VALLEY OF FIRE

Wer auf seinem klassischen (entgegen dem Uhrzeigersinn gefahrenen) Westküsten-Nationalpark-Roadtrip vom Zion Nationalpark in Richtung Las Vegas aufbricht, hat üblicherweise die Nase gestrichen voll von Felsen, Steinen, Canyons und noch mehr karger Felslandschaften. Aus diesem Grund wird der Valley of Fire State Park gerne mal links liegen gelassen, um endlich in Sin City etwas Leuchtreklamen-Irrsinn und Remidemi als Abwechslung zu tanken. Völlig zu unrecht, muss ich nun im Nachhinein sagen, denn auch ich bin schon einmal aus genau diesem Gedanken folgend eisern auf dem Interstate 169 geblieben und habe daher das Valley of Fire verpasst.

DASS passiert mir bestimmt nie wieder.

Am Eingang des State Parks – alles aus Sicht des East Entrance – entrichtet man zunächst an einer self pay station die 10$ Besichtigungs-/Befahrungsgebühr und rollt dann gemütlich durch den Park. Erste Gesteinsformationen ala Elephant Rock, Seven Sisters uvm. lasse ich mehr oder minder links liegen, denn wie bereits erwähnt, man ist felsmässig schon etwas abgestumpft.

Um den Mouse Tank Trail mit seinen 0.7 Meilen zu laufen, verlasse ich das kühle und schützende Auto – die Luft brennt und es ist wirklich abartig heiß. Daher, auch wenn ich mich wie in allen USA-Tipps wiederhole: Wasser mitnehmen! Ich stapfe auf Sand und Fels den Trail entlang, erfreue mich an einer Vielzahl Chuckwallas, Resten von indianischer Felsmalerei und der Landschaft an sich. Der Mouse Tank selbst ist dann nahezu eine Frechheit, andererseits ist die Frage, was habe ich erwartet? Denn der Mouse Tank ist ein 2×1 Meter großes Wasserloch am Ende des Trails.
Fazit: spart euch die Energie und diesen Weg!

Weiter geht es mit dem Auto bis zum Rainbow Vista Point, ab hier wird es dann doch durchaus spektakulär. Gestein in allen Farben und Formen erinnert einen eher an das Innere einer Zuckerbäckerei, als an tiefstes Wüstenland im Herzen Nevadas. Wobei einen die Temperatur schnell wieder aus der im Gegensatz dazu wahrscheinlich gedanklich kühlen Backstube holt.

Den Rainbow Vista Trail kann ich durchwegs empfehlen, da er tolle Ausblicke und irre Gesteinsfarben aus nächster Nähe bereithält. Mit allerdings 2 Meilen ist das bei der Hitze keine Kleinigkeit und ich kann jedem nur eins mit auf den Weg geben: Teilt euch eure Kräfte gut ein und hebt euch genügend Antrieb und Power für die beiden Final-Highlights auf.

 

Zu diesen beiden Highlights gilt es nun aufzubrechen; da die Straße hier auch eine Art Loop ist, kann man sich aussuchen, was man zuerst machen möchte: White Dooms oder Fire Canyon. Beides könnte unterschiedlicher nicht sein. Dennoch sind beide Punkte jeweils mit einer min. 1 stündigen Wanderung verbunden, daher gilt es: Kräfte einteilen, Wasser mitnehmen (jaja!) und zwingend an Kopfbedeckung zu denken – schließlich hat es hier an einem Tag im Mai entspannte 38° Celsius mit null komma gar keinem Schatten.

Beginnen wir mit White Dooms, am Wendepunkt der Straße durch den State Park, wandert man zunächst zwischen mächtigen Felswänden hinab zu einer verfallenen Hütte, die laut Tafel einzig und allein als Filmkulisse für einen frühen Hollywood-Western aufgebaut wurde (zum Abbau hatte dann wohl niemand mehr Lust). Danach wird der Pfad abenteuerlich, man klettert über Felsen, übt sich in Orientierungskunde, stapft durch ein Flussbett und watet schließlich in kniehohem Wasser durch eine Schlucht. Immer umgeben von sagenhaften Felsgebilden und einer schier unglaublichen Menge von nichts… Auch das Touristenaufkommen ist aufgrund der Anstrengungen nahezu bei null – spätestens der Aufstieg zurück zur Straße und der Rückweg auf fast geschmolzenem Teer lässt einen dann auch (kurz) an sich selbst zweifeln. Aber der Ausblick, ich sag es euch.

