COSTA RICA II

– TEIL 2 –

REISEROUTE:
SAN JOSE – VULKAN POAS – BOCA TAPADA – VULKAN ARENAL – MONTEVERDE – MANUEL ANTONIO –
SAN GERADO DE DOTA – TURRIALBA – PUERTO VIEJO – SAN JOSE

Ähnlich wie am Vortag lautet auch das heutige Learning: „Wecker stellen im Dschungel ist absoluter Quatsch“, denn wenn der erste Vogel – ach generell das erste Tierchen – beschließt wach zu sein, geht das Gebrüll, Gepfeife und der „Lärm“ los, bis endlich alle wach sind. Was dann eben auch für die Touristen in ihrer Eco-Lodge gilt. Nach erneut großartigem Frühstück aus allerlei Obst, Säften und Leguane beobachten, geht es dann auch bereits im Frühtau zu…. nee, auf die Straße. Erneut ist das Ziel ein Vulkan, bzw. das Gebiet drum herum.

VULKAN ARENAL

Aufgrund der frühmorgendlichen Abfahrtszeit, der kurzen Reisedistanz und dem Sicherheitsmotto Nummer 1 in Costa Rica („Lass dein Auto bloss NIRGENDS alleine/unbewacht stehen!“), rollen wir um Punkt 9:17 Uhr auf den Parkplatz unseres – laut Reiseplan – nächsten Hotels. Die Dame an der Rezeption kuckt völlig entgeistert und teilt uns betont langsam sprechend mit „Einchecken erst ab 16 Uhr – und Frühstück gibts erst am nächsten Tag“. Nach einer kurzen Diskussion mit samt der Zuhilfenahme von Händen und Füßen ist klar, die Koffer aus dem Auto dürfen hierbleiben, wir aber nicht. Na immerhin. Auf die Frage, ob sich ein Besuch im nahen Städtchen La Fortuna lohnen würde, ist die stumme Antwort das Hochziehen einer Augenbraue – alles klar. Machen wir, dass wir wegkommen.

Die Fahrt beginnt also folgerichtig entgegengesetzt von La Fortuna in Richtung des Vulkans sowie dem nahezu direkt angrenzenden Arenalsee. Üppiges Weideland in dem saftigsten Grün tauscht sich bei der Überquerung des Rio Arenal in dicht geblätterten Regenwald aus. Aus dem Augenwinkel sehe ich etwas am Straßenrand sitzen und mit den kleinen Pfoten eifrig seine Beute bearbeiten, der erste Nasenbär – oder wie die Einheimischen sagen ein „Coati“ – der Reise. Leider klebt mir ein roter LKW an der Stoßstange, so dass abrupt bremsen keine Option ist. Somit kein Foto für mich, aber dafür mehr Frieden für den Coati (sofern dass an einem Straßenrand geht).
Als ich wenige Kilometer später auf dem ersten und offensichtlich einzigen Parkplatz (mit See-Zugang)  halten und zu einem Foto-Spaziergang aufbrechen will, muss ich lernen, dieser Parkplatz ist im wahrsten Sinne Gold wert. Denn ich möge doch bitte 15 US-Dollar pro Stunde fürs Parken bezahlen. Zündschlüssel umgedreht, dankend abgewunken und zurück in Richtung Vulkan ist die Devise.

Hier wählen wir weder den bewachten Wanderparkplatz, noch den Eingang zum Nationalpark, sondern folgen einem Tipp aus dem Internet und fahren „hinauf“ bis zum separaten Parkplatz des „Arenal Observatory Lodge & Spa“ Hotels. Dieser – ebenfalls bewachte – Parkplatz ist zwar auch kein Schnäppchen, schlägt aber nur mit einmalig 12 Dollar zu Buche. Dafür stehe ich aber in mitten von unzähligen Hektar „private land“ des Hotels und kann dort auf insgesamt 8 Trails nach Herzenslust wandern und umher spazieren. Scheinbar ein offensichtlicher Geheimtipp, es gibt nur 3 weitere Autos auf dem Parkplatz. Überflüssig zu erwähnen, dass alle 8 Wege zu einer 4.5 stündigen Riesen-Rundwanderung bei 33° kombiniert wurden, oder?

Kurz vor 16 Uhr dann zurück im Hotel – das Personal an der Rezeption hatte zum Glück mittlerweile gewechselt – ab an den Pool, nichts tun, Aussicht genießen und ein Schirmchen-Drink besiegeln den Tag.

