CALGARY

Endlich. Endlich wieder zurück. Zurück in Kanada. Das jährliche Warten hat – wieder einmal –  ein Ende. Zur Überraschung aller, startet die diesjährige Reise nicht im heißgeliebten British Columbia, sondern in seinem Nachbarstaat Alberta, genauer gesagt in Calgary.

 

Nach nur 9 Stunden Flug – Vorteil Calgary im Gegensatz zu Vancouver – steige ich einigermaßen gerädert aus dem Flugzeug. Schnell zu Alamo und den im Vorfeld reservierten Mietwagen – ein Ford Edge – abgeholt und in nur 15 min. an den Calgary Tower gedüst. Mehr Downtown geht nicht; und genau gegenüber befindet sich unser Hotel für die ersten Nächte. Das Le Germain erwies sich schnell, nicht nur wegen seiner zentralen Lage, zu einem außerordentlichen Glückstreffer, lag ich doch glaube ich noch niemals in einem besseren Bett und habe selten auf Übersee-Seite ein so herrliches Frühstücksbuffet genossen. Absolute Empfehlung.

Apropos Empfehlung, meine übliche Vorgehensweise (Anm. d. PJ.: den Rezeptionisten fragen, wo er heute Abend essen gehen würde) funktionierte anscheinend auch hier wieder wunderbar, er empfahl uns zunächst mit einem kleinen Stadtspaziergang zu starten und dann ins Earl’s oder ins Cactus zu gehen. Gesagt getan. Die Fußgängerzone aka Stephen Avenue lag keine 10 Schritte entfernt, so bummelten wir durch die Stadt, statteten dem größten Cowboy-Stiefel Laden der Stadt (der Welt?) einen Besuch ab und ließen uns dem Sonnenuntergang entgegen treiben. Kurz darauf begannen Hunger und Jetlag an einem zu nagen, also los: Essen fassen. Ab jetzt wurde es etwas „anstrengend“. Ich bin ja generell ein großer Fan des nordamerikanischen „Wait to be seated“ Prinzips, aber im Earl’s durften wir uns anhören, dass aktuell die Tische abgeräumt werden müssten, d.h. es sei mit ca. 20-30 Minuten Wartezeit zu rechnen. Äh what? Zum einen waren die Hälfte der Tisch frei und auf Sage und Schreibe zwei Tischen standen geschätzte 4 leere Biergläser. Sogar ICH räume die schneller ab. So kommen wir nicht ins Geschäft; weiter zum Cactus. Dort hat das „Wait to be seated“-Empfangsgirl ein riesiges Headset auf dem Kopf, ist unfassbar wichtig und hatte offensichtlich obendrein gestern ihren 12ten Geburtstag. Sie freue sich aber riesig, dass wir da seien, und natürlich habe sie einen super Tisch für uns… Jawohl, so mag ich das…. in ca. 60-70 Minuten. Äh was? Ein Blick durch das Lokal lässt ca. 10 leere Tische erkennen; und aber auch eine Warteschlange von ca. 10-12 Leuten, die hinter einer Absperrung lauern wie Usian Bolt auf den Startschuß. Ich komme mir irgendwie vor wie Max und Caroline aus 2BrokeGirls, als sie Martha Stewart besuchen wollen… Wir gehen.

Im Restaurant der BigRock Brewing CompanyThe Guild – finden wir problemlos nicht nur Platz, sondern auch eine nette Kellnerin, sowie hervorragendes Essen und noch bessere Getränke. Endlich sind die beiden B’s wieder in Würde vereint. Bier und Burger.

 

Nach einer ersten Nacht mit überraschend viel Schlaf sind wir zwar um 7.30 Uhr die ersten am Frühstücksbuffet – dafür aber einigermaßen fit. Im Anschluss geht es den angeblichen Highlights von Calgary an den Kragen. Zunächst schlagen wir im Olympic Park – ca. 20 Autominuten außerhalb von Downtown – auf. Machen wir es kurz, was eine Enttäuschung. Okay, es wird eine „Scenic Sesselliftfahrt“, eine Art Sommerrodelbahn und die Mitfahrt in einem Bob durch den olympischen Eiskanal angeboten; ebenso könnte ich mich im legendären Cool-Runnings Bob fotografieren lassen, Minigolf spielen, Trampolin springen und sogar den hiesigen Bikepark unsicher machen. Dennoch sieht absolut nichts davon einladend bzw. überhaupt geöffnet aus. Außer der 15$ Sessellift dreht einsam seine Runden. So bleibt es dann auch. Wir schlagen die Autotüren von innen zu und sind weg.

 

Nächster Halt, The Heritage Park am Glenmore Stausee. Hier wartet eine Art Westernstadt auf zahlungswilligen Besucher. Wer 26 Dollar lockert macht, dem bietet sich eine fantastische Zeitreise in das Treiben des Albertas zu Zeiten der 19. Jahrhundertwende. Ist man erst einmal auf dem Gelände, ist für den – zwar typisch kanadischen – aber dennoch recht happigen Eintrittspreis einiges geboten. Die Fahrt mit der Dampfeisenbahn durch das gesamte Gelände, somit eine standesgemäße Runde mit dem Schaufelraddampfer, ja sogar einige Kinderkaruselle sind dann bereits inkludiert. Wir verbringen gut und gerne 3 Stunden mit der Zeitreise und lassen weder das Fort der Hudson Bay Company noch die Zeltsiedlung der Blackfoot Indianer aus, ebenso wird der örtliche Fallensteller und die Bäckerei besucht. Nicht nur die Gebäude, die angebotenen Speisen, die zu betrachtenden Tätigkeiten, sondern auch das zahlreiche Personal, dass sich verkleidetet unter die Besucher mischt und Leben in das kleine Städtchen bringen sollen, ziehen einen hier vollkommen in den Bann der Geschichte.

 

Völlig erschöpft – vom Jetlag und den 3 Stunden umher marschieren – trotten wir wenig später wieder durch die bereits bekannte Stephen Avenue. Hier sind wir kurz unaufmerksam und geraten irgendwie in das jährliche „Filipino-Streetfestival“ und sind plötzlich die einzigen Weißen umringet von einer schieren Unzahl von Filipinos. Zu allem Überfluß stoplern wir beinahe noch auf die Mainstage, auf der gerade die philippinische Version von Blümchen ihr Stelldichein gibt.

 

Irgendwie schaffen wir es dann doch, die asiatische Menschenparade hinter uns zu lassen und plumpsen auf die Stühle eines kleinen Straßencafés. Als Belohnung und zeitgleiches Abendessen – ist ja immerhin schon 17 Uhr – gibt es Nachos und Ginger Beer.

Halten wir folgendes fest:

Calgary kann man definitiv mal für einen Tag machen, wer hier länger bleiben möchte, wird sich mit Unterhaltung und Abwechslung evtl. schwer tun – außer man ist völliger Cowboy-Fanat, dann wimmelt es hier von Rodeo-Kultstätten, Cowboy-Hut Manufakturen und Wild-West-Museen. Allen anderen empfehle ich: ein bis maximal 2 volle Tage sind mehrmals genug, um sich in einer kanadischen Großstadt herumzutreiben.

Ready to hit the road.

R. 

 

 

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