VENEDIG

Als ich die Augen öffne, ist es noch relativ früh am Morgen, dennoch habe ich für Erkältungsverhältnisse äußerst gut geschlafen. Ab zum leckeren und sehr reichlichen Frühstücksbuffet, danach im Seebad Hotel ausgecheckt und rein ins feuerrote Spielmobil.

Das Wetter zeigt sich von einer etwas mauen Seite, ein weißlich grauer Himmel und milchig verschwommene Landschaftskonturen lassen auf wenig Wow-Panoramen während der Fahrt hoffen. Eins vorweg, das Wetter sollte so auch den ganzen Tag bleiben – kann man nix machen.

Die Fahrt von Klagenfurt nach Venedig ist erstaunlich kurz, zunächst quert man noch die letzten Gebirgszüge, um dann schon im flachen Land, durch landwirtschaftliche Äcker und grüne Wiesen auf Udine in Italien zuzurollen. Von dort ist es ein wahrer Katzensprung bis zur Rampa Tronchetto die idealerweise direkt im Parkhaus vor den Toren Venedigs endet. Hier bleibt das Auto während des Aufenthalts stehen, denn Venedig ist bekanntermassen ja mehr Wasser als Baumasse, geschweige denn Straßen. (Zum Glück packe ich alle benötigten Utensilien in meinen Rucksack und lasse die schwere Tasche im Auto – beste Entscheidung bis dato).

Vom Parkhaus geht es auf „Sealevel 0“ mit der Metro (wohl gemerkt ist das hier ein Schiff) 5 Stationen weit in Richtung Innenstadt. Mit mir an Board, Horden von Touristen – klar, die müssen ja alle aus dem Parkhaus raus. An meiner Station angekommen, steige ich aus und stehe in…Horden von Touristen. Ein Blick auf die Karte und ich stelle fest, ich muss bis zu meinem Hotel noch ca. 10 min zu Fuß gehen; in Mitten von Menschenmassen! Ich komme – vorsichtig ausgedrückt – medium gelaunt, aber dennoch tief beeindruckt von den ersten Momenten in Venedig, in meinem Hotel an, dem Pesaro Palace. Zu meiner Überraschung kann ich bereits mein Zimmer beziehen und werde in der 9 Quadratmeter Hommage an den Sonnenkönig mein Gepäck los. Herrlich, ich schlafe in der Besenkammer von Versailles.

Ich beschließe erneut die „Rezeptions-Befragung“ zu Rate zu ziehen, als ich den jungen Mann hinter dem Tresen frage, was ich denn hier außer den Touristen-Highlights machen  bzw. wie ich den Menschenmengen ausweichen könnte; bricht er in schallendes Lachen aus. Das habe er so ja noch nie gehört, seine Antwort fällt danach kryptisch und simple gleichermassen aus. „Den Touristen auszuweichen sei so gut wie unmöglich dennoch aber ein Leichtes“ lautet seine Aussage. Ich solle mich einfach treiben lassen, immer in die Straßen abbiegen, in die keiner geht oder aus der keiner kommt, verlaufen könne man sich nicht wirklich; man sei ja schließlich auf einer Insel. Leuchtet ein und sich ohne Ziel durch die Tiefen und Untiefen einer fremden Stadt treiben lassen? Das habe ich quasi erfunden. Zuvor, ruft er mir zu, solle ich mich aber beeilen und mit der nahegelegenen Metro-Linie 12 nach Burano fahren, dort wäre zumeist wenig(er) los und er garantiert mir, dass ich es lieben werde.

Ich tat wie mir befohlen, eilte zum Schiffsanlegeplatz, sprang auf die Nummer 12 und fuhr ca. 40 min auf die farbenfroheste Insel aller Zeiten. Hier möchte ich nun kommentarlos in eine Bildergalerie abgeben, die hffntl. die Schönheit dieser 21 Hektar „grossen“ Insel vermittelt.

 

Kaum zurück aus der Welt, aus der sich die Produktmanager von Faber-Castell ihre Inspirationen holen, beginne ich den zweiten Tipp des Rezeptzionisten zu befolgen, ich laufe im wilden ZickZack durch die Gassen und Gässchen von Venedig. Und Tatsache, ich treffe zum Teil 10 Minutenlang am Stück auf keine Menschenseele und entdeckt die stille und leise Seite der „schwimmenden“ Stadt. Kreuzt man allerdings dann eine der Touristenrouten, Ostermarkt-Zonen oder steht gar urplötzlich auf dem Markusplatz, trifft einen schier der Schlag.
Anscheinend muss ich aber etwas zurück rudern, denn laut einigen aufgeschnappten deutschen Wortfetzen, haben es eine Handvoll Wiederholungstouristen noch nie „so leer“ wie in diesem Jahr in Venedig erlebt. Aha. Dann will ich nicht wissen, wie das hier in voll aussieht. Ist aber letztendlich auch egal, denn der beste Mann, steht hinter dem Empfangstresen des Pesaro Palace Hotels; selten hatte jemand mit all seinen Tipps so dermaßen recht, wie dieser Junge. Ein aufrichtiges Dankeschön an dieser Stelle.

Es folgt ein Traum aus venezianischen Winkeln, aberhunderten Kanälen und touristischen Einblicken:

Meine Beine werden schwer, da ich mttlw. Venedig 3x rauf und 3x runter gelaufen bin – ich kann aber einfach nicht genug kriegen. Ich frage mich langsam, warum ich einen Besuch so lange vor mir hergeschoben habe? Eine Antwort auf diese Frage weiß ich allerdings nicht; eins ist jedoch sicher: hier komme ich ab jetzt definitiv öfter her.

Selbiges kann ich auch nur jedem empfehlen, der hier noch nicht war – JETZT ABER FIX.

Für heute reichts; morgen Meer!
R

2 Gedanken zu “VENEDIG

  1. Manchmal muss man einfach den Hut ziehen vor deinen Out of the Box Aktionen. Nachdem man eher einen eremitischen Inuit am Timesquare vermutet als dich an solchen Touristen Magneten. Muss man feststellen das die „dem geb ich mal eine Chance“ Einstellungen uns allen öfter gut tun würde (mir inkl.). Venedig ist da für mich persönlich das beste Beispiel, man zig Dokus gesehen und war ja quasi „schon da“. Warum sich diesen Touri Zirkus antun!? – weil frei nach Opus Live is life!

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