Action sowieso hundertmal lauter ist als all das, was er jemals sagen könnte. Ich mag ihn…

Oben angekommen heißt es, gleiches Recht für alle, denn ein und derselbe Startplatz gewährt Zugang zu allen vorhandenen Trails. Wir testen uns langsam voran, rollen gemütlich durch Dirt Wave, lassen darauf in den folgenden Runs Red Dragon und Devils Elbow folgen, stürzen uns durch Zig Zag, Handjob und Doggers. Einzig die beiden Pro-Lines FlightDeck und Coastal Cruise bleiben genauso wie Dynamtie Panther von uns unberührt. Bei dem letzten Trail waren wir einfach zu faul, um vom Startplatz nochmals 20 min. nach oben zu schieben, bei den beiden ProLines sprachen die Warnschilder (siehe Fotos) eine durchwegs deutliche Sprache.

Bis kurz nachdem Mittagessen hatten wir wirklich viel Spaß, sogen die geniale und einzigartige Atmosphäre des Parks und die Sonnenstrahlen des grandiosen Wetters in uns auf. Obendrein amüsierten wir uns über den Fakt, dass Tobi sich schon den Spitznamen „Mr. Enduro“ bei allen anderen Besuchern erobert hatte. Wahrscheinlich kam vor ihm auch noch nie jemand auf die Idee, diesen Park in der für ihn typischen Minimal-Schutzbekleidung zu befahren.

Ich hatte dann leider einen kleinen Crash und saß im Folgerun eh schon etwas wackelig auf dem Bike, als plötzlich in der großen S-Anliegerkurve von Dirt Wave keine 2 Meter vor mir ein kapitaler Hirsch über den Trail schoß. Zeit zum Reagieren blieb nicht, als ich die Bremse zog, war ich schon um Haaresbreite an ihm vorbeigeschoßen und mir blieb nichts weiter als ihm keuchend, zitternd und kalkweiß im Gesicht hinterher zu starren. Das war mal richtig, richtig knapp – was passiert, wenn ich einen KmH schneller oder er einen KmH langsamer gewesen wäre, ist nicht auszudenken.

Mein Tag ist gelaufen, ich kann sowas leider einfach nicht abschütteln oder gar ausblenden. Zwei Runs versuche ich noch, zittere mich aber jeweils durch den Park der für always-Vollgas gebaut ist, mit einer einstelligen Geschwindkeitszahl nach unten und beschließe daher: aus die Maus, für mich war es das für heute.

Thilo und Tobi ballern noch einige Runden, während ich einfach nur noch in der Sonne sitze, mit Dunkertons Hund spiele und dem Praktikanten des Parks über Mountainbiken im Allgemeinen philosophiere.

Zu guter Letzt shuttle ich Tobi noch zum Einstieg eines Local-only Trails, da Tobi das fleischgewordene Steh-auf-Männchen, einfach nicht genug kriegen konnte und den Praktikant solange bearbeitete, bis dieser die Koordinaten zu „Huggies“ rausrückte.

Mttlw. hatte ich wieder etwas Farbe im Gesicht und wir ließen den Tag mit ein paar Bierchen im Sonnenuntergang der Georgia Bay ausklingen, bevor wir uns wieder im Lighthouse Pub einfanden.

Der nächste Morgen begann mit strömendem Regen und Thilo und ich waren uns einig, das Kapitel Mountainbiken darf heute ruhen und wir erkunden mit Auto und zu Fuß einige Fleckchen der Küstenlinie. Tobi war – zum Erstaunen vom keinem – immer noch Feuer und Flamme und beschloß trotz Regens die Trails um Roberts Creek unsicher zu machen.

Nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege daher wieder, aber alle waren sich einig, unvergessliche 3 Tage lagen hinter uns, großartige Erlebnisse und geniale Trails hatte man gemeinsam befahren. All das wäre nur halb so intensiv und großartig gewesen, wenn man es ohne die jeweils anderen erlebt hätte.

Daher #ridewithfriends ist ein Muss. Fahrt zusammen, feiert euch, pusht euch und ihr werdet sehen: Besser geht fast nicht!

Thx boyz.
R

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