A USED DAY (ALMOST)

Der 4. September 2015 hat erst mit den frühen Abend- bzw. späten Nachmittagsstunden gerade nochmal so die Kurve bekommen, davor hätte er gute Chancen auf eine Top10 Platzierung im Bääääh-Ranking des Jahres gehabt. Es folgt ein Ablauf im Zeitraffer:

4:03 Uhr: Hurra, der Jetlag ist zurück. Ich bin hellwach; nun muss ich mir nur die nächsten 3:57 Std. – die Zeit bis zum Frühstück – mit Hörbüchern, Handy-Spielen und wahllosen Filmdownloads bei iTunes um die Ohren schlagen. Laune: geht so…

8 Uhr: Endlich Frühstück. Special-of-the-day: Omelett mit Schinken und Käse. Laune: steigt!

8:07 Uhr: Moment mal, was blendet mich denn da? Ja verreck, es scheint die Sonne. Der Nebel ist weg, der Regen hat aufgehört und die Sonne fügt sich zu einem herrlichen Bob-Ross-Gedächtnisbild in die Berglandschaft mit dem blauen Himmel ein. Laune: Top!

9:10 Uhr: Bisschen rumgetrödelt, jetzt aber schnell anziehen. Bikeklamotten an, Schoner an, Rückenpanz… Ich muss mich setzen. Der Rückenpanzer ist an 3 Stellen gebrochen! Man darf dieses „was-wäre-wenn“-Gedankenspiel zum gestrigen Jump-Trail-Crash unmöglich fortsetzen; dennoch tut man (ich) es instinktiv. Plötzlich hab ich sogar keine Lust mehr zu fahren. Nun ja, A-Line ist definitiv gestrichen. Laune: „mixed feelings“

10:15 Uhr: Plötzlich hatte ich es gar nicht mehr eilig, rollte schließlich aber dann doch im Village an die Gondel. Und siehe da, einfache Regel: Regen & Schnee = wenig Leute im Park, Sonne & trocken = Menschenmassen! Aber im vordrängeln sind wir Deutschen ja Weltmeister, der Kanadier ist hier eher wie der Amerikaner oder Engländer gestrickt, anstehen ist deren Hobby – meins nicht! Laune: ich will (doch) fahren!

10:40 Uhr: Blue Velvet – gestern dabei noch fast erfroren, heute zum warmfahren. Laune: grinsen.

11 Uhr: Gondel – wieder hoch. Laune: Atemlos (nicht Helene-Style!)

11: 25 Uhr: Dann packen wir doch mal ne Schippe drauf, ein Whistler-Klassiker namens Original Sin soll es sein. Laune: motiviert.

11:35 Uhr: Ah, deswegen ist der Trail also schwarz markiert… (Anm. d. R.: Rating der Trails verläuft ähnlich dem Skipisten-Prinzip). Vor mir liegt eine ca. 3,5m hohe bzw. tiefe Felsabfahrt, die nahezu senkrecht verläuft und ungefähr 1m über dem Boden mit Negativ-Überhang endet. Was man da tun soll? Gute Frage. Durchrollen? Reinrollen und am Überhang wegspringen? Direkt alles von oben springen? Version 2 wird versucht… Sagen wir es mal so, schön ist anders und funktioniert hat es auch nur halbwegs. Laune: unbeschadet und angespannt.

11:38 Uhr: Verdammte Axt! Der in der Trailbeschreibung beschriebene Suuuper-Step-Up, ist überhaupt nicht super. Man muss sich das wie in einem schlechten Comic vorstellen: Ich sitze auf dem Bike und schieße auf den Absprung zu (Step-Up heißt: ich muss von unten nach oben springen) und springe ab…zu kurz….viel zu kurz….und zerschelle herllichst an der Kante des zu überwindenden Felsblockes. Mir persönlich gehts wunderbar, mein Hinterrad allerdings hat den Krieg verloren. Unzählige Speichen sind gebrochen und stehen aus der Felge heraus wie Salzstangen aus einem Mettigel. Laune: GRMPF.

13 Uhr irgendwas: Bike-ins-Tal-tragen-und-dabei-lauthals-fluchen-Marsch beendet. Laune: irgendwo zwischen Arsch und Vorhölle.

13:15 – 14 Uhr: „Execuse me, my bike needs a service – do you fix broken spokes?“ War mein Sätzchen, dass ich in jedem Bike-Shop von Whistler mantra-artig immer und immer wieder aufgesagt habe. Das Olmypia-Disneyland besitzt von diesen Zweirad-Läden ungefähr 20+!!!  Dennoch gab es exakt zwei Sorten von Antworten: 1) nope, sorry, but you can buy a whole new wheel und Nr. 2) of course, the next service slot is at monday 10 a.m. Laune: am Boden zerstört.

14:01 Uhr: Ich betrete den Evolution Bike Shop, schildere mein Problem und bekomme plötzlich aus heiterem Himmel Version 3 einer Antwort-Option präsentiert: er hätte nicht die exakt passenden Speichen, aber er könnte das in einem Work-around lösen, das hält dann schon – er könne mir aber nicht versprechen, ob das eine Lifetime-Gurantee-Lösung wäre. Lifetime? Egal Mann, solange ich heute, morgen und die nächsten Tage wieder fahren kann, ist das DIE Lösung. Er bremste meinen Enthusiamus aber direkt mit den Worten: also er könne sich vorstellen, dass seine Lösung klappt, versprechen möchte er aber nichts. Ich solle die Daumen drücken und in 2 Stunden wieder kommen. Laune: genervt-hoffnungsvoll-genervt

14:10 Uhr: Mir reichts, ich kaufe jetzt Bier und Schokolade. Ja richtig gelesen. Okay, ich bin dann vorm Regal doch eingeknickt, die Sache mit dem Bier ist einfach nicht mein Ding – den Riesen-Brownie hab ich aber sowas von inhaliert. Laune: HOFFNUNG

16 Uhr: Operation beendet, Patient wieder hergestellt – vor Freude habe ich direkt eine Runde Starbucks-Kaffee für den ganzen Laden (naja 3 Mitarbeiter) geschmissen. Und 20$ Arbeitsaufwand inklusive Materialkosten sind wirklich mehr als fair – gerade wenn man bedenkt, was sonst oft ein einfaches „Hallo“ im kanadischen Bärendorf kostet. Laune: es geht bergauf

16:10 Uhr: Zurück am Lift, die Riesenschlange an der Gondel kann mich mal, fahre ich eben Sessellift. Bike eingeladen, Platz genommen, Aussicht genossen und dann fast einen Anfall bekommen – dass darf doch nicht war sein: Regen. Es ist zum heulen, heute geht wirklich alles schief. Naja, wenigstens bin ich bis oben wieder klitschnass, das fühlt sich dank der letzten Tage auch vertrauter an, als dieses „trockene-Klamotten-Ding“. Laune: fuckuall.

16:45 Uhr: Wooohoooo, aber sowas von (mit Wut im Bauch) durch Crank-it-up geflogen. Ergebnis: das Bike hält und ich hab wieder Bock auf ballern. Laune: woohoooo

17:30 Uhr: Sodala, Abbruch, mir reicht es definitiv – jetzt bin ich auf Smoke & Mirrors auf einem Holzelement ausgerutscht – pffff, von wegen kanadisches Holz rutscht nicht; wer diesen Blödsinn wohl in die Welt der MTB-Mythen gesetzt hat? – und mit der rechten Schulter direkt in einen Baum geknallt. Nix wildes, aber eben das Tüpfelchen auf dem i des Fre-i-tags. Laune: unterirdisch

17:32 Uhr: Ich rolle grummlig hoch5 aus dem besagten Trail und will lediglich noch die Family Cross Strecke nach unten rollen, doch was sehen meine mttlw. wieder sehr müden Augen? Eine Bärenmutter und ihr Kleines, keine 10m neben mir im Gras. Perfekt, so lasse ich mir eine Versöhnung mit dem Tag doch schmecken. Schnell ein paar obligatorische Bären-Selfies gemacht, die beiden einige Minuten beobachtet und mich dann getrollt, um sie nicht zu nerven. Laune: bestens.

Heute sprach wirklich einiges gegen mich, mein Material, mein Nervenkostüm und selbst das Wetter hat sich einen Super-Gag mit mir erlaubt – aber das Fazit ist wie so oft im Leben: ein Bär entschädigt für viel…

Jetzt ist Ruhe und morgen ist ein neuer Tag – evtl. mal runter vom Gas, damit sich das alte Wrack von Körper im Trockendock etwas erholen kann. Obendrein ist am Samstag wahrscheinlich eh die Hölle los.

Back im ALLRIDE Modus
R

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