SILVER STAR

Whistler vs. Silver Star. Olympiadorf vs. Playmobil-City (siehe Bild). Tourismushochburg vs. Ghosttown. Und last but not least das Duell zweier legendärer Bikeparks. Deshalb durfte ein Stop hier nicht fehlen. Wurde mir bereits ein Besuch des Parks in SunPeaks dank des spontanen Wintereinbruchs, sowie ein ausgiebiger Test der BikeRanch in Kamloops erneut aufgrund des Wetters verwehrt, zeigte sich Silver Star an seinem „Bonus-Weekend“ (Closing war eigentlich letzten Sonntag) von seiner besten Seite.

Ich glaube wirklich, dass das mein erster Tag mit komplett tiefblauem Himmel und Sonnenschein ist – keine Wolke weit und breit. Selbst die Locals waren sich im und am Lift einig, „best day of the season“. Nicht zu letzt, weil der komplette Ort wie ausgestorben ist, „alle“ (3) Läden und Geschäfte zu, ich der EINZIGE Gast in meinem Hotel und satte 2 Restaurants zu Stoßzeiten noch geöffnet.

Na wunderbar, iLike – bring ‚em on.

Da die wirklichen Anfänger-Strecken hier aus für Wanderer und Autos gesperrten Forststraßen bestehen, lass ich diese Art von aufwärmen aus und starte mit dem Abarbeiten aller „Blue“ Lines. Wir erinnern uns, Skipisten-Bewertungsprinzip, dass das die Kanadier eher als Witz verstehen, ist mir seit dem Bikepark in Whistler durchaus bewusst – dennoch wurde auch hier erneut eine Schippe draufgelegt.

Jetzt muss man dazusagen, bzw. eingestehen, dass ich möglicherweise nicht der beste Mountainbiker bin, den die Welt je gesehen hat, noch bin ich besonderes risikofreudig, geschweige denn richtig schnell unterwegs und vor allem meine Kurventechnik ist eher so mittel bis befriedigend. Dachte ich bis dato zumindest…

Auf dem allerersten Trail, namens Shazam, wurde ich direkt eines besseren belehrt – meine Kurventechnik ist scheinbar mit Anlauf sch….lecht. Folgen doch direkt nach einem gemütlichen Intro auf 4 mannshohe 180° Anliegerkurven, im direkten Anschluß an die letzte Kurve eine Table-Line von 3 aufeinander folgenden ca. 3-5m Sprüngen. Aha, kurze Frage, wie soll das bitte gehen? Aus der letzten Kurve rolle ich mit Mühe und Not gerade mal den Absprung nach oben… Gut, stinksauer rein in den Lift, gleiche Runde nochmal. Mit dem Wissen, jetzt kommen die 4 Kurven gleich, versuche ich die Bremse offen zu lassen, sause durch Anlieger eins und bin mir schon bei Nummer 2 nicht mehr sicher, ob die Schwerkraft das wirklich so geregelt kriegt, ich ziehe leicht am rechten Bremshebel. Hui, bei Nr. 3 und 4 lieber vorsichtshalber auch nochmal und schwupps: Ich rolle wieder im sogenannten „aktiven Stillstand“ auf den ersten Sprung zu. Nun ja, besser kann man das einfach nicht fahren, ist wohl ein Fehler der Parkbauer gewesen, kann durchaus mal passieren. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht und meinen inneren Frieden mit dieser Fehlkonstruktion gemacht, segelten zwei Kanadier an mir vorbei. Natürlich über alle 3 Sprünge und zwar wie aus dem 1×1 des „Besser Mountainbike“-Lehrbuchs.
Learning: Ich fahre Shazam einfach nicht mehr.

Die restlichen Trails sind der Hammer, komplett anders als Whistler, deshalb wäre es auch wirklich unfair, wenn man es zu dem Eingangs genannten Duell oder besser gesagt dem direkten Vergleich der beiden kommen lassen würde. Diese zwei Parks sind wirklich grundverschieden, beide aber ein definitives Muss auf jeder to-do-in-canada-Liste eines Gravitybikers.

Auch in Silver Star haben die Trails natürlich wieder die urigsten Namen und man rätselt jedesmal aufs Neue, ob man vor der Befahrung schon erkennen kann, was der Grundvater des Namensgebungsgedanken gewesen sein könnte. Meist ist das vorab gar nicht so leicht, klärt sich aber im Streckenverlauf dann – ab und an, nicht immer – auf. Der Trail Downtown macht es einem einfach, er endet „mitten“ in Silver Star Village, welches aus gefühlten 8 Häusern und in Wahrheit realen 14 Gebäuden besteht. Jedi Mind Tricks gab mir zunächst Rätsel auf, dennoch war mir der Trail direkt sympathisch, da er den Namen einer meiner Lieblingsbands trägt. Sobald man sich auf der Strecke befindet ist völlig klar, was hier gemeint war. Jeder Sprung und ich meine wirklich jeden Sprung, ist komplett uneinsehbar und man springt quasi blindlings hinein – mehr Mind Trick geht nicht. Pipe Dream spuckt dich aus riesigen Anliegerkurven, die fast an Quarterpipes erinnern in seine Kicker, Snake Pit windet sich in unzähligen haarsträubenden Kurven den Berg hinab und GNAR trägt seinen Namen einfach nur zurecht, senkrecht geht es über loses Geröll in Kombination mit wohnmobilgroßen Holzelementen, na danke, Spaß ist anders.

Die Strecken hier sind dermassen anspruchsvoll, dass man denkt man hätte zum einen, einen Marathon gelaufen, nur um danach den ganzen Tag im Fitnessstudio zu verbringen – dementsprechend platt bin ich nun. Auch hier liegt der große Unterschied zu Whistler, dort fordert einem der Parktag zwar auch einiges ab, dennoch kann man zumindest in 50% der Fälle fahren wie bei uns zuhause, man macht dieses „bergab-fahren“ schließlich nicht zum ersten Mal. Heißt, rollen lassen, gemütlich in die Kurve lenken, abspringen, landen und weiter. Keine Frage, auch nach einem Bike-Tag im Mekka der Szene war ich total ko, aber kein Vergleich zu hier. Man muss so dermassen agil fahren, ständig mit der Strecke „spielen“, die Line auf dem Trail lesen, Arme anziehen, strecken, anziehen, die ungewohnten Kurvenshapes und Radien irgendwie verinnerlichen und darauf gefasst sein, das der nächste Sprung einen in eine Überraschung der kanadischen Art, wie in eine Kurve, ein Wurzelbett oder einen direkt folgenden 2m-Drop (ohne Witz!) katapultiert. Puuuuuh.

I’m done folks
R

Ein Gedanke zu “SILVER STAR

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s