UNNÜTZ

Im Frühtau zu Berge wir ziehn, fallera… Nicht aber, wenn man auf den guten Postboten wartet, der einem die dringend zur Bergtour benötigte neue (Test-)Hose zu bringen versprach. Und. zwar. am. Vortag. Grrr.

Letztenendes hat dann aber doch alles geklappt und ich konnte meine anvisierte Tour am Achensee zwar verspätet, aber immerhin mit neuer Hose des schwedischen Herstellers Houdini beginnen. Selbige wirkte übrigens im ersten Moment der Anprobe und der darauffolgenden gesamten Fahrzeit rein optisch etwas komisch auf mich. Fühle ich mich aufgrund des tiefsitzenden Schrittes der Swift Pant doch urplötzlich zurück in die Zeiten von MC Hammer versetzt. Mit Spannung erwarte ich das Abschneiden unter realen Bedingungen am Berg.

Zunächst heißt es aber Parkplatzsuche.  Am Besten gelingt das auf Höhe von Achenkirch – um genauer zu sein – bei dem linksseitig der Straße liegenden kleinen Wanderparkplatzes unweit des Hotel Cordial.

Ab dort folgt man zunächst der Forststraße in Richtung Köglalm / Unnütz, bereits nach wenigen Gehminuten macht ein weiterer Wegpfeiler auf einen Steig entlang des Sees hinauf zur Köglalm aufmerksam. Selbigen nehmen wir. Gemütlich geht es durch den Wald, auf einem kleinen Pfad hangseitig nach oben. Verlaufen ist hier trotz der tollen Ausblicke auf den türkisen Achensee nicht möglich. Sobald sich der Wald lichtet und man die Aussicht auf eine Art offene Wiese vor einem erhält, weiß man, die Köglalm ist in Tannenzapfen-Wurfweite. Die Schritte werden schneller, die Erfrischung wartet.

Auf der Köglalm angekommen, stelle ich schnell folgende Dinge fest, die neue Hose ist der absolute Hit und das non plus ultra in Sachen Tragekomfort. Can’t touch this. Desweiteren tut so ein Jausenbrettl als Frühstück- und Mittagsersatz doch sehr gut und lässt genügend Platz für ein Stück hausgemachte Sacher-Torte. Die vorletzte Erkenntnis ist mehr oder minder ein Tipp (ob man „muss“ oder nicht), die Toilette der Köglalm ist ein Besuch wert – darf man sich hierfür doch glatt im Maximal-Abstand von ca. 30 cm durch den Kuhstall an zahlreichen Kuhhinterteilen vorbeizwängen. Wer mich kennt, weiß: für mich eine absolute Herausforderung, da ich trotz des Titels „Draussen-Mensch“ überhaupt nicht gut mit Nähe zu Kühen kann. Dennoch ein großartiges Erlebnis, wenn auch für mich erst danach.
Und zu guter Letzt – heilige Scheiße – es ist Mitte/Ende Juli und ich trage lange Hosen, eine Fleece-Weste und Mütze; warm ist mir trotzdem nicht. Hier ist wettertechnisch noch einiges an Luft nach oben. Apropos, wie sagt der Volksmund? Wer rastet der rostet. Weiter gehts.

Hinter der Köglalm bleibt man für ca. 2 min. auf der Forstraße, nur um diese dann in einer rechts-links Kombination – dem Unnütz Wegweiser folgenden – auf einen kleinen Steig/Pfad, hangaufwärts zu verlassen. Ab jetzt wird es steiler, die Tritte werden höher und der Boden zunehmend felsiger. Ich muss grinsen, hohe Stufen sind beim Bergsteigen ein stetiges kräftezerrendes Ärgernis, obendrein gerät man hier meist schnell an das Ende der Flexibilität seiner Hose und das zusätzliche Spannen und Ziehen nervt. Meine Houdini-Pant lacht über Tritt- und Stufenhöhe nur. Bewegungsfreiheit in Reinkultur.

