WHITE CLUB TENNIS

Wer sich verwundert die Augen reibt und dank des Artikel-Titels nicht so recht weiß, was er oder sie jetzt davon halten soll, dem sei gesagt: es wird heute nicht besser. Es geht weder um Berge, noch um großartige Natur, geschweige denn um Radfahren oder noch utopischer um Skifahren, nein es folgt:

Tennis – eine Liebesgeschichte in 3 Sätzen.

Erster Satz:
Wenn ich an meine Jugendtage zurückdenke, fällt mir auf, dass es damals für meine Freunde eigentlich ein Einfaches gewesen sein musste, wenn sich mich treffen wollten, befand ich mich doch zu 90% meiner Zeit in einem der Münchner Skateparks. Ähnlich einfach, wenn gleich aber doch deutlich schwieriger, war es meinen Kumpel Christoph zu treffen, hing dieser doch zu 70% auf dem Tennisplatz und die restlichen 20% auf den – schon damals – besten Parties der Stadt herum.

Die bei beiden verbleibenden und noch offenen 10% verbrachten wir aber alters- und standesgemäß hinter Schulbüchern, im heimischen Jugendzentrum oder dem damals schwer angesagten und deshalb berühmt berüchtigten Bella Billard in Grünwald.

Hier hatte man Zeit für Gespräche, das ein oder andere Bier, vor allem aber brach man aus der gewohnten Umgebung Skatepark bzw. in Christophs Fall dem Tennisplatz aus. Wobei das bei Christoph gar nicht so einfach war; aufgrund seines Talentes, dem exzellenten Spielkönnen und der daraus resultierten hochklassigen Tabellensituation seines Tennisteams, drehte sich Christophs Welt immer mehr und intensiver um den gelben Filzball. Mit jedem weiteren Titel erhöhte sich die Trainingsintensität und die Anforderungen der Trainer und des jeweiligen Clubs stiegen. Diese sich immer enger drehende Spirale kollidierte irgendwann mit zwei Dingen. Zum einen mit der Gesundheit und zum anderen mit der von Rebellion und dem Ruf nach Freiheit geprägten Pubertätsphase, sowie dem darauf folgenden Erwachsenwerden.

Die erhöhte Partyschlagzahl, sowie das Interesse am anderen Geschlecht standen dem Tennis zwar etwas im Weg, den Gar machten der professionellen Sportkarriere von Christoph aber dann leider zwei schwerwiegende Handgelenksverletzungen und die daraus resultierenden OPs aus. So kam es, wie es kommen musste und die weißen Sandplatzschuhe blieben weiß, denn den roten Sand berührten sie nur noch in ganz seltenen Fällen.
Obendrein hatte man das generelle Gefühl, Tennis begann etwas aus den Köpfen der Menschen zu verschwinden, so wurde einem das Vergessen bzw. das Verdrängen zu dieser Zeit relativ leicht gemacht.

Zweiter Satz:
Christoph und ich hatten beide (dennoch) ziemlich viel Glück, vielleicht wurden wir aber auch einfach nur für die Hartnäckigkeit zu unserer jeweiligen Passion belohnt. Ich durfte eine zeitlang als Redakteur für einige Funsport-Magazine schreiben, Christoph hingegen stieg im großen Stil in das Münchner Nachtleben ein und zieht dort seither allerlei Fäden in unserer schönen Stadt. Er organisiert diverse Bar- und Club-Konzepte sowie rauschende Feste, auf die er früher selbst gerne gegangen wäre. Scheint so, als wäre alles in bester Ordnung, doch erneut passierte das, was passieren musste, eines Tages begann Christoph die alten Tennistage zu vermissen, die Matches, die intensiven Grundlinienduelle, das Kribbeln vor einem Wettkampf und allem voran den Spaß am – frei nach Gerhard Polt – weißen Sport selbst.

Auch wenn sich Christoph, trotz des kaputten Handgelenkes, nie gänzlich von seinem Sport abgewandt hat, der Rhythmus von früher war einfach nicht mehr da.

Das war der Moment, in dem ihm und seinem alten Tenniskollegen Peter, der Einfall zu einer Art offenen Tennis-Liga kam. Eine zunächst grobe Idee, die es ermöglichen sollte, Leute in einem einfachen System zu vereinen, diese in einer Art freiwilligen Wettstreit gegeneinander antreten zu lassen und allem voran Tennis wieder in die Köpfen der Menschen zu bringen. Leichter gesagt als getan.