Zurück am Auto aber gibt man dann spätestens zu: ein absolutes Muss mit unglaublichen Eindrücken.

 

Wer jetzt denkt, naja, kann ja kaum mehr besser werden, der wird dann im Fire Canyon von der Fire Wave komplett vom Sockel gehauen. Wesentlich bekannter als die „kleine“ Fire Wave hier im Valley of Fire State Park ist die große „The Wave“, die eigentlich nur ein paar Meilen ums Eck in Arizona bei den Vermillion Cliffs zu finden ist. Einziger Haken, hier muss man sich eins der streng limitierten Tickets zur Besichtigung via Verlosung ergattern – ich kenne niemanden persönlich, der hier jemals Glück gehabt hätte.
Das ist hier bei der Fire Wave anders, parken, aussteigen, ca. 40 30-40 Minuten durch sengende Hitze laufen und man steht vor dieser unfassbar schönen und wirklich glatt polierten Sandsteinwelle, die einem in schönstem rot weiß entgegenstrahlt. Auch hier hätte ich noch weitere 30 Bilder zur Auswahl, aber irgendwann ist es auch einfach mal gut.

Denn selbst auf den doch einigermassen gelungenen Bildern kommt das Feeling einfach nicht rüber. Da sitzt man als winzig kleines Menschlein irgendwo in der Wüste, schwitzt und starrt auf eine bunte Welle aus Stein, die sich so locker flockig durch die Landschaft zieht, wie selbst Bettlaken nach wilden Nächten nicht in der Lage sind zu fallen und muss wieder einmal fetsstellen, Natur du verrücktes Biest.

Wenn mich nicht die leere Wasserflasche zur Rückkehr gezwungen hätte, ich würde noch heute dort sitzen.

 

 

Strahlend blauer Himmel und das schon am Morgen im Zion Nationalpark und als weiterer Tagespunkt stand hiken im Valley of Fire auf dem Plan, deshalb entschied ich mich bei der Klamottenwahl heute eine Art Testlauf zu starten. Über die Funktion von Merinowolle und deren Einsatz im Hause Pally’Hi über die klassische Wäschelinie hinaus, hatte ich euch ja bereits berichtet; jetzt aber schlüpfte ich in eine kurze Hose aus der neuen Kollektion. Genauer gesagt, handelt es sich hier um die Work Shorts – nach Arbeit war mir trotz des Namens aber bei weitem nicht. Obendrein war ich mir sicher, dass mir das „Wollhöschen“ über kurz oder lang heute wahrscheinlich zu warm werden würde. Aber ich wurde bereits zum zweiten Mal von Schafwolle eines besseren belehrt, nicht nur, dass die Hose unheimlich leicht ist und obendrein sogar noch einen erhöhten UV-Schutz bietet, sie trägt sich unglaublich gemütlich und ist und bleibt wohl temperiert.

Einfach perfekt – gut zugegebenermassen, bei 40° im Schatten wurde es dann doch „warm“; aber hier hätte ich am Liebsten all meine Klamotten von mir geworfen.

Wer wie ich, Merino nur als Option für den Winter oder die kalten Tage auf dem Schirm hat(te), sollte sich hier schnellstmöglich korrigieren und vom Gegenteil überzeugen lassen. Übrigens kleiner (Insider)Tipp, alle T-Shirts und weitere Teile aus der Sommerkollektion von Pally’Hi sind on top noch mit verstärkenden und kühlenden Bambusfasern unterwebt. Es wird immer besser und besser!

Wie schnell man von „most underrated“ zum „must do“ aufsteigen kann, hat der Valley of Fire State Park eindrucksvoll bewiesen. Wer hierfür nicht mindestens einen Tag einkalkuliert ist zum einen selbst schuld und verpasst zum anderen ein wirklich großartiges Naturschauspiel – auch wenn man dafür mehrmals einige Fußmärsche auf sich nehmen muss.

Sweat baby sweat,
R

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