BUGABOOS BAKERY CAFE

Wer sich übrigens – egal, ob in der Winter- Sommer- oder gar Nebensaison – nach Silver Star Mountain in den Hügeln über dem Okanagan Lake in Bristih Columbia, Kanada verirrt, der darf sich neben exzellenten Skipisten, Bikeparkstrecken und herrlichen Wanderoptionen auf eine Sache ganz besonders freuen, die Backstube von Frank.

Im Jahr 1996 eröffnete Frohnatur und Holland-Direktimport Frank sein Bugaboos Bakery Cafe in der klitzekleinen an eine Spielzeuglandschaft erinnernde Skihochburg. Seitdem wird während der Saison jeden Morgen um 6 Uhr der Ofen angeworfen und die leckersten Sachen gezaubert, die ich jemals auf 1.155 Meereshöhe gegessen habe. Das Cafés selbst öffnet zwar dann erst ab 8 Uhr – Achtung: in der Nebensaison ausschließlich am Wochenende – seine Pforten, aber der Geruch des frischen Gebäcks strömt schon weit davor durch das verschlafene Örtchen.

Vorrangig ist natürlich jedes Jahr der Bikepark-Besuch, was mich nach Silver Star Mountain zurückkehren lässt, dennoch ist die Vorfreude auf die weltweit besten Zimtschnecken ein weiterer Grund am Vorabend schon etwas früher ins Bett zu gehen, da man dann schneller bei der heiß geliebten und meist noch ofenwarmen Leckerei ist.

Punkt 8 Uhr stehe ich vor der Tür des Bugaboo Bakery Cafe, Frank lacht durch die Scheibe, sperrt auf und geht automatisch zu dem riesigen Blech mit Zimtschnecken und sticht mir die Allererste aus der dampfenden Sammlung. Ein bisschen fühle ich mich wie der kleine Michael aus der „Storck Riesen, Frau Lange…“ Werbung, denn die Erste stopfe ich immer noch direkt in mich hinein. Erst danach ordere ich mit noch vollem Mund Kaffee und eine zweite Runde. Frank lacht erneut, schüttelte seinen ergrauten Kopf und versucht mir krampfhaft andere Leckereien aus seiner Vitrine anzudrehen; ich gebe zu, meist vergebens…

Warum ein Holländer backen kann? Die Antwort darauf ist verblüffend und einfach zu gleich. Franks Oma wurde in ihren Mädchentagen von der Familie aus dem südlichen Holland in die – festhalten – Backschule von Dr. Oetker nach Düsseldorf gesandt. Dort lernte Oma kochen, backen und alles was dazu gehört; als Gedankenstütze und Erinnerungsstück gab es damals quasi das erste Dr. Oetker-Koch- und Backbuch mit auf den Heimweg. Da Herr Oetker in der damaligen Zeit nicht nur ein Logo auf einem Tiefkühlpizzakarton war, sondern selbstverständlich der leibhaftige Dozent von Franks Oma, liess sich die alte Dame (unwissend) ihr Rezeptbuch von ihrem damaligen Lehrmeister zum Abschluss noch signieren. Selbiges Rezeptbuch wanderte irgendwann in Franks Hände, seither hütet er es wie ein Kleinod und backt was das Zeug hält – alles nach Originalrezept eines gewissen Dr. Oetkers. Stolz wie Oskar sei er ja schon, allerdings wären Rezepte auf deutsch per se schon eine Herausforderung, da mache es die altdeutsche Schrift nicht wirklich einfacher.

Ich staune nicht schlecht über diese Geschichte sowie das Autogramm des Tiefkühlgottvaters und bestelle direkt einen „German Plum Blechkuchen“ – nicht ohne Frank aufzuklären, dass der eigentlich Zwetschgendatschi heißt; aber wir wollen mal nicht so sein, denn er is meeeegalecker.

Dennoch bleibt: Zimtschnecken for life!
R

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