HELI BIKEN

Wahrscheinlich wird es den meisten beim Lesen der Überschrift ähnlich ergangen sein, wie den Leuten, denen ich im Vorfeld davon berichtet habe, jeder starrte mich an wie ein Auto.

Und ja, es gibt Anbieter, die fliegen einen nicht nur mit den Skiern im Winter auf den Berg, es gibt selbiges Angebot auch im Sommer für Mountainbiker. Gehört und gelesen hatte ich bereits unzählige Male davon, dann war letzten Herbst klar, während meines Kanada-Trips muss solch ein Ausnahme-Erlebnis auch her. Dort wollte ich in Revelstoke zusammen mit Wandering Wheels (sehr zu empfehlen!) solch ein Abenteuer wagen, der technische Zustand meines Bikes machte dem Ganzen aber leider einen Strich durch die Rechnung. Als ich dann nach meiner Rückkehr durch Zufall davon erfuhr, dass es selbiges Angebot auch bei uns „um die Ecke“ in Italien geben würde, habe ich nicht lang gefackelt und weit im Vorfeld gebucht.

Seitdem Jahreswechsel machte mir dann ja wie hier im Blog mehrfach berichtet meine Schulter extremst zu schaffen, dennoch war für mich klar: „…und wenn es das Letzte ist, den Heli-Trip ziehe ich durch…“ Gesagt, getan – mit einer einzigen Testfahrt (ob die Schulter hält) auf den Isartrails im petto, ging es dann vor kurzem gen Süden. 4 Tage Bike-Action mit reichlich Tiefenmetern und einem gemischten Programm aus Shuttle- und Heli-Beförderungen standen auf dem Programm.

Vor Ort traf ich mich mit Freunden die sich mttlw. über ganz Deutschland verteilen und somit ergab unsere Truppe eine gelungene Mischung aus München, Hamburg, Berlin, Köln und Düsseldorf. Hier war Spaß schon mal vorprogrammiert.

Zum Auftakt standen erste Shuttle-Fahrten zu den besten/bekanntesten Trails des Reviers auf dem Programm, zu unserer Überraschung trafen wir 5 auf weit über 30 Biker am Abholpunkt, die alle das gleiche Paket gebucht hatten wie wir…
„Haha, stell dir mal vor, wenn die alle 40 Biker jetzt den gleichen Trail runterjagen würden“ – dieser Witz wurde 40 min. Shuttle-Fahrt später zur Realität. Ungeachtet irgendwelcher Könnerstufen, der mitgebrachten Bikes und der zu erwartetenden Staus, wurden in insgesamt 3 Fahrten Enduro-Biker, Downhiller, Männer und Frauen über die heimischen Trails „getrieben“. Für die Schnellsten frustrierend, da sie ständig langen Wartezeiten ausgesetzt waren, für die Langsamen ebenso unbefriedigend, weil der Druck auf sie konstant wuchs. Von flüssigem Fahrgefühl ganz zu schweigen, da man hinter nahezu jeder Kurve eigentlich in das Stauende einer Schlüsselstelle fuhr und nur knapp einem Crash entging. Der Spaß, die Organisation und die Umsetzung war allenfalls mit „medium“  zu bezeichnen. Für die Trails selbst, den aufgrund des miserablen Wetters durchnässten Untergrund und ähnlich unabänderlichen Dingen kann niemand etwas, aber warum fährt man die Trails z.B. nicht in kleineren Gruppen im Wechsel?

Um der Lernkurve keinen sichtbaren Ausschlag zu verleihen, verfuhr man auf Organisationsseite an den Folgetagen genauso wie am ersten. Einzig den Bergauf-Enthusiasten (die sich deutlich in der Unterzahl befanden) wurde eine Alternative in Form einer Uphill- Tour angeboten, nun ja. Der Rest trieb sich auf den zumeist von den Vortagen bereits bekannten Trails herum. Unser Learning bestand daraus, stehts als Letzte zu starten und zwar mit einem Abstand von ca. 5 min. – so hatte man wenigsten die halbe Trailstrecke für sich und ein wenig vom Erlebnis „Fahrgefühl“ (bevor man um Haaresbreite in die Schlußlichter aus der „mittelschnellen“ Gruppe donnerte). Somit hatten wir zumindest etwas mehr Grinsen im Gesicht als am Vortag; apropo Grinsen, die Zahl der sturzbedingten Ausfälle war mttlw. auf 4 Fahrer angestiegen – nicht lustig, aber unserer Meinung nach eine deutliche Sprache, über den Sinn/Unsinn einer „nicht nach Fahrkönnen sortierten Trail-Befahrung“.

Hubschrauber-Tag, die Aufregung war früh morgens – Start war bereits um 6.30 Uhr – in allen Gesichtern zu erkennen. Als wir nach ca. 1 Std. Fahrt hoch oben in Eis und Schnee mit dem Shuttle feststeckten, wurden die Gesichter meist noch fahler und verwunderter „Wie hoch wollen wir denn noch? Und wo bringt uns der Heli denn dann hin?“ Entwarnung für alle Flachländer und Stadtkinder, wir wurden nur in ein Seitental gebracht, von dort sollte es dann losgehen.

Kaum angekommen hieß es bereits, der Hubschrauber kommt in ca. 15 min., jeder nochmal kurz austreten, Bikes verladen und dann gehts los. Typisch deutsch warteten wir auf eine Art „Einweisung“ oder Instruktionen zum Thema „Heli biken“. Vergeblich. Gut, kein Problem, hatten wir als Actionsportvideoendkonsumenten über Jahre genug Erfahrung vom stundenlangen Beobachten der Pro’s die über den heimischen Bildschirm flimmerten, gesammelt.
Daher war klar: Hubschrauber landet, heißt in die Knie gehen, dann geduckt auf das Fluggerät zulaufen, zügig ein- bzw. abladen und beim Aussteigen eben alles umgekehrt. 

Und schon ertönte der Lärm unseres Shuttles der Extraklasse; Sicherheitsabstand bei der Landung? Drauf geschissen, 10 m sind mehr als genug; aha naja gut, die werden dass ja nicht zum ersten Mal machen. Rein ins fliegende Spaßmobil und hinauf ging es auf einen namenlosen bzw. nicht weiter kommunizierten Berg. Aussteigen, in die Knie gehen und sich nicht bewegen, denn bei einer Hanglandung kommt der Rotor dem naturgemäß geneigten Bergverlauf gefährlich nah. Was übrigens zwei Personen aus dem Rheinland fast den Kopf gekostet hätte; jetzt kann man sagen – ohne diese näher zu kennen – dass die beiden evtl. im Mitdenken nicht die Stärksten waren, eine Einweisung mit dem Gebot „Aussteigen und hinsetzen“ selbiges Handeln dennoch mit Sicherheit verhindert hätte.

O-Ton der Guides „Was solls, ist ja nochmal gut gegangen!“ (wie knapp das Ganze allerdings wirklich war, blieb erfolgreich ausgeblendet).

Nach einigem Hin- und Herfliegen des Heli waren alle Teilnehmer am Berg und wir konnten endlich ALLE starten. Richtig, wir fuhren erneut wie die Ameisen in einer ca. 40 Personen starken Gruppe talwärts. Kurz vor Abfahrt kam dann doch nochmal ein Guide zu Wort „…hier ist außer mir beim Testride noch nie jemand gefahren, also habt Spaß…“, dieser Spaß äußerste sich darin, dass alle mit vollem Schub dahin brachen, jede Kurve mit blockierenden Reifen im Volldrift oder gar noch besser im Scandinavian Flick lösten. Kurzum, uns – die sich wieder als letzte Startergruppe – einsortiert hatten, bot sich ein verheerendes Bild; der bis dato nur von einer Person befahrene Trampel-/Schafspfad sah aus, als hätte man einen Leopard-2-Panzer den Berg hinunter gejagt.

Jetzt muss man dazu sagen, niemandem von uns ist die Umwelt und Natur egal – auch wenn wir bestimmt weit weg von militanten und konsequenten Umweltschützern sind – aber hier wurde uns dann doch etwas flau im Magen. Nicht dass wir zunächst eine recht sinnvolle oder schonende Methode gewählt hatten, um überhaupt hierauf zu kommen, aber die Schneise der Verwüstung war einfach alles andere als ansehnlich und man würde jegliche Diskussion über „Mountainbike vs. Naturschutz“ schon im Keim ersticken müssen. Bevor wir auch nur die ersten 100 Tiefenmeter überwunden hatten, war uns allen bereits die Lust vergangen – das war anders geplant gewesen.

Der Trail selbst wurde im unteren Verlauf, dann wenigstens zu einem etwas breiteren Wanderweg und man bügelte nicht mehr durch die blanke unberührte Natur. Richtiger Fahrspaß geschweige denn Trailflow mochte dennoch nicht aufkommen, denn eine 180° Spitzkehre reihte sich an die Nächste. Einige Blicke ins Tal und auf die gegenüberliegende Berghänge waren dennoch großartig, ebenso das Gefühl (wenn man nur lang genug wartete) wirklich allein hier draussen zu sein. Ansonsten waren wir allesamt dennoch reichlich enttäuscht von diesem Tag; denn auch der nächste Flug auf den gegenüberliegenden Berg brachte wenig Lächeln und Fahrspaß mit sich. Einzig der Hubschrauber-Pilot war der Knaller, da dieser beim zweiten Flug für jedes Grüppchen einen Extra-Stunt mit einbaute, bei unserem Flug bedeutete dies, den Heli einfach mal – ohne jeglicher Art von Vorwarnung – nach links im 90° Winkel wegklappen zu lassen. Jubelschreie und sich festkrampfende Hände waren die Belohnung für den Piloten.

DARAN werden wir uns sicher ewig erinnern, den Rest kann man eher unter „einmal und nie wieder“ abhaken. Ich wurde danach oft gefragt, aber wie hast du es dir denn im Vorfeld vorgestellt, wenn es jetzt so gar nicht mehr deins war? Eine sehr gute Frage, ich kann nicht sagen, was ich erwartet hatte, aber hier stimmte für mich einfach wenig. Von Grund auf wurden wir alle irgendwie mit dem Ganzen (Organisation, Umgang etc.) nicht so wirklich warm und dann kam auch noch das wenig berauschende „Umwelt-Erlebnis“ des Hubschrauber-Tages hinzu.

Insgesamt hatten wir zwar Spaß, was glaube ich auch einfach an unserer mehr als homogenen 5er Truppe lag, dennoch hatte irgendwie alles einen faden Beigeschmack.

Daher mein ganz persönliches Fazit:

Lasst das einfach mit dem Heli Biken, spart euer Geld für einen Hubschrauber-Rundflug und geniesst das geile Gefühl des Fliegens; euer Bike kann da ruhig mal im Tal bleiben. Ich für meinen Teil bin auch von Gruppenreisen wieder mehr als therapiert, aber dass soll jeder für sich selbst entscheiden. Und vielleicht ist es möglich einfach etwas nachhaltiger in der freien Natur zu biken, dass wir Mountainbiker Spuren hinterlassen ist unbestritten, aber auch diese Spuren kann man auf ein Minimum reduzieren – mit vollgezogener Hinterradbremse im Volldrift durch die Kurve zu schlingern ist unbestritten einfach der Hit, aber macht das doch im Bikepark (und lasst euch selbst dort nicht dabei erwischen)!

Try to ride (more) responsible!
R.


Ps: Wer sich wundert, warum es diesmal nahezu keine Verlinkungen, keine näheren Beschreibungen, Ort- oder Trailnamen gibt, dem sei gesagt, ich möchte hier niemanden in die Pfanne hauen oder gar schaden, ich schildere einfach persönlich Erlebt- und Empfundenes. 

 

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