#alltimefalltime

Beginnen wir den heutigen Tag einmal zur Abwechslung absolut kanadisch:
Juhuuu Regen. Mensch ist das spitze. Ich freu mich über jeden einzelnen Tropfen. Wir hatten aber auch 6 Monate eine Dürre hier, das war kaum zum aushalten, zum Glück regnet es jetzt seit fast 3 Wochen täglich. Obendrein ist damit die Waldbrand-Gefahr endlich auf „low“, es war ja wirklich sooooo trocken und heiß bis Ende August; Waldbrände ohne Ende – wo man auch nur hinsah, rauchte es aus dem Wald. Ach, freu ich mich über den Regen, ich freue mich sogar fast so, wie der lokale Fernsehsender, der zu dem aktuellen Wetter folgenden Claim ausgeben hat „We wish that alltime is falltime“. Natürlich mit zugehörigem Hashtag: #alltimefalltime.

Ganz unkanadisch gibt es zunächst in meiner Unterkunft Frühstück und zwar mit allem, was man sich wünscht und vorstellen kann, ich war sprachlos. Das könnte mein erster Tag ohne einen Starbucks-, Tim Hortons-, Supermarkt- oder iHop Besuch werden. Starthilfe unnötig.

Wenn es schon mal wieder Wasser von oben gab, konnte ich ja getrost auch Wasser von unten, bzw. Wasser um mich herum addieren. Nach einstündiger Fahrt entlang der Küstenlinie der Sunshine (haha) Coast kam ich in dem kleinen Örtchen – 8 Häuser zählen als Ort – Egmont an. Und was sehen meine müden Augen da, auf dem Wanderparkplatz steigen gerade zwei Personen aus ihrem Auto und machen sich „Hike“-fertig. Das wird doch nicht etwa meine erste Tour seit Whistler werden, bei der ich nicht wieder aufgrund des „allein im Wald seins“ umdrehen muss?

Ich folge den beiden in ca. 100m Abstand, so dass alle noch ihre Ruhe haben, wir aber dennoch – für den Fall der Fälle – in Rufweite wären. Ziel der heutigen Tour sind die Stromschnellen von Skookumchuk; selbige zählen aufgrund ihrer Gezeiten-Abhängigkeit zu den schnellsten der Welt. Hier wurden schon Wassergeschwindigkeiten von 160kmh gemessen. Wobei mir das ehrlich gesagt, überhaupt nichts sagt, da ich Wasser noch nie nach „Geschwindigkeit“ beurteilt habe und auch keinerlei Vergleichswerte hierzu habe. Anyway, ich war eh zum tiefsten Punkt der Ebbe unterwegs, da es zu diesem Zeitpunkt zwar weniger beeindruckende Stromschnellen, aber dafür umso mehr sichtbare Seesterne geben soll. Selbige habe ich bisher nur auf Zuchtfarmen gesehen, d.h. die würden also für meine Wildlife-Liste zählen.

Nach ca. 1.5 Std. ist man auch schon an den „Stromschnellen“, außer uns dreien befinden sich noch ca. 5-6 andere Schaulustige vor Ort und krabbeln zwischen den Muscheln und Algen überwucherten Felsen hin- und her, um nicht irgendwo noch einen viel besseren Seestern als den eben gerade zu finden. Ps: dort ist Seesternhausen, dass müssen 100te sein, in allen Farben, Größen und ja sogar Formen, obwohl Stern natürlich Stern bleibt. Da mir Seesterne in frei herumliegender Wildbahn generell noch gefehlt haben, kann ich nicht sagen, ob das normal ist, oder ob das schon etwas herausragendes ist, wenn die 5-Zacken wirklich oh mass zu sehen sind. Zum Glück sind alle so vernünftig und fassen die Sterne weder an, noch dass sie diese gleich ganz einschieben.

Ich habe für mich eine kleine Felsen“bucht“ etwas weiter ab vom Schuss gefunden, diese war den meisten dann doch zu weit und zu viel zu klettern, dort saß ich, beobachtete ein Kingfisher-Pärchen (ähnlich wie der Eisvogel bei uns) und wartete, ob sich so ein Seestern auch mal bewegen würde. Glücklicherweise hatte der Himmel aktuell beschlossen, eine Pause einzulegen. DANN passierte es. Aus dem Augenwinkel vernahm ich eine Bewegung auf dem Wasser, mein Kopf zuckte herum und ich sah nur noch einen großen schwarzen Körper in flüssiger Wellenbewegung wieder ins Wasser tauchen. Ich starrte, das Kinn auf den Knien, auf die Stelle, zerrte den Fotoapparat aus der Tasche und wartete…..wartete…..wartete….über eineinhalb Stunden. Es ward nie wieder etwas von einem „Körper“ zu sehen. Jetzt muss ich zugeben, normalerweise bin ich auch ein Fan der These „no pic not done/happened„, aber glaubt mir, ich spinne doch nicht, DAS war da. Nur was war das?

In der Summe gibt es 3 Möglichkeiten, im Sechelt Inlet gibt es Delphine, Robben/Seelöwen und 3-5 Killerwal-Schulen, sowie vereinzelt wohl auch Grauwale. Für einen Delphin war mir der Körper zu schwarz, für eine Robbe war es fast zu groß, für einen Wal wiederum war allerdings keine Schwanzflosse etc. zu sehen. Ich tendiere generell etwas zur Robbe, vergleiche ich das aber mit meinen bisherigen Robben-Begegnungen, muss man sagen, eine Robbe muss immer wieder auftauchen und Luft holen. Zu sehen war aber einfach gar nichts mehr, auch nichts zu hören, einfach nichts. Nada.

Ich ging nur äußerst widerwillig, aber ansonsten würde ich wahrscheinlich immer noch dort sitzen.

Mittlerweile war ich wieder vollkommen alleine, d.h. der Rückweg durch den dichten kanadischen Regenwald verlief wiedermal wesentlich schneller als der Hinweg; wobei man sagen muss, diesmal war von einem Bären weit und breit nichts zu sehen. Mein Kopf war obendrein bei meinem halbsekündigen Kill-Rob-phin-Erlebnis.

Pray for no more rain
R

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