Trotz des anstrengenden und scheinbar nicht enden wollenden Aufstieges, lohnt es, sich immer wieder umzublicken und einen Blick in die Tiefe auf die Schönheit des Achensees zu riskieren. Mehr ist allerdings hier und heute beim Aufstieg nicht zu sehen, Wolken dominieren das Himmelszelt und verwehren einem weitere Gipfel Tirols und des Rofangebirges.

Die aus dem Wald fließend übergehende Latschenkiefer-Vegetation verschwindet und gibt einem den Blick auf einen letzten Grashügel frei, in Highlander-Manier wird nochmal ein bisschen an der Aufstiegsgeschwindigkeit gedreht. Wie dass aber in den Bergen gerne mal so ist, bietet sich folgendes zu erwartendes Schauspiel. Hinter Grashügel eins, wartet ein ungleich höherer Grashügel zwei auf einen – dieser allerdings ist mit einem hölzernen Gipfelkreuz versehen. Also Ednspurt.

Schwitzend und pumpend, plupse ich auf die Bank unter dem Gipfelkreuz und denke mir, soso dir hat man also den Namen Unnütz, oder Unnutz oder für Leute die es genau nehmen, Vorderunnütz gegeben, dabei ist dieser Gipfel alles nur nicht unnütz. Wenn es nach mir ginge, müsste der Gipfel den viel passenderen Namen Herrlich tragen. Und es ist als ob Petrus diesen Gedankengang mitbekommen hätte, lässt er doch die Sonne durch die Wolken blinzeln und schafft somit nebst Gipfelglück sogar ein wenig Panorama-Weitblick.

Vor lauter Freude, kippe ich mir direkt erstmal die halbe Kanne Tee (!!! Mitte Juli!!!) über meine Hose, fluche und feiere kaum 2 min. später die Schnelltrockenfunktion der Hose. Die ziehe ich nie wieder aus. Schnell noch nen Eintrag ins Gipfelbuch und dann ist es auch gut, denn der Wind hier oben, erinnert noch weniger an Sommer, als meine Ausrüstung an sich.

Der Abstieg erfolgt über die gleiche Route wie schon der Aufstieg. Als besonderer Hinweis ist hier aufzuführen, nachdem man die Köglalm (und seine Toilette) hinter sich gelassen hat, gilt es eisern dem Schild Achenkirch zu folgen. Ansonsten endet man am Ufer des Achensees und muss nach dieser doch anstrengenden und ermüdenden 5-6 Std. Tour noch Teer platttreten, um zurück zu seinem Auto zu kommen.

Wer sich übrigens für eine Überschreitung der Unnütze (es gibt insgesamt 3) entschließt – dies geht kurz unterhalb des Gipfelkreuzes – sollte reichlich Zeit, gute bis beste Kondition mitbringen und absolut schwindelfrei sein. Anfängern oder Eltern mit Kindern, kann ich von dieser Tour-Erweiterung nur schwer abraten. 

Mittlerweile steht das Wetter in keinem Vergleich mehr zum mittäglichen Aufstieg, ich kann mich temperaturtechnisch sogar von meiner Fleece-Jacke trennen. Die Hose bleibt wie bereits erwähnt auf ewig an; ich hätte nicht gedacht, dass mich eine – für mich überraschend – unbekannte Marke wie Houdini so begeistern kann. In all ihrer Schlichtheit, ist die Swift Pant dennoch so durchdacht, designet und konzipiert, dass sie einfach perfekt arbeitet. Um die Lobeshymne evtl. ein wenig einzudämmen muss ich aber gestehen, mglw. habe ich die Hose auch etwas unterfordert, zuhause ist sie nämlich eigentlich an den Beinen von Kletter- und Boulderverrückten. Daher auch diese wirklich extreme Beinfreiheit und Funktionalität; selbige hilft mir übrigens auch einfach nach einem Arbeitstag auf der Couch. Richtig gelesen, die Hose geht seitdem immer.

Es bleibt ein Fazit für den Tag zu ziehen, der Unnütz ist seines Namens unwürdig, der Sommer ist bis dato keiner, eine Kuh in klein (siehe Bilder) zählt nicht als richtige Kuh sowie Houdini und Hose passt nicht, denn aus der verschwinde ich nicht so schnell.

STOP HAMMERTIME.
R

 

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