COSTA RICA

– TEIL 1 –

Reiseroute:
San Jose – Vulkan Poas – Boca Tapada –
Vulkan Arenal – Monteverde – Manuel Antonio –
San Gerado de Dota – Turrialba – Puerto Viejo – San Jose

 

Wer als sein nächstes Reiseziel – nichts ahnend – Costa Rica kommuniziert, wird oftmals direkt mit einem Schwung an Meinungen, Ratschlägen, Empfehlungen aber auch Vorurteilen überhäuft werden. Gerade in Sachen Vorurteilen oder Äußerungen ala „habe ich von einem Freund gehört“ fühlte sich die Unbehagen-Liste im Vorfeld rasend schnell; ein Überfall wäre so gut wie sicher, eine Konfrontation mit der korrupten Polizei ebenso, auch die kriminellen Strandbanden würden einem sehr zu schaffen machen, da fielen die schlechtesten Straßen überhaupt gar nicht mehr so ins Gewicht.

Ich nehme es mal vorweg, es ist rein GAR NICHTS von all den prophezeiten Gräueltaten und misslichen Umständen die dieses Land – zugegebenermaßen – zu bieten hat eingetreten. Es gab keinen Kontakt mit der Polizei, keine dunkle Gestalten, kein irgendwas – ach und übrigens, die Straßen sind zu 90% spitze; die restlichen 10% teilen sich auf in (markierte) Schotterpisten oder eben handelsübliche Schlagloch-Meilen, aber das ist nichts, was man nicht schaffen kann.

Dennoch würde ich trotz allem an die eigene Vernunft des jeweiligen Reisenden appellieren, wieso auf unbewachten Parkplätzen parken? Wieso sein Gepäck unnötigerweise im Auto lassen? Wieso ein Bündel Bargeld mit sich herumschleppen? Wieso nachts durch dunkle Gassen schlendern oder am Strand rumhängen? Usw. usf. ihr seht aber selbst, ein bisschen die eigenen Handlungen anpassen und schon ist jede Reise nur noch halb so wild, egal ob es da nach Costa Rica oder in irgendein anderes Land geht.

So genug der vermeintlichen Schattenseite gefrönt, kommen wir zu den wirklich fantastischen und unfassbaren guten Momenten, Orten und Menschen in diesem Land. Wer sich jetzt übrigens auf einen „yeah, Blogartikel mit Surfspots“ freut, den muss ich enttäuschen; denn gegen 80% aller Empfehlungen und Tipps, habe ich mich für einen Roadtrip durch das „ganze Land“ (im sprichwörtlichen Sinne) entschieden, anstand lediglich „nur“ die Pazifik- oder Karibikküste hinauf- oder hinunter zu pendeln.

Wer immer noch Interesse hat, einfach weiterlesen und mit rein in den Mietwagen (Hyundai Tucson 4×4) hüpfen, wir starten in San Jose – der Hauptstadt von Costa Rica – relativ zentrumsnah am Fußballstadion (Estadio Nacional de Costa Rica) und fahren Richtung Nordwesten in Richtung des Vulkan Poas.

Vulkan Poas

Die Fahrt in Richtung des Vulkans ist allein schon ein Erlebnis. Sobald man die großen Hauptstraßen von San Jose hinter sich gebracht hat und sich über die kleinen Bergstraßen durch die Vororte und Dörfer schlängelt, ist man sofort im Urlaubs-/Costa Rica-/Zentralamerika-Modus. Bunte Häuser, noch buntere Blumen, blühende Gebüsche, Sträucher und noch viel mehr – irgendwie scheint hier alles zu blühen – sowie dem Fakt, dass der Rest der Vegetation einfach knallgrün ist. Costa Rica scheint bereits hier, wir befinden uns immer noch in Stadtnähe, die Geburtsstätte des Chlorophyll zu sein.

Am Eingang bzw. dem Rangerhäuschen zum Nationalpark Poas angekommen, entscheidet ein einziges Wort, dass zur Frage umformuliert wurde, über die Weiterfahrt. „Reservation?“ Gut, dass der Reiseführer hier im Vorfeld Aufklärung betrieben und zu einer Online-Buchung/Reservierung geraten hat, denn die achselzuckende amerikanische Großfamilie im Wagen hinter uns, muss – wenn auch unter Protest – wieder umkehren und darf nicht ins Innerste des Parks.
Wir hingegen, werden um etwas Geduld gebeten und nach 10 min. rollen wir durch die Schranke auf den bewachten Parkplatz, empfangen beim „Crater-Office“ die vorgeschriebenen Schutzhelme inklusive einer mündlichen Sicherheits-Einweisung (…“falls der Vulkan ausbricht, bitte nicht fotografieren, sondern laufen…. ach“…) sowie die komplexe Wegbeschreibung („…bitte geradeaus gehen bis zum Kraterrand“…). Schutzhelm-Gruppe-Rot bestehend aus circa 30 Männer, Frauen und Kinder setzt sich in Bewegung. Während unseres 20 minütigen Aufstiegs (Ps.: dürfte man alleine gehen, wären es keine 10 min. an Wegstrecke, aber es ist „zwingend in der Gruppe zu bleiben“) begegnen uns Schutzhelm-Truppe-Gelb und Grün; cleveres und smart durchdachtes System. Am Kraterrrand selbst lösen wir dann Schutzhelm-Gruppe-Weiß ab, mit dem Hinweis, dass wir jetzt 10 min. Zeit für uns hätten. Das Glück ist mit den Rothelmen, denn just in diesem Moment zieht die Wolken-/Nebeldecke auf und gibt den Blick auf den gesamten Krater mit samt seiner kleinen gelben Schwefelausstöße frei. Schon beeindruckend; wenn es auch nicht mein erster Krater war – die englische Rentnertruppe, die sich ebenfalls nach „oben“ geschleppt hat, rastet im Gegensatz aber völlig aus. Jaja, Vulkane sind definitiv etwas tolles.

 

PEDACITO DE CIELO – ANKUNFT

Ab jetzt wird es etwas abenteuerlicher – endlich. Die Weiterfahrt in Richtung Boca Tapada und darüber hinaus offenbart sich im Finale als fast 40 km lange Schotterpiste entlang des Rio Carlos. Ich liebe dieses „Rallye-Feeling“, nicht dass ich sonderlich rasen würde, dennoch wirbelt das Auto riesige Staubfontänen auf und bei dem ganzen Schotter und losen Untergrund driftet man ab 30 kmh automatisch in jeder Kurve. Grande. Je weiter man auf der Route 250 fährt, desto unterschiedlicher wird auch das Landschaftsbild und die Kulisse, die Häuser und Menschen werden weniger, der Dschungel nimmt immer mehr Überhand, aber auch Ananas- und Bananenfelder soweit das Auge reicht, säumen den Wegesrand. Im rötlichen Licht der einsetzenden Dämmerung erreichen wir dann das heutige Tagesziel, die Eco-Lodge Pedacito de Cielo – fortan aufgrund des Namens nur noch Petersilien-Lodge genannt.

Bei einer Eco Lodge, ist der Name Programm und hier meinen es die Costa Ricaner ernst – wie übrigens bei dem ganzen Thema Umweltschutz (dazu später mehr) – keine Klimaanlage, kein TV, sowenig Strom und fließend Wasser wie möglich bzw. nötig und die zunächst etwas verwirrende „nach dem Abendessen, Licht aus und Ende“-Aussage.

„Antreten“ zum Abendessen ist um 18.30 Uhr, es folgen mit Vor- und Hauptspeise zwei einfache aber äußerst leckere lokale Mahlzeiten und danach geht erst in der Küche das Licht aus, dann auf der überdachten Terrasse, die Angestellten verlassen das kleine Hüttendörfchen der Eco Lodge und es tritt genau das ein, was versprochen wurde: „Ende.“ Diese Fakten sind aber nur Randnotizen und auch nicht weiter wichtig, denn der wirkliche Spaß/Höhepunkt begann kurz vor Sonnenuntergang (ca. gegen 17:20 Uhr), gerade mal 10 min. liegt die Ankunft in der Petersilien-Lodge zurück, die Taschen wurden achtlos in das Holzhütchen geworfen und sofort Platz in der ersten Reihe bezogen. Sprich die eigene Terrasse mitten in den Dschungel hinaus. Exakt pünktlich, um dem Einsetzen des Regenwald-Orchesters lauschen zu können, mit einer schier surrealen Lautstärke geben aberhunderte (mgl. tausende) Vögel, div. Insekten, Frösche, Kleingetier und Grillen ihr Gute-Nacht-Konzert. Dazu stimmten ein paar Howler-Monkeys (Brüllaffen), nur wenige Meter von der kleinen Terrasse entfernt, mit ihrem ohrenbetäubenden Geschrei ein – ich wäre vor Schreck beim ersten Mal beinahe über die Balustrade in den Orchestergraben gefallen.

FAZIT: unglaublich gut, und ein mit Worten kaum zu beschreibendes Erlebnis – übrigens ist einschlafen hier dann nach „Ende“ auch durchwegs eine spannende Herausforderung.

 

PEDACITO DE CIELO – TAG 2

Als der Küchenchef am Vorabend kurz vor „Ende“ noch meinte, Frühstück morgen 6.30 Uhr, habe ich noch gelächelt und mir gedacht „Armer Irrer“, aufgrund der Tatsache, dass ich aber seit 5:05 Uhr wach war, kam mir das mttlw. fast späte Frühstück sehr entgegen. Obst und Rührei – nicht mehr und nicht weniger; braucht es auch nicht, herrlich. Vor allem bei der Kulisse; neben einem turnen in Zeitlupe die (Riesen-)Leguane in den Bäumen, vor einem jagt sich eine Bande von jungen „Eichhörnchen“ durch die Wipfel und auf der anderen Seite des Gartens tummeln sich die buntesten Vögel um allerlei Blüten und Früchte. Allzu lange ist aber keine Zeit für großes „Birdwatching“ (bis gestern noch belächelt, heute schon voll im Fieber – „Klassiker“), denn einer der Angestellten hat angeboten, dass er uns mit dem Boot über die grüne Grenze flußaufwärts nach Nicaragua schippern könnte, wenn man das denn wolle. Das Ziel, ein äußerst beliebter Badeplatz bei den Einheimischen. Vorgeschlagen, getan. So tuckern wir wenig später den Rio Carlos entlang, winken gerade mal 3 Leuten während einer (einfachen) 2 Std. Fahrt zu, beobachten diverse Vögel (haha! I’m into it!), wägen die Krokodil-Witze des Kapitäns ab und lassen einfach die optische Vielfalt von Grün wirken. Der „Badeplatz“ der Einheimischen ist dann ein bisschen „naja“, denn nach einer einsamen und mucksmäuschenstiller Fahrt wartet das costa-ricanische „Wochenend-Ramba-Zamba“-Feeling am Ufer auf unser kleines Boot. Zahllose Motocross-Maschine und Buggies droschen über den dunklen Sandstrand des Ufers, Familien mit jeweils min. 10 Personen machten Feuer, grillten, zerhackten Obst, kochten Reis, Boomboxen gaben ihr Bestes und Bier floss in Strömen. Eine Mischung aus Springbreak und Nitro Circus mitten in Costa Ricas nirgendwo – bisschen witzig, bisschen verstörend, bisschen fehl am Platz.

Rein in den Fluss, rüber nach Nicaragua geschwommen, 15 min. am Ufer entlang spaziert, zurück zum Boot treiben lassen – das muss dann auch reichen. Länderpunkt gesichert und jetzt bitte wieder zurück in Ruhe und Natur.

 

Auf dem Rückweg, war es dann wenig überraschend, dass unser Lodge-Angestellter/Kapitän zuuuufäälligerweise noch einen Cousin 12 Grades hat, der wie es der Zufall so will, „Regenwald-Guide“ ist und heute nachmittag noch eine Wanderung durch den Dschungel anbieten würde. Da sind wir aber sowas von dabei; mglw. kann ich ja ein paar Vögel beobachten… (haha.)

Scheinbar hat niemand an der Tour Interesse und es wird eine Privat-Audienz; so mag ich das. In einem fast 2.5 stündigen Spaziergang durch den Regenwald erklärt sich der Guide anschliessend den Mund fusselig und weiß zu nahezu jedem Baum, Blatt, Strauch, Wurzel und Erdloch etwas zu erzählen. Dabei ist es egal, ob es sich um Naturkunde im Allgemeinen, dem Zusammenhang einer Pflanze mit der Geschichte Costa Ricas oder die Verwendung des Gezeigten als Heilpflanze handelt. Er weiß einfach alles. Punkt. Noch viel „schlimmer“, er sieht auch noch alles. Natürlich hat er hier Heimspiel, dennoch bewegen wir uns als „riesige“ Menschen durch ein undurchschaubares Dickicht aus grün, braun und bestenfalls noch grau Tönen und dann mag er doch plötzlich rufen „Oh look, there is a baby-mantis“. Äh, what? Ich muss mich zunächst hinknien und er drückt meine Nase fasst an die Rinde eines Baumstammes – bis ich die kleine Gottesanbeterin entdecke, vergehen aber nochmals gefühlte Minuten. Aber da ist sie ja – braun und ca. 2cm groß/lang – äußerst verwunderlich, dass ich das kleine Ding in der Rinde des Baumes nicht sofort entdeckt habe. Ey jey jey.
Aber auch hier sollte das Highlight erst noch folgen, so ziemlich am Ende der Tour gingen wir an einem Feld von – sagen wir mal optisch erinnernd an – junge Palmen  vorbei und der Guide fragte fast beiläufig ob ich <unverständliches Wort> gerne essen würde? Ich zuckte mit den Achseln. Er deute auf die jungen Palmen. Ich zuckte erneut mit den Achseln. Da hatte ich was angezettelt, er riss die riesige Machete von seinem Gürtel, sprang damit hauend und um sich wütend in die Palm-Pflanzung. Keine 5 min. später hatte ich das Überbleibsels seines Palmen-Feldzugs in den Händen, ein wie mit dem Skalpell geschältes und zerlegtes – jetzt dämmerte es mir auch – Palmherz. Machen wir es kurz, das war ungefähr das Leckerste und Frischeste, was ich seit Langem gegessen hatte – selbiges teilte ich dem Guide direkt mit und beging zeitgleich den nächsten Fehler, da ich ihn für seine Macheten-Skillz lobte. Jetzt gab es kein Halten mehr für ihn, denn mit einer Machete den Regenwald in Essen umzuwandeln, DAS war sein Spezialgebiet. Bäume wurden für Minz-Sirup angestochen, junge Kokosnüsse an der Palme geköpft, Lianen für süßes Wasser durchtrennt und dann der Finishing-Move: das machetenbasierte Schälen!!! einer ganzen Kokosnuss zu einem makellosen weißen Fruchtfleisch-Ball. Unfassbarer Typ. Unfassbarer Nachmittag. 

Ps.: vor lauter Faszination kein einziges Bild gemacht; shame on me…#sorry

 

 

– TEIL 2 folgt demnächst –