ALTA LAKE

Das bis dato wirklich grandiose Herbstwetter zwang uns hier in Whistler nahezu jeden Tag aufs Rad, sehr zur Freude unsererseits, allerdings auch sehr zum Leidwesen unserer Körper. Denn dass tägliche bergab-Gerumpel fordert dem Körper doch einiges ab. Knie, Arme, Hände, Schultern, Rücken und Nacken machen sich allabend- und morgendlich schmerzhaft bemerkbar; eine ganz feine Mischung aus Muskelkater und Alterswehwehchen ist das. So wird das tägliche Aufstehen, der Griff an den Lenker des Bikes, das Aufsetzen des Fullface-Helmes, sowie jede noch so einfache Abfahrt Tag für Tag ein weniger beschwerlicher; Konzentrationsprüfung par excellence inklusive.

Da kann es dann schon einmal passieren, dass wie heute – an Fahrtag Nr. 4 in Folge – plötzlich eine innere Stimme im Kopf tönt „i don’t feel it“ und just ab diesem Zeitpunkt geht dann auch nichts mehr bei mir. Ich mache Fehler, verweigere Sprünge, werde langsamer und damit auch unsicherer, da lohnt eine Weiterfahrt nicht. Ich beende meinen Tag nach nur 2 Runs und beschließe verletzungsfrei auf meinen Körper zu hören und somit einen Ruhetag einzulegen.

Ganz dem im Bikepark offensichtlich vorherrschenden Motto „Respekt statt Rente“, drehe ich diesen Leitsatz heute um und beschließe einen Spaziergang – ja richtig gelesen – um den Alta Lake in Whistler zu machen. Ein bisschen Landschaft geniessen, auf den See und die Berge starren, Sonne tanken und Ortsansässige um ihre Häuser beneiden, ist genau dass, wonach es mir jetzt ist.

Die einfache Umrundung (ohne irgendwelche Schlenker zu angrenzenden Seen) des Alta Lakes beträgt eine ungefähre Distanz von 10 Kilometern, womit aber auch schon wieder klar wird, wie ich Spaziergänge definiere.
Als Ausgangspunkt wähle ich den Lakeside Park/Parkplatz, selbiger ist recht einfach zu finden, vom sea-to-sky-Highway biegt man in den Hillcrest Drive ein – oder orientiert sich nicht nach Straßennamen sondern folgt einfach der Beschilderung. Am Parkplatz bewegt man sich einige Meter zum Seeufer und folgt dann der Uferpromenade nach links, d.h. man geht im Uhrzeigersinn um den See. Als bald kommt man auf den Valley Trail, welcher ab hier als Beschilderung und Richtweg für die Seeumrundung dient. Immer wieder sind tolle Seeblicke zu erhaschen, während man durch den Wald marschiert, richtig außergewöhnlich wird der Ausblick allerdings erst auf der gegenüberliegenden Seeseite mit dem Erreichen des Alta Lake Parks und dem dazugehörigen Fairhurst Dock. Dieser Steg geht einige Meter in den See hinaus und liegt herrlich in der Nachmittagssonne, schnell fällt das T-Shirt und ich räkle mich, den Ausblick geniessend, eine geraume Zeit auf den warmen Holzbohlen. Danach geht es weiter, leider wird der Valley Trail nach wenigen Metern auf die Alta Lake Road geleitet und man stapft die nächsten Kilometer bis zum Rainbow Park an bzw. auf der Straße entlang. Aber halb so schlimm, Autos kommen eh keine und man kann die Häuser bzw. Villen aus nächster Nähe betrachten. Im Rainbow Park merkt man dann schnell wieder die nordamerikanische / kanadische Freizeitkultur, denn es ist an alles gedacht worden: Liegewiese, Spielwiese, eingezäunte Hundewiese, Kiosk 1-4, BBQ-Stationen, Sitzgelegenheiten für Großfamilien, Beachvolleyplätze in einem 1a Zustand, Badeinsel, Kayak-Verleih, Yoga-Rasenfläche und und und… Klinisch sauber, versteht sich von selbst, oder?
All das interessiert mich aber wenig, ich widme mich lieber der Beobachtung eines Schwarmes Wildgänse, die keine 2 Meter vor mir durchs Wasser waten.

20 Minuten später suchen die Gänse und ich das Weite. Zurück auf dem Valley Trail in Richtung Whistler Village und einer scharfen Rechtskurve entlang des Whistler Golf Courses geht es auf die letzte Etappe – hier ist der Seeblick mittlerweile völlig verschwunden, aber die größten und schönsten Villen liegen vor einem auf dem Präsentierteller, auch der Blick über das saftige Grün des Golfplatzes ist nicht zu Verachten.

Entlang des Kurses gilt übrigens erhöhte Bärenvorsicht, da die heimischen Schwarzbären aufgrund der vielen Beerenbüsche ebenfalls Gefallen an dem Golfplatz gefunden haben – die im 50m Abstand herumliegenden „Haufen“ untermauern hier die Aktualität und Glaubwürdigkeit der zahlreichen Warnschilder.

Ungefähr 2 km nach Ende des Golfplatzes ist man dann auch automatisch schon wieder am Lakeside Parkplatz und dem eignen Auto angekommen, ein Verlaufen ist nahezu unmöglich – obendrein funktioniert innerorts die Beschilderung durch die Kanadier ziemlich gut. Einziger Wermutstropfen bei der ganzen Runde ist die Tatsache, dass der Valley Trail zu 90% der Strecke betoniert ist und man sich wirklich die Füße in den Bauch tritt, dennoch lohnt sich die Runde, denn der Blick vom Rainbow Park auf die Whistler-Blackcomb-Mountains ist einfach ein Fest für Augen und Seele.

 

Trotz der ungeliebten Tätigkeit „spazierengehen“ ein wundervoller Herbsttag in Whistler. Da halte ich es mit Oscar Wilde: Nowadays people know the price of everything and the value of nothing.

R. 

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