Kurze Anekdote, ohne tiefer ins Detail zu gehen… Alle Hotelanlagen im Arenal-Gebiet werden in gewissen Teilen vom Heißwasser des angrenzenden Vulkan gespeist, so gibt es auch in diesem Hotel einen bzw. zwei eigene Thermal-Pools mit einer Wassertemperatur von kuscheligen 40°. In einem dieser Heißwasserbecken, ist die hoteleigene Poolbar angesiedelt. Meine Lektion des Lebens an diesem Abend, die komplette Happy Hour in einem Becken Marke Kinderbecken-im-Freibad-an-Sommertagen verträgt sich überhaupt nicht mit meinem Kreislauf. (…so schnell konnte ich die Drinks gar nicht hinterher kippen, wie ich innerlich austrocknete). Aber keine Panik, bis zum Abendessen war ich wieder fit, erinnerte nicht mehr an die Wandfarbe und der Puls wieder im Normalbereich. #lessonlearned

 

 

MONTEVERDE

Der nächste Morgen beginnt ähnlich früh wie alle Tage zuvor – diesmal weniger wegen der „natürlichen Geräuschkulisse“ sondern viel mehr aus dem Respekt zur heutigen Fahretappe. Selbige soll – laut Reiseroute, Internet etc. pp. – nämlich über min. 60 Kilometer unbefestigte Straße verlaufen und ziemlich steil nach oben in die Nebelwälder Costa Ricas, genauer gesagt nach Monteverde, führen. But first coffee und schnell ein bisschen Obst, aber da haben wir die Rechnung nicht mit dem Hotel gemacht, die – im direkten Vergleich zu Eco-Lodge – ein unfassbar riesiges Frühstücksbuffet aufgebaut hatten. Und wer bitte, sagt schon bei frischen Banana-Pancakes nein?
Beim Checkout und dem daraus resultierenden Small-Talk, fällt beiläufig zuerst das Fahrtziel „Monteverde“, danach das Kinn des Rezeptionisten auf seinen Tresen. „Das ist die schlimmste Straße aller Zeiten“, „Um gottes willen“ und ähnliche Reise-Motivationen seinerseits folgten postwendend, was schließlich dazu führte, dass er sofort unser Auto inspizieren wollte… Selbiges – ein Hyundai Tucson – stellte ihn dann aber einigermaßen zufrieden und er ließ uns mit noch einigen Achtungs- und Sicherheitstipps vom Hotelparkplatz rollen. Solche Momente heben die Stimmung und machen richtig Lust auf die anstehende Etappe.

Zunächst umrunden wir – auf einer wunderbaren Teerstraße – den riesigen Arenal See; die Kamera diesmal stets griffbereit, falls sich nochmals ein Coati am Straßenrand zeigen würde. Fehlanzeige. Am Westufer machen wir einen ersten (etwas)längeren Halt, um die Aussicht zu genießen und werden direkt mit einem durch das Gras wetzendem Gürteltier belohnt. Ich könnte den kleinen Kerl zwar ewig zusehen, aber da die „schlimmste Straßen seit Erbau aller Straßen“ noch vor uns liegt, fahren wir weiter.
Auf Höhe von Tilaran nochmal getankt – safety first – und dann bogen wir auch schon ab auf das letzte Teilstück; aus einer glatten Teerstraße, wurde ein Teerfleckerlteppich im Straßenformat und lief schließlich in einer Art Forststraße aus. So ging es nun sanft bergan, durch schönstes „Cowboy-Land“ aka unendlichen Weite und Wiesen sowie über einige Mini-Dörfer, Kilometer für Kilometer dem Ziel entgegen. Jetzt mag es ggf. an dem wirklichen Top-LeihSUV gelegen haben, aber außer einem einzigen „Steilstück“ von ca. 100m Länge und einem Gefälle von 18%, sowie einem 20m Begrüßungsschlaglochfeld kurz vor dem Ortsschild Monteverde, aber wo um alles in der Welt, die Straße schlimm, geschweige denn sich das Prädikat „aus der Hölle“ (Volksmund) verdient haben soll, ist mir ein Rätsel. Einzig zählbarer Einwand ist hier, die Straße war staubtrocken, bei Regen und Nässe mag es sich hier dann mglw. doch ganz anders verhalten. Aber sei es drum, „viel“ Aufregung um nichts und herzlich willkommen am Fuß der Nebelwälder.

Wir beziehen sofort unsere nächste Eco-Lodge und werden erneut überrascht. „Sind sie im Besitz von Zahnpasta und Duschgel? Bitte verwenden sie diese nicht, wir sind sehr auf unsere Umwelt bedacht, passende Alternativ-Produkte liegen dafür im Badezimmer bereit“ Wow; so noch nie erlebt, aber eine sofort für sehr gut befundene Idee.

Nach einem ersten kleinen Spaziergang wird klar, Monteverde scheint das „Adventure-Spaß-und-Action-Epizentrum“ von Costa Rica zu sein. Nahezu jeder Laden – und da ist es egal, ob wir von einem Pizza-Stand, einem Souvenir-Laden, dem lokalen Supermarkt oder sonst einem Laden sprechen – bietet irgendwelche Ausflüge oder buchbare Erlebnisse an. Es gibt nichts, was es nicht gibt, ob Jeep-Tour, Jungle Night Walks, längste/schnellste/wildeste Zipline ever, Rafting, Bungee und und und – alles hat seine Heimat in Monteverde. Und das Lustigste: jung und alt sind genau aus diesem Grund hier, denn im nahegelegenen Nebelwald-Nationalpark sind wir beim Wandern kurze Zeit später die Einzigen. Die Parkplätze der „Abenteuer-Zentren“ hingegen sind aber nahezu allesamt überfüllt.

Am Abend erfahren wir dann von unserem Kellner, dass wir unmöglich in Monteverde gewesen sein können, ohne eine Zipline-Tour gemacht zu haben. Er verstehe zwar, dass der Rummel etwas abschrecken mag, aber gibt er zu bedenken, morgen sei ja auch kein Wochenende mehr und auch die Schulferien in Costa Rica zu Ende, Grund genug um es versuchen. Zurück in der Eco-Lodge nutzen wir die restlichen Strom-Minuten für Recherche und entschließen uns: Zipline wir kommen; sogar im Paket mit einer Hängebrücken-Baumwipfel Tour. (…weil hier eine Geh-Komponente inkludiert ist, ist dass nur die Nr. 5 der Top5 Ziplines in Monteverde, denn man muss sich bewegen – pures Tripadvisor-Gold, herrlich). Gebucht, Wetter gecheckt, Strom aus, Gute Nacht.

Am nächsten Tag stellte sich schnell heraus, die getroffene Entscheidung war Gold wert, denn die vermeintliche kleine Zipline-Runde umfasste satte 13 dieser Seilrutschen und dabei war die längste – festhalten – 1,2 km lang. Yes! Nach einer kurzen Einweisung ging es dann auch schon los, Helm und Handschuhe an, eine Hand an die Seilspule und eine Hand auf das Seil – aber nur gaaaanz leicht mit schleifen lassen – und jetzt LOS! Jedem der mir erzählt, er hätte vor den mind. ersten 1-3 „Absprüngen“ von den Plattformen in den Baumwipfeln keinen „Respekt“ oder zu deutsch die Hosen voll, dem sage ich getrost ins Gesicht, dass ich ihm/ihr nicht glaube. Hat man sich aber erst einmal daran gewöhnt und vertraut der ganzen ausgeklügelten Fahr/Rutsch- und Bremssystematik, kann es plötzlich nicht schnell, lang und spektakulär genug sein. Ein wirklich grandioses Abenteuer. Kleinen Exkurs gefällig? Einfach auf PLAY drücken:


Dem Kellner sei dank, wir hätten Zipline’ing tatsächlich beinahe links liegen gelassen. Knappe 3 Stunden später – ja richtig gelesen – so eine Tour hat ordentlich Länge; obendrein besteht unsere Gruppe aus pi mal Daumen 20 Personen, ist der Spaß dann leider schon vorbei. Wir geben alle Utensilien ab, verneinen dankend die diversen käuflichen Schnappschüsse und alle anderen sofort bereitgestellten Souvenirartikel und begeben uns zu den Hängebrücken. Fun Fact, die kleine Nebelwald-Wanderung umfasst ca. 3 km und man passiert 9 Hängebrücken; ratet mal, wieviele Menschen sich das „zumuten“? Richtig, augenscheinlich niemand. Sage und schreibe 5 Personen treffen wir allerdings dann doch auf dieser fantastischen Rundtour. Wann hat man auch sonst schon die Möglichkeit stets auf Höhe der Baumkronen zu spazieren? Geniale Ausblicke, allerlei Vögel und atemberaubende Hängebrücken-Begehungen komplettieren diesen Tag.

Erst kurz vor Ende der Happy-Hour sind wir wieder zurück in der Eco-Lodge, völlig erschlagen von den Eindrücken des Tages genehmigen wir uns noch bis zum Abendessen den ein oder anderen Pisco Sour und dann ist es auch gut für heute.

Morgen verlassen wir die Berge und brechen in Richtung Pazifik und dem Nationalpark Manuel Antonio auf, d.h. Faultiere sowie Badespaß wir kommen.

R.