MALLORCA

Bei der Bekanntgabe meines anstehenden Reisezieles, schlugen mir exakt und ausnahmslos zwei Antworten entgegen. Die Erste lautete ungefähr so „Was? Warum fährst du denn an den Ballermann?“ und die Zweite hatte ein ähnliche Richtung „Seit wann machst du den Sauf- und Partyurlaube?“. Bei meiner Antwort, die schon an eine Art Verteidigung grenzt, werden aber trotz des krassen Gegenteils dann auch die Augen verdreht. „Ich gehe wandern“ ist hier fast schon eine Enttäuschung und wollen halt doch die Wenigsten hören.

Sei es drum, es ist wirklich mehr als traurig, wie eine ganze Insel wegen eines 600m langen Strandabschnittes – mehr ist das Ganze nicht – so in Verruf, bzw. so mit negativen Vorurteilen übersät wird. Wer sich von S’Arenal fern hält bekommt von dem ganzen „Ballermann-Remidemi“ kein bisschen was mit und kann die Schönheit der Landschaft, das Klima, die rauen Küsten, das zum Teil türkisfarbene Meer und ja, auch die Ruhe geniessen.

Zugegebenermaßen, eine Sache stört auf des Deutschen liebster Insel, doch ab und an das Urlaubsfeeling – man versteht alles und jeden, schnappt konstant Gesprächsfetzen, die gruseligsten Dialekte und Themen sowie jede sinnbefreite Bemerkung über das Wetter o.Ä. auf. Man kann sich seiner Muttersprache und seiner Ohren halt nicht entziehen.

Jetzt aber zum Kern des Artikels, wandern war die Devise, daher sind hier meine Top3 Tourenbeschreibungen für euch:

 

 

Tour 1: Von der Cala S’Almunia zur Marmorbucht

Das Schwierigste an der ganzen Tour ist es einen Parkplatz bzw. überhaupt den Ausgangspunkt zu finden – hierzu müsst ihr euch wirklich mit einer Karte bzw. Google-Maps beschäftigen, denn die Cala S’Almunia mit Hilfe des Navis zu finden ist unmöglich. (kleiner Tipp: zur Not in Cala Llombards die Einheimischen fragen – UND früh los, denn die 10 vorhandenen Parkplätze sind schnell weg). Wer so glücklich oder früh dran war, um einen Parkplatz zu bekommen/finden, der steigt zunächst die steilen Steinstufen hinunter zu der malerischen Felsenbucht, hält sich dann kurz landeinwärts und folgt den rot-markierten Steinen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Wanderung nahezu „idiotensicher“, geht man doch immer am Abbruch der Steilküste auf einem deutlich sichtbar ausgetretenen Pfad entlang. Die Optionen links das Meer, rechts Gebüsch, Wald oder Felder und vor einem der Trampelpfad lassen daher keine Optionen zu.
Hier heißt es die nächsten Kilometer einfach nur geniessen, das Panorama, die unterschiedlichen Küstenabschnitte und die ein oder andere Felsbrücke in sich aufzusaugen. Nach geraumer Zeit folgt an einer Felsspitze, ein verlassenes aber noch recht gut erhaltenes Haus. Hier kann man nach rechts in Richtung Landesinnere abbiegen, oder man bleibt einfach auf dem Pfad (so hat man aber keine Abwechslung, da dies auch den Rückweg darstellt).

Wer nach rechts abgebogen ist, folgt dem zunächst breiten Karrenweg, passiert eine alte Zisterne und stellt bald fest, dass auf Höhe eines verfallenen Pumpenhauses (die Holzrad betriebene Pumpe im Inneren ist noch zu sehen) der Pfad nun schmaler und deutlich zugewachsener wird. Wir folgen und biegen ca. 15 min. später bei einer kleinen Steinhütte wieder nach links in Richtung Meer ab. Alsbald trifft man auf den bereits bekannten Küstenpfad.

Als guter Wegweiser und markanter Orientierungspunkt dient eine große weiße Säule am Rand der Steilküste. Wer nicht mehr bis zur Marmorbucht laufen möchte (ca. 20 min.) biegt nach links auf den Pfad ab, wer die restlichen Gehminuten nicht scheut und die Badehose aus dem Rucksack zum Einsatz kommen lassen möchte, der wendet sich nach rechts und folgt dem Pfad in Richtung der Bucht. Keine Sorge, auch wenn der Pfad bald zunächst einige Meter ins Landesinnere führt, er kriegt im wahrsten Sinne des Wortes gleich wieder die Kurve. In der Marmorbucht angekommen, heißt es dann hinein ins erfrischende Nass und ein bisschen Sonne tanken, bevor man sich nun gemütlich – die ganze Zeit dem Küstenpfad in entgegengesetzter Richtung folgend –  auf den Rückweg macht.

 

Tour 2: Der Kanonen-Gipfel

Diese Tour befindet sich im Nordosten der Insel; für die Anfahrt hält man sich zunächst in Richtung Alcúdia, folgt dann der Bonaire Beschilderung um letzten Endes sein Auto auf dem Parkplatz direkt vor der Ermita de la Victoria abzustellen. (Nein, der Parkplatz „unten“ am Meer ist falsch!)

Für diese etwas ausgesetzte Tour sollte man bestenfalls Schwindel- sowie Trittsicherheit, Bergschuhe und einen Rucksack voller Wasser in seinem Besitz wissen. Wenn dem so ist, braucht man nur noch die Kamera einpacken und schon kann es losgehen. Wir folgen der Forststraße in sanften Windungen ca. 15 min. bergauf und biegen dann linker Hand auf einen Pfad – leicht erkennbar, aufgrund seines großen Holzgeländers – ab. Diesem Pfad folgen wir nun bis zum „Schwalbennest“. Wer davor noch etwas erleben will, kann einer kleinen Abzweigung nach rechts oben folgen und so den Puig des Romani in die Tour integrieren.

Ansonsten quetscht man sich einfach durch das „Schwalbennest“, greift die kurze Metallketten-Versicherung, verharrt einen Moment und geniesst die Aussicht. Von dort sind es nur noch wenige Meter bis zum Mirador de Penya des Migdia – nicht nur Aussichtspunkt der Extraklasse, sondern auch früherer militärischerer Knotenpunkt. Die Ruine eines Bunkers und einer Zisterne zeugen noch heute davon.

Ab jetzt wird es spannend, denn hinter der Wölbung des Bunkerdaches beginnt ein unmarkierter – aber aufgrund seiner Ausgetretenheit – steiler Pfad durch die Felsen nach oben. Es folgen ca. 30 min. kräftezerrender (alpiner) Aufstieg in der prallen Sonne. Wer am Bunker schon ausser Atem ist und den kleinen Pfad zum Schwalbennest als „grenzwertig“ empfand, dem sei gesagt: LASST ES BLEIBEN. Allen anderen, kann ich nur empfehlen, steigt nach oben auf den Penya des Migdia, staunt über die Kanone und saugt das wirklich unfassbare Panorama in euch auf.

Der Rückweg dieser Halbtagestour (aufgrund der vielen Aussichtspausen) erfolgt über den Zustiegsweg. Nein, eine Gipfelüberschreitung zum zuvor genannten Puig des Romani ist NICHT möglich. KEINE Experimente bitte.

 

Tour 3: Na Pòpia auf Sa Dragonera

Tour 1: gemütlich und für jedermann, Tour 2: etwas spannender und somit als „für Fortgeschrittene“ einzustufen, fehlt eigentlich nur noch das ganz besondere Schmankerl.

Dafür fahrt ihr zunächst in Richtung Südwesten zu dem kleinen malerischen Küstenort St. Elm, dort bleibt auch direkt am Ortseingang das Auto auf einem bewachten Tagesparkplatz stehen. Danach folgt man einfach der Beschilderung zur „Sa Dragonera“-Fähre, denn schließlich wollen wir mit dem Boot auf die kleine drachenförmige Schwesterninsel von Mallorca übersetzen und dort dem alten Leuchtturm auf dem Gipfel einen Besuch abstatten.

Für die Überfahrt mit dem kleinen Boot werden für Hin- und Rückfahrt ca. 15 Euro fällig. Viel überraschender als der Preis, ist allerdings die Frage des Kapitäns nach der gewünschten Rückfahrtszeit, man könne entweder in 2 oder in 6 Std. zurückfahren – eine andere Option gäbe es nicht. Jetzt heißt es kurz rechnen, denn die geplante Tour hat folgende Eckdaten: 9 km, auf 300hm – und ist mit ca. 3 Stunden angesetzt. Paah; dass wollen wir doch mal sehen. Ich buche die Rückfahrt für in 2 Stunden. Top die Wette gilt.

Kaum sind wir auf der Dracheninsel an dem kleinen Hafen Es Lladó angekommen, heißt es: Beine in die Hand und los. Dem Schild Cap Llebeig/Far Vell folgend geht es die ersten Meter über eine kleine Teerstraße, alsbald biegt man aber nach rechts auf einen kleinen Karren- bzw. Muliweg ab und folgt diesem dann ausnahmslos bis zum Gipfel des Na Pòpia.

Der Weg übrigens verläuft in nicht enden wollenden Serpentinen über (gefühlt) nahezu die ganze Insel und zieht sich somit eeeetwas in die Länge, was bedeutet, der vermeintlich schnell zu erklimmende Gipfel ist trotz des einfachen Weges eine durchwegs harte Nuss. Dennoch ist der Weg traumhaft; Kiefern und Olivenbäume säumen den Weg, es wimmelt nur so von Eidechsen (Drachen!!!) und der Rosmarin verleiht dem Ganzen die passende Duftnote. Der konstante Ausblick auf die Küste Mallorcas ist ebenso atemberaubend – um stehen zu bleiben, ist leider keine Zeit.

Endlich oben angekommen, bleibt nicht viel mehr, als ein kurzes Abklatschen am ältesten Leuchtturm der Balearen und dann heißt es auch schon wieder: Abstieg, denn noch ist man gut in der Zeit.

Nach 1:54 Std. bin ich wieder am Bootsanleger, von dem Boot keine Spur, dafür umso mehr Touristen, die ebenfalls auf ihre vereinbarte Rückfahrt warten. Sind die tatsächlich alle 2 Std. am Bootsanleger herumgesessen, denn auf den Wegen habe ich keine Menschenseele getroffen? Nun ja, sei es drum. Ach und da kommt auch schon unser Boot. Timing Baby!

MEIN TIPP:

Versucht bei dem Kapitän eine Rückfahrt nach 3 oder max. 4 Std. zu erbetteln, denn diese Tour in 2 Std. „abzulaufen“ ist wirklich sportlich. Die im krassen Gegensatz dazu ebenfalls angebotenen 6 Stunden wüsste ich allerdings bei aller Liebe nicht zu füllen. (außer man hat Badezeug, Handtuch etc. dabei…)

Never judge a book by its cover. 

R.

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