KÖNIGSHAUS

Sechs Drei Sieben, diese drei in leichtem LED-rot wabernden Digital-Ziffern blicken mich an, als ich die Augen öffne. Das darf doch nicht wahr sein, an einem freien Tag um halb sieben aufzuwachen ist mehr als ungerecht. Krampfhaft versuche ich wieder einzuschlafen, nach einer 40 min. Phase aus herumwälzen, Kissen neu sortieren, vermeintlich beste Einschlafpositionen finden und dem andauernden Mantra in meinem Kopf: schlaf schlaf schlaf, gebe ich schließlich auf. Ich bin also wach. Nun gut, aufgestanden und überlegt, was denn mit diesem Tag um 7:15 Uhr  so anzufangen sei.

Die Lösung war schnell gefunden, ab in die Berge. Wenn man schon einigermaßen ungewollt zum frühen Vogel wird, dann sollte man auch seinen sprichwörtlichen Wurm in Form einer Bergtour fangen.

Mein Weg führte mich über Garmisch und via Mautstraße zum Schloß Elmau. Dort befindet sich auch ein Wanderparkplatz für allerlei Touren im nahezu gleichschenkeligen Dreieck aus Mittenwald, Garmisch und dem gesamten Karwendel-Einzugsgebiet. Ich hatte mir für heute allerdings nichts sonderlich Spektakuläres vorgenommen, wollte ich doch lediglich via dem Königsweg über die Wettersteinalm zum Königshaus am Schachen aufsteigen.

Das Königshaus am Schachen ähnelt einer Blockhütte bzw. eigentlich viel mehr einem Schweizer Chalet, wenn man es dagegen – zumindest äußerlich – mit den anderen Bauten von König Ludwig II. vergleicht, wirkt es nahezu putzig und bescheiden. Schöner und besser könnte Ludwigs Rückzugsmöglichkeit im Wettersteingebirge aber wahrlich nicht positioniert sein.
Leider war ich – welch Wunder, wir haben fast Ende November – ausserhalb der Besichtigungssaison vor Ort, so dass mir der angebliche Prunk im Inneren des Königshauses verwehrt blieb. Das macht aber nichts, war ich doch mehr wegen der Tour an sich, als aus der königlichen FanBoy-Warte heraus unterwegs. Nicht, dass ich mich nicht für „unseren Kini“ interessieren bzw. begeistern könnte, dennoch ist es mir lieber, eher allein auf dem Berg zu sein, als mit Scharren von Touristen nach oben zu pilgern, nur um alle Königsbauten endlich abgehakt zu haben.

Fairerweise muss man sagen, dass sich die „Touristenmassen“ aber wohl in Grenzen halten werden, ist doch der einfache Aufstieg bis zum Königshaus mit einer Gehzeit von 3-4 Std. angesetzt. Und es ist wirklich ein scheinbar nicht enden wollender Marsch in Richtung des auserwählten Zieles; und das auf einer zwar für jedermann begehbaren aber nicht minder demotivierenden Forststraße. So etwas ist normalerweise auch nicht meine Version von Wandern, Bergsteigen oder wie man dass auch immer nennen mag – aus Trainingszwecken und um mal wieder in den Geschwindigkeitsrausch zu verfallen, war es aber perfekt. So konnte man trotz Rucksack und stetiger Steigung immer wieder Laufpassagen einbauen, bis man letztendlich sichtlich erschöpft auf 1876m ankommt.

Die Ausblicke auf der Tour sind grandios, die Lage des Königshauses ebenso und die simple gehaltene Wegstrecke eine ordentliche Herausforderung, ist man doch auf der Runde Parkplatz-Königshaus-Parkplatz satte 23 km auf den Füßen.

Insofern schade, dass ich dann nicht mit einem Besuch des viel gerühmten „Türkischen Zimmers“ in des Kini’s Berghütte belohnt wurde.
Aber sei es drum, der Groll über die kurze Nacht war schon lange verflogen bzw. aus mir heraus gelaufen.

Meine Heimat, meine Berge
R

Ps: meine Gesamtzeit für diese Tour lautet 3:38 Std – wie gesagt, tolle Trainingsstrecke.

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