Einige Planspielchen und zerknüllte Notizblöcke später war es aber soweit, der White Club war geboren. Die Regeln und das System sind so naheliegend und kinderleicht, dass es einem im ersten Moment schwer fällt zu glauben, dass es bis zum Jahre 2015 gedauert hat, bis man solch ein „Regelwerk“ an die geneigten Spieler brachte.

Zunächst registriert man sich auf der Homepage des White Clubs, somit ist man direkt Teil der Community und findet passende Spieler in seiner Spielstärke. Hier wird in diverse Könnerstufen unterschieden, von ich-weiß-wie-ich-den-Schläger-halten-muss, bis hin zu Nenn-mich-Roger ist alles und jeder willkommen. Wer dann noch eine Schippe drauf legen möchte, kann sich als Ligaspieler anmelden – dies bedeutet, das der Spieler innerhalb eines Zeitraumes X in der ihm zugeteilten und passenden Liga eine bestimmte Anzahl an Matches zu bestreiten hat. Zeitpunkt und Orte dieser Ranglisten-Spiele werden aber immer von den beiden jeweiligen Kontrahenten selbst festgelegt, ausgemacht sowie bestritten. Das Ergebnis teilt man dann wiederum dem White Club mit, so kann die Liga und Rangliste gepflegt werden, bis irgendwann der Champ feststeht.

Klingt einfach? Klingt gut? Ist es auch. Man hat so gesehen als „Mitglied“ alle Vorteile, Organisationsstrukturen und Kontakte eines (echten) Clubs, aber alle Zwänge, Regelwerke, Anwesenheitszeiten und Spielpläne entfallen, bzw. schafft man sich diese einfach selbst.

Die erste Outdoor-Saison des White Clubs lief wie am Schnürchen, Christoph und Peter sind stolz wie Bolle, die Mitgliederzahl steigt stetig und passend zur Jahreszeit wurde direkt zum ersten Indoor-Ligabetrieb gerufen.

Dritter Satz:
Letztendlich blieb die Frage, wie bekommt man jetzt noch Tennis zurück in die Köpfe der Menschen? Passionierte Tennisspieler werden hier natürlich immer empört reagieren und es vehement verneinen, dass Tennis irgendwie nicht mehr ganz so en vogue ist, wie noch zu Bobbeles Zeiten. Das mag natürlich zum einen damit zu tun haben, dass wir leider keinen wirklich großen deutschen Spieler mehr auf der ATP Tour haben, zum anderen muss man aber auch sagen, dass das heutige Sportangebot für den Nachwuchs einfach wesentlich umfangreicher als früher ist.
Was also tun?

Tennis muss in die Köpfe, hmmm das bedeutet, Tennis muss auffallen, Tennis muss wieder in die Stadt, wieder in ein urbanes Umfeld…
Und hier begann Christophs Kopf erneut zu rauchen und all seine Event- und Erfahrungen aus Nachtleben wurden ausgespielt und schnell war klar: der White Club bzw. der Sport Tennis braucht die Presse.

Presse die über Tennis jenseits der ATP Tour spricht, Presse die über ungewöhnliches Tennis spricht, Presse die über die Köpfe hinter dem ungewöhnlichem Tennis spricht, Presse die somit wiederum über den White Club spricht.

Ein paar Telefonate, eMails und dem Einfordern alter Gefälligkeiten später, waren diverse mehr als ungewöhnliche Spielorte eingetütet. Es wurde Tennis zu Füßen der Bavaria gespielt, es wurde auf der Aussichtsplattform der Zugspitze aufgeschlagen und selbst im altehrwürdigen Münchner Olympiastadion wurden Bälle retourniert.

Und was geschah? Die Presse kam; und zwar in Scharen. Tennis ist also zurück auf dem Weg in die Köpfe der Menschen.

Großes Tennis; danke Christoph & Peter

Und wiedermal bleibt dass schon fast dröge aber eben bewiesene Fazit:
Halte an deinen Träumen fest, verliere nie die große Liebe aus den Augen und glaube an dich. Das Leben ist besser, wenn du deine eigene Motivation bist.

Spiel. Satz & Sieg.
R.

Ps: Wer mehr Info’s braucht, schreibt den Jungs am Besten direkt ne Mail.

Ein Gedanke zu “WHITE CLUB TENNIS

  1. Eine schöne Geschichte die mal wieder zeigt das die Buzz unserer Zeit wie Digitalisierung nicht nur Schall und Rauch sind sondern auch vermeintlich abgestaubte Dinge aus dem Schrank holen können um sie neu aufpoliert zu neuem Erfolg führen können.

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