MERINO

Zugegebenermaßen springe ich jetzt im Oktober 2015 reichlich spät auf die Lobeshymnenwelle für Merino-Wäsche auf, auch hörte sich meine persönliche Meinung darüber bis vor wenigen Wochen eher vernichtend, und ungefähr so, an:

Da trug man jahrelang zum Sport und/oder gerade zum Skifahren seine „lange Unterwäsche“ bzw. Funktionsunterwäsche der bekannten Markenhersteller, bis auf einmal dieses Merino-Schaf von Nordafrika nach Australien und Neuseeland übersiedelte und von dort aus meinte, seinen Siegeszug beginnen zu müssen. Hielt ich alles für Quatsch, nen Super-Marketing-Gag und außerdem eh für viel zu teuer. Was soll so ein Schaf denn schon besonderes können, dachte ich mir.

Natürlich habe ich dann die Ammenmärchen rund um die wundervollen Fähigkeiten der Merinowolle vernommen, die Wollart ist besonders weich, kratzt nicht, für Neurodermitis-Patienten total toll, wärmt bei Kälte, kühlt bei Hitze und fängt nicht zum stinken an. Jaja genau, Kaffee kochen und Katamaran segeln kann die Wolle auch noch. Ist schon klar.

Okay okay, Hand aufs Herz, mich hätte es schon mal interessiert, wie sich so ein Merino-Leiberl denn wirklich anfühlt; letztendlich war mir der Preis aber immer im Weg und so wurden die Endprodukte des Merino-Schafs und ich nie einander vorgestellt.

Kurz vor meiner Abreise nach Kanada besuchte ich die befreundete PR-Agentur Freedom & Enterprise in ihrem Büro am Münchner Gärtnerplatz. Nach ein- zwei Heißgetränken und dem fachsimplen über diverse Neuheiten im Sportbereich und speziell über Neuerungen bei den hauseigenen Kunden kam schnell die Bitte auf, dass ich doch einige Artikel des kleinen Merino-Labels Pally’Hi testen solle, sofern ich denn dazu Lust hätte. Da wir schon oft zusammen gearbeitet hatten und diverse Tests für NikeVision und DragonAlliance erfolgreich hinter uns gebracht haben, war ich natürlich bereit auch hier zu helfen. Schließlich kam ich so endlich zu meiner Privataudienz mit dem Schaf!

Pally’Hi ist sobald man hinter die Kulissen blickt, gar kein unbeschriebenes Blatt geschweige denn eine Art „Testprodukt“, denn niemand geringerer als der mehrfache Snowboardweltmeister Peter Bauer und seine Ski- und Snowboardschmiede Amplid ermöglichten Pally’Hi das Licht der Welt zu erblicken.

In meiner Vorstellung existierten hier eine „lange Unterhose“, sowie ein Oberteil – weit gefehlt, das Pally’Hi Angebot deckt vom Schlafanzug, über Jogginghosen, Sweatshirts, Socken und Hosen die komplette Bandbreite einer wirklichen Kollektion ab.  Natürlich fein säuberlich unterschieden zwischen Schnitten und Motiven für Männlein und Weiblein.

Meine Wahl für den großen Übersee-Test fiel dann letztendlich auf ein T-Shirt, ein Longsleeve und einen Hoodie. All das hat übrigens praktischerweise ein sehr geringes Falt- und Packmaß, was wiederum bedeutete: es hatte mühelos Platz in meinem doch eher reichlichen Gepäck.

Wir hier im Blog einfach nachzulesen ist, war das Wetter in Kanada alles außer gelungen und man kann es nicht anders sagen, der Besuch bei den Mädels von F&E hat mich möglicherweise vor dem Erfrierungstod gerettet. Das T-Shirt wurde zum ständigen Unterzieh-Shirt und täglichem Begleitung auf den Bike-Ausflügen. Und was soll ich sagen, es ist wirklich mehr als erstaunlich, das Shirt hält warm, trägt sich angenehm weich auf der Haut und auch an Tag 6 hat es den täglichen Schnüffeltest bestanden – übrigens sehr zu meiner Verwunderung. Danach habe ich es aber doch gewaschen.

Auch das Longsleeve hat mir gute Dienste erwiesen. Dadurch, dass es viel viel dünner als ein normales Sweatshirt ist, hatte ich zunächst Bedenken. Was sich aber als völlig unnötig und unbegründet herausstellte; Longsleeve samt Softshell-Jacke und das Wetter in den Rocky Mountains war mir zumindest temperaturtechnisch egal. Big up.

Einziger Wermutstropfen war irgendwie der Hoodie, selbiger erfüllte zwar auch all seine technischen Annehmlichkeiten, aber irgendwie war der Schnitt komisch und, was mich nach dem Genuss des T-Shirts und des Longsleeves, stark verwunderte, der Tragekomfort war irgendwie „anders“. Ich versuche einmal „anders“ zu definieren. Es mag wohl daran liegen – Achtung, dies ist nur meine persönliche Theorie – dass der Hoodie, ungefähr 3x so dick wie ein T-Shirt/Longsleeve ist und hier die Dicke der Merino-Wolle als „ungewohnt“ empfunden wird. Dennoch ist der Hoodie haptisch eher als dünn einzustufen und hat mit dem über Jahre hinweg gelernten Volumen eines Sweatshirts rein gar nichts mehr gemein. Aber sei es drum, der Hoodie und ich wurden einfach keine großen Freunde.

Holt man aber im realen Testbetrieb bei 2 von 3 Teilen 100 Punkte, wirft meine Meinung über Merino vollkommen über den Haufen UND hält mich an kalten Herbsttagen warm, dann fällt die „Gefühlsrüge“ am Hoodie nicht wirklich ins Gewicht.

Übrigens hat es das Longsleeve dann auch noch an den Strand von Ibiza geschafft – morgendliche Strandläufe bei 19° mit einem Merino-Oberteil sind einfach ein Traum. Der kühle Wind vom Meer ist einem egal und die Sonne schafft es nicht einen mit ihren Strahlen durch die Wolle und somit ins schwitzen zu bringen. Man fühlt sich einfach pudelwohl darin.

Deshalb ändere ich in diesem Fall meine (vorgefertigte) Meinung nur allzu gerne, Merino und in diesem Fall speziell Pally’Hi rockt. Übrigens sieht man dankt des urbanen Designs der Pally’Hi-Klamotten nicht aus wie ein Everest-Tourist auf Abwegen, was die ganze Kauf-Sache um ein vielfaches reizvoller macht.

Also, einmal ein Auge beim Preis zu drücken und sich überraschen lassen von den wirklich feinen Fertigkeiten dieser Wollfaser.

Merino is ALLRIDE
R

Ps: Kleiner Tipp, macht einfach mal den Haptik-Test mit einem Merino-Kleidungsstück, dann werdet ihr sehen, wie es sich für euch anfühlt – und das ist schließlich das Wichtigste daran